Ich und die Meinen

Ich und die Meinen

Herzlich willkommen!

So, das bin ich! Ich bin Kurt Palfi. Ich habe mir gedacht, jetzt muss mal ein neues Foto her. Leider hat Onkelchen ein Nacktfoto von mir hochgeladen. Aber ich sehe doch noch recht proper aus!
Wir (das sind ich, mein missratener Sohn Gianni Dona und Onkelchen, der alles für uns tippt) lästern in diesem Blog über alles, was gerade anfällt: Fußball, Politik, Film und Fernsehen, alles Mögliche. Viel Spaß!

Mittwoch, 30. Juni 2010

WM-Blog: Warum Deutschland gegen Argentinien gewinnt - oder auch nicht.

Ein Streitgespräch der anderen Art.

Tja – wir haben ein paar Tage nichts von uns hören lassen, weil wir noch so geplättet vom letzten Spiel der deutschen Mannschaft waren. Das hat unsere Prognosen total über den Haufen geworfen. Onkelchens Geburtstag, der 27. Juni, bleibt also auf ewig mit einem historischen Debakel verbunden – allerdings auf der englischen Seite. Mann, das war ein Spiel, das wirklich alles hatte inklusive eines glasklaren Tores für die Engländer, das nicht gegeben wurde. Damit ist unsere allzu durchsichtige Absicht, ein Vorrunden- beziehungsweise Achtelfinal-Aus der deutschen Mannschaft herbeizuschreiben, um dann durch öffentlichen Druck Peter Neururer als Bundestrainer zu installieren, so was von in die Hose gegangen, und wir müssen uns damit auseinandersetzen, dass sich die deutsche Mannschaft – sofern sie Argentinien schlagen sollte – zu einem echten Titelfavoriten mausert. Was sagt ihr dazu?

Gianni Dona: Argentinien wird gewinnen und schließlich den Weltmeistertitel holen. Diego macht das schon. Ich spüre das.

Argentinien und Deutschland trafen vor vier Jahren schon einmal im WM-Viertelfinale aufeinander, damals gab es ein 1:1 und anschließend Elfmeterschießen, das Deutschland für dich entschied. Wird es diesmal ähnlich laufen?

Onkelchen: Naja, diese WM hat ja schon so viele Prognosen Lügen gestraft – zum Beispiel war ich nach den ersten zwei Unentschieden immer noch felsenfest davon überzeugt, das Italien ein Topfavorit auf den Titel sei. Falsch gedacht. Wenn wir uns dieser Frage nähern, dann möchte ich hier einen ketzerischen Gedanken loswerden. Ich bin davon überzeugt, dass Deutschland vor vier Jahren nur dank des Heimvorteils und dank einer unglücklichen Auswechslung des argentinischen Trainers Pekerman, der Riquelme herausgenommen hat, weitergekommen ist.

Gianni Dona: Das sehe ich auch so.

Onkelchen: Maradona ist als Trainer zwar eher als Dilettant einzustufen, aber diesen Fehler wird er nicht machen. Er wird zum Beispiel Messi nicht vom Feld nehmen, solange die Partie nicht wirklich entschieden ist – es sei denn, Messi verletzt sich.

Gianni Dona: Einspruch: Diego ist der größte Trainer aller Zeiten!

Onkelchen: Danke für diesen Einwurf. Bleiben wir doch sachlich – Deutschland hat diesmal keinen Heimvorteil und selbst der Trainer-Anfänger Diego wird diesen eklatanten Fehler seines Vor-Vorgängers Pekerman nicht machen. Dennoch hat Deutschland Chancen, denn ich denke, Argentinien steht unter einem größeren Druck als die Deutschen – und die Deutschen sind besser als vor vier Jahren, vor allem spielerisch. Argentinien dagegen hat ohne Zweifel die beste Offensive aller WM-Teilnehmer, aber die Hintermannschaft ist wacklig.

Gianni Dona: Das trifft auch auf die deutsche Mannschaft zu. Wenn man sich ansieht, welche Schnitzer sich Per Mertesacker geleistet hat…

Onkelchen: Kein Widerspruch – aber Demichelis war auch nicht immer so sattelfest, wie man es sich bei einem WM-Aspiranten wünscht. Vor vier Jahren war das Verhältnis Abwehr zu Angriff bei den Argentiniern ausgeglichener. Meine ich zumindest. In den bisherigen vier Spielen wurden die Argentinier hinten nicht unbedingt so stark gefordert, weil die Gegner nicht so sehr stark waren und weil sie ohnehin ihr Heil im Angriff gesucht haben. Die deutschen Gegner waren schwerer – das sieht man schon daran, dass beide Mannschaften, die aus der Gruppe D ins Achtelfinale aufgestiegen sind, sich noch im Wettbewerb befinden. Deutschland und Ghana sind noch dabei.

Gianni Dona: Das mag stimmen, aber sagt über das Spiel der Deutschen gegen die Argentinier wenig aus.

Onkelchen: Klar, jedes Spiel hat seine eigenen Gesetze – fünf Euro fürs Phrasenschwein – aber was ich sagen will, ist, dass Deutschland mit der Empfehlung kommt, schon einen ganz großen Namen des Weltfußballs weggehauen zu haben. Klar und simpel weggehauen. 4-1, OK, zählen wir das nicht gegebene Tor, dann ist es ein 4-2. Ich denke, das hat die Argentinier und Diego schon ein bisschen zum Grübeln gebracht. Für mich ist Deutschland leichter Außenseiter, wenn ich die Chancen der Mannschaft beziffern wollte, würde ich sagen: 45 zu 55, aber Deutschland ist beileibe nicht chancenlos. Damit Deutschland gewinnen kann, muss natürlich eine Menge passieren. Man muss sich eine Lösung einfallen lassen, wie man die Kreise von Messi auf möglichst faire Weise stören kann. Und Argentinien ist ja auch nicht nur Messi, die Stürmer wie Higuain, Tevez und Milito sind international erste Sahne. Es könnte passieren, dass Deutschland in Rückstand gerät, aber die deutsche Mannschaft ist damit auch schon im Serbien-Spiel sehr gut umgegangen. Andererseits hatte Mexiko im Achtelfinale gegen Argentinien durchaus Chancen, bis dann eben das irreguläre Tor fiel. Es ist den Mexikanern nicht gelungen, Profit aus den vorhandenen Chancen zu schlagen. Das muss die deutsche Mannschaft besser machen, dann hat sie eine reelle Chance.

Gianni Dona: Diese Rumpeltruppe?

Onkelchen: Naja, selbst Du als Wiedergeburt des argentinischen Fußballgenies, das aber noch lebt und derzeit die argentinische Nationalmannschaft trainiert, musst zugeben, dass 95 Prozent aller Spiele Rumpelfußball sind – ich bevorzuge den Ausdruck Gebolze. Irgendjemand haut den Ball nach vorne, in der Hoffnung, dass jemand ihn erläuft. Argentinien wird einige Fehler nicht machen, die den Engländern passiert sind, man muss sich da das 1-0 durch Klose anschauen, das war wirklich zum Piepen. Aber andererseits: Wenn Klose körperlich und mental fit ist, kann er einer der tödlichsten Stürmer sein, die es auf dem Globus gibt. Bastian Schweinsteiger ist wirklich in eine Führungsrolle hineingewachsen, die man dem einstigen Bruder Leichtfuß noch vor einem Jahr nicht zugetraut hätte. Mesut Özil ist ein echter Spielmacher – er ist kein Messi, dazu fehlt ihm international oft (noch!) die Torgefährlichkeit. Und Thomas Müller trägt seinen Namen und die 13 völlig zu Recht. Diese Leute sind in dieser WM so extrem mit ihren Aufgaben gewachsen, wie man sich es überhaupt nicht erhoffen konnte. Deshalb bin ich mir sicher, dass sie auch gegen Argentinien bestehen können und eine Chance haben. Einen Tipp traue ich mir nicht abzugeben – Argentinien ist aus meiner Sicht Favorit, aber die Deutschen werden auch ihre Chance haben. Ach was, jetzt tippe ich doch. 2-1 für Deutschland. Und wenn Deutschland weiterkommt, dann kommen sie auch ins Finale.

Gianni Dona: Ich sage 3-1 für Argentinien. Diego „D10s“ wird Weltmeister!

Samstag, 26. Juni 2010

WM-Blog: Ooooh, da strafen die uns so Lügen!

Sorry. Wir haben einige Tage Funkstille bewahrt, weil wir es echt erst einmal verkraften mussten, dass unsere todsichere Prognose vom Vorrunden-Aus der deutschen Fußball-Nationalmannschaft nicht eingetreten ist. Na ja. Macht nichts. Fliegen sie eben heute gegen England raus.
Nur Onkelchen ist aus unserer Rausflieg-Front ausgeschert, weil er heute Geburtstag hat und er nicht will, dass sein Geburtstag auf ewig mit einem historischen Fußball-Debakel verbunden ist. Da muss er durch! Happy Birthday und so weiter...

Dienstag, 22. Juni 2010

WM-Blog: Lasst uns niedersitzen zu Trauermären von der Könige Tod

- das deutsche Vorrunden-Aus, messerscharf analysiert

Liebe Leser, was ihr hier lest, ist ein ungeheuerliches Experiment. Wir sitzen hier als Expertenrunde zusammen und analysieren das deutsche WM-Aus – 24 Stunden, bevor die deutsche Mannschaft überhaupt ausgeschieden ist. Wir haben natürlich intensiv darüber diskutiert, ob wir diesen Versuch wagen wollen – ob wir nach den Gründen für das deutsche Ausscheiden suchen wollen, bevor dieses Ereignis überhaupt eintritt. Da wir das WM-Vorrundenaus des deutschen Teams aber als gegebene und unvermeidbare Tatsache ansehen, haben wir uns dafür entschieden. Wir gehen auch gleich in medias res. Meine Diskussionspartner sind mein missratener Sohn Gianni Dona (GD) und Onkelchen. Hallo.

GD + Onkelchen: Hallo.

Tja, mistige Sache, dieses Vorrunden-Aus. Das schmerzt gewaltig. Woran lag’s?

GD: Man muss akzeptieren, dass das Turnier für diese junge Mannschaft mindestens ein Jahr zu früh kam. Sie hat ohne Zweifel Zukunft und Potenzial – aber sie war einfach den Anforderungen, die ein WM-Turnier stellt, noch nicht gewachsen. In zwei Jahren bei der EM wird das ganz anders aussehen, aber dieses Jahr hat es noch nicht gereicht.

Onkelchen: Ich denke, die Mannschaft war nicht gut ausbalanciert. Wirklich große Teams sind immer eine Mischung zwischen jung und alt, spielerischen und kämpferischen Persönlichkeiten. Bei diesem Team neigte sich die Waagschale zu sehr in Richtung der Jugend und des spielerischen Elements. Das ist gut für Teenie-Magazine, aber Turniere gewinnt man nicht damit.

GD: Es ist immer auch ein bisschen Pech dabei. Das Serbien-Spiel…

Onkelchen: … ging auch deshalb verloren, weil den Jungs der Auftaktsieg gegen Australien zu Kopf gestiegen ist. Zumindest ein bisschen. Die Serben spielten anders, standen enger, unsere Jungs kamen damit nicht zurecht. Dann kam die Gelb-Rote gegen Klose, die Orientierung ging kurze Zeit verloren, es stand 0-1. Khedira schoß noch vor der Pause an die Latte, dann vergab insbesondere Podolski reihenweise gute Möglichkeiten und schließlich noch den Elfmeter. Letztlich wechselte Löw noch Scheiße aus, für Özil und Müller kamen Marin und Cacau .

GD: Was war daran Scheiße?

Onkelchen: Das Timing. Özil hat gegen Serbien bestimmt nicht sein bestes Spiel gemacht, aber nach dem verschossenen Elfmeter gingen die Offensivbemühungen unvermindert weiter, man hatte das Gefühl, dass Özil langsam ins Spiel findet, schließlich hatte er Podolski schon einige gute Vorlagen gegeben. Hätte Löw nur einen der beiden ausgewechselt oder vielleicht einen Stürmer für einen Abwehrspieler gebracht, dann hätte vielleicht noch etwas gehen können. So aber war der Rhythmus der Mannschaft vollkommen gebrochen. Das sah man sehr schnell. Es passierte nicht mehr viel.

Ist denn nun allein dieses eine Spiel schuld an der Malaise?

Onkelchen: Na ja, es ist symptomatisch für einige Dinge, die Joachim Löw – ich sage es mal so deutlich – verbockt hat. Warum spielen wir denn ein 4-2-3-1, wenn man nach der WM 2006 geschworen hat, wir spielen in alle Ewigkeiten 4-4-2? Das 4-4-2 ist dem gemeinen Fußballfan ja von Klinsmann und Löw als Ergebnis höherer Eingebung verkauft worden. Wenn das so ist, warum kommt man davon ab und spielt nur mit einem schwindsüchtigen Stürmer? Wir sehen es ja – fast alle Teams bis auf Argentinien bieten nur noch einen Stürmer auf. Dann brauchen wir doch keine Viererkette, dann können wir mit zwei Spitzen spielen. Das wäre wahrscheinlich die Option gewesen, mit der sich Serbien hätte knacken lassen.

GD: Die Hierarchie im Team war auch unklar. Auf der einen Seite ist Lahm Kapitän, Schweinsteiger aber der Leader und soll den Effenberg geben. Diese Doppelspitze ergibt keinen Sinn. Podolski hat gemacht, was er wollte, egal, ob es Sinn ergeben hat oder nicht. Das sah man beim Elfmeter. Er wollte das Tor unbedingt, weil er schon so viele Chancen versiebt hatte. Damit hat er der Mannschaft keinen Gefallen getan. Es ist insgesamt merkwürdig – mitten im Turnier, in einem Spiel, das auf der Kippe steht, schnappt sich ein unsicherer Kantonist den Ball und sagt „Ich schieß“. Das hätte klar festgelegt gehört, wer zum Strafstoß antritt.

Ihr seht die Schuld also hauptsächlich bei Jogi Löw?

GD: (nickt)

Onkelchen: Das ist vielleicht zu einfach – im Vorfeld ist einiges schiefgegangen, die Mannschaft hatte einige Nackenschläge zu verkraften, man denke an die ganzen Verletzungen, Ballack, Adler, Rolfes, Westermann, Träsch – vergessen wir auch nicht den Tod von Robert Enke. Da kam viel zusammen. Aber ein Trainer ist gerade dafür da, für solche Umstände eine Lösung zu finden. Ich sage nicht, dass wir hätten Weltmeister werden müssen. Das Viertelfinale wäre unter diesen Umständen schon ein anerkennenswerter Erfolg gewesen. Vergessen wir nicht, dass Frankreich auch schon draußen ist. Aber ein Vorrunden-Aus ist zu wenig – vor allem, weil es vermeidbar war.

GD: Die Mannschaft wurde unter Wert geschlagen. Und es ist auch nicht zu erwarten, dass sich das gegen Ghana bessert. Deswegen sitzen wir ja schon heute hier und sezieren das deutsche Debakel.

Onkelchen: Ich will nicht mal sagen, dass der Mannschaft der Biss oder der Teamgeist oder der Kampfgeist fehlte – das alles war durchaus vorhanden. Ich hatte allerdings nie den Eindruck, dass wir es mit einer echten deutschen Mannschaft zu tun hatten. Bitte nicht falsch verstehen – das hat nichts damit zu tun, dass einige Spieler einen Migrationshintergrund haben, wie man wohl heute sagt.

GD: Das musst du jetzt erklären.

Onkelchen: Das beste Beispiel für das, was ich unter einer „echten deutschen Mannschaft“ verstehe, ist das Team, das die WM 86 in Mexiko gespielt hat. Die sind damals im Vorfeld heruntergeschrieben worden, man traute ihnen nichts zu. Und sie kamen ins Finale und holten einen Zwei-Tore-Rückstand gegen Argentinien auf. Zwei Jahre vorher bei der EM in Frankreich flogen wir ja mit Pauken und Trompeten raus, Trainer Derwall musste gehen, was mir sehr leid tat, und Beckenbauer übernahm. Alle Zeitungen schwadronierten von einem Neuanfang, als würden wir auf einmal wie die Franzosen spielen, die damals wirklich das Maß aller Dinge waren. Man vergaß aber, dass Beckenbauer auch nur mit den Spielern arbeiten konnte, die auch schon Derwall zur Verfügung hatte. Das Word „Rumpelfußballer“ gab es damals noch nicht, man bezeichnete das deutsche Team damals wohlwollender als „Fußball-Handwerker“, die keinen Stich gegen die technisch hochstehenden Konkurrenten machen würden. Der Start ins Turnier war auch wirklich mühsam. Erst rannten unsere Jungs gegen Uruguay 70 Minuten in praller Mittagshitze einem Rückstand hinterher, dann holten sie gegen Schottland im zweiten Gruppenspiel ebenfalls einen Rückstand auf und gewannen 2-1. Trotz einer Niederlage im letzten Gruppenspiel gegen Dänemark waren wir weiter (beim 24er-Teilnehmerfeld, das es damals gab, kamen auch die vier besten Gruppendritten weiter, uns reichte es aber zum zweiten Tabellenplatz). Witzigerweise gingen wir den Spaniern aus dem Weg, die Dänemark im Achtelfinale mit 5-1 niedermähten, gingen aber gegen Marokko im Achtelfinale über 120 Minuten, bis uns ein Matthäus-Freistoß erlöste. Im Viertelfinale ging’s gegen Gastgeber Mexiko, ein torloses Gewürge, in dem wir im Elfmeterschießen 4-1 gewannen. Und dann Frankreich im Halbfinale. Die Franzosen hatten ihren Höhepunkt schon bei der EM 1984 gehabt, ihre Stürmer wie Rocheteau taugten nicht viel, weswegen Platini das Toreschießen mit übernehmen musste. Und Platini war 1986 nicht mehr in seiner EM-Form, er war sichtlich zwei Jahre älter geworden und auch die Hitze machte ihm zu schaffen. Und dann kam der Freistoß von Brehme, der unter dem französischen Torwart Bats durchrutschte.

GD: Peter Shilton erlebte etwas Ähnliches vier Jahre später, ebenfalls bei einem Brehme-Freistoß, ebenfalls in einem WM-Halbfinale.

Onkelchen: Witzigerweise war der beste Torwart des Turniers der Brasilianer Carlos, der nur einen einzigen Gegentreffer zuließ. Brasilianische Torhüter sind ja bis dahin oft Gurken gewesen, man denke nur an den Fliegenfänger Valdir Peres 1982. Carlos fand ich 1986 dagegen cool – ein Torwart, der genauso hieß wie der damals meistgesuchte Terrorist der Welt. Egal. Was ich an unserem Team mochte, war, dass es so ein bisschen was von einem „dreckigen Dutzend“ hatte. Das waren keine Filigrantechniker (Magath, Litti und Herget vielleicht ausgenommen), aber es war ein Team. Sie machten sich nichts draus, dass ihnen keiner was zutraute. Man konnte ihnen alle möglichen Widrigkeiten in den Weg werfen, sie kamen damit klar. Sie gaben nie auf. Wenn’s sein musste, spielten sie mit einer Sechs-Mann-Abwehr. Brehme, Briegel, Förster, Berthold, Jakobs hinter und Eder vor der Abwehr. Sie haben wahrscheinlich dem Rest der Fußball-Fachwelt mehr Respekt abgenötigt als die Mannschaft, die 1990 schließlich in Italien Weltmeister wurde. Die anderen haben unsere Mannschaft gehasst und dadurch wurde sie nur noch stärker. Und das fehlt unserem Team heute, auch negative Stimmungen aufnehmen und in positive Resultate umwandeln zu können. Unser Team heute passt zu unserer Gesellschaft, in der die Erscheinung oft wichtiger als die Substanz ist. Nicht falsch verstehen: Unsere Jungs heute können auch Fußball spielen, und das sehr gut. Aber diese Abgeklärtheit, diese Nervenstärke, die die 86er hatten, das fehlt.

Montag, 21. Juni 2010

WM-Blog: Vorrunden-Haiku

Der Schweizer Riegel bröckelt wie ein Stück Toblerone.
Villa folgt dem Meister Podolski.
11 Meter verlangen nach innerer Ruhe.

Sonntag, 20. Juni 2010

WM-Blog: Müssen die Franzosen so ein Theater machen?

Im Lager der Franzosen ist offensichtlich der Konflikt zwischen dem ungeliebten Trainer Raymond Domenech und seiner Mannschaft eskaliert. Nach dem Rauswurf von Nicolas Anelka verweigerten heute einige Spieler das Training. Natürlich regiert auch der Frust - als Vizeweltmeister angereist, haben die Franzosen bisher kein einziges Tor und nur einen Punkt auf ihrem Konto, das Weiterkommen ist höchst unwahrscheinlich. Ich finde aber, die Franzosen machen zu viel Theater und würde ihnen raten, sich an unseren Spielern ein Beispiel zu nehmen. Auch wir Deutschen haben einen unfähigen Trainer und auch unsere Mannschaft wird am Donnerstag wieder heimfliegen. Aber machen wir deshalb so ein Bohei?

PS: Bemerke gerade, dass der brasilianische Spieler Elano (7) dem Mediziner und Kabarettisten Dr. Eckart von Hirschhausen zum Verwechseln ähnlich sieht. Luis Fabiano erzielt gerade das 2-0 gegen die Elfenbeinküste und wandelt dabei auf den Spuren von Thierry Henry, weil er die Hand zu Hilfe nimmt, um den Ball unter Kontrolle zu bringen. Gut abgeschaut, Luisl!

WM-Blog: Deutschlands beste Journalisten...

... nämlich Andreas Bock und Dirk Gieselmann von der Redaktion "11Freunde" kommentieren das Spiel Italien-Neuseeland wie folgt:


"Man stelle sich vor, jemand bewegt sich über einen gut besuchten Weihnachtsmarkt, und jedes Mal wenn er berührt wird, lässt er sich fallen. Diesem Mann würde von einer ganzen Handvoll Institutionen auf verschiedenste Weise geholfen werden, damit es ihm recht bald wieder gut geht. Allen täte er leid. Nicht so De Rossi: Er wird gefeiert, gilt als clever, zumindest innerhalb Italiens, er verdient einen Haufen Kohle, er reibt sich mit Olivenöl ein und modelt für Dolce&Gabbana, er wird wahrscheinlich noch mal Weltmeister. Es ist alles ein entsetzlicher Schmerz."



Dem ist nichts hinzuzufügen.

WM-Blog: Italien strengt sich erst ab der Zwischenrunde richtig an...

... anders lässt sich der Grottenkick gegen Neuseeland (1-1) nicht erklären. Ich habe schon technisch hochwertigere Viertligapartien gesehen. Mit wenig Technik, aber viel Einsatz, Kampfgeist und einem Torwart, der sich immer mehr steigerte, erreichten die Schafzüchter aus dem Pazifik ein insgesamt gerechtes Unentschieden. Der Schiedsrichter aus Guatemala ließ sich lediglich zu einem Elfmetergeschenk für die Italiener hinreißen, womit er den abseitsverdächtigen Führungstreffer der Neuseeländer einigermaßen ausglich. Offen bleibt allerdings, warum Italiens Trainer Marcello Lippi sein bewährtes "Kampfschwein" Gennaro Gattuso auch im zweiten Spiel auf der Bank schmoren ließ - dadurch wäre vielleicht doch noch ein bisschen mehr Druck aus dem italienischen Mittelfeld gekommen. Im Moment spricht also alles für eine erfolgreiche Titekverteidigung der Männer aus dem Belpaese - denn auch 1982 erzielten die Italiener in der Vorrunde nur drei Unentschieden und drehten dann in der zweiten Finalrunde richtig auf. Vieles spricht also dafür, dass Italien auch diesmal erst ab dem Achtelfinale auf Touren kommt.

WM-Blog: Die drei Herbergerschen Axiome

So, wir haben uns jetzt ein wenig ausgesprochen und Onkelchen ist auch wieder fähig, ganze Sätze zu sprechen, ohne ständig in Kassandrarufe ("Wehe!", "Ghana ist das Ende!" etc.) auszubrechen, die das gewisse Vorrunden-Aus der deutschen Nationalmannschaft betreffen. Onkelchen war ja schon drauf und dran, im Internet das Gerücht zu verbreiten, dass die deutsche Mannschaft momentan noch weniger Zuversicht einflößt als die FDP. Ja, ja, so ist Onkelchen eben: Entweder alles oder nichts und immer das Kind mit dem Bade ausschütten. Nicht geändert hat sich allerdings, dass er nach wie vor einen Rochus auf Trainer Jogi Löw hat und im augenblicklichen deutschen Übungsleiter das wichtigste Hindernis im Hinblick auf eine erfolgreiche WM-Kampagne sieht. Hier möchte ich ihm daher Gelegenheit geben, seine Gedanken offenzulegen. Ich möchte allerdings warnen: Es wird sehr theoretisch!

Joachim Löw ist als Trainer ein ausgesprochener Anhänger des Systemgedankens. Er vertraut darauf, dass das von ihm konzipierte Spielsystem der wichtigste Baustein eines möglichen Erfolges bei der WM sein wird. Das Problem ist aber, dass es kein an sich überlegenes Spielsystem gibt - ein 4-3-3 ist nicht unbedingt besser als ein 4-4-2, ein 4-2-4 oder das momentan sehr modische 4-2-3-1. Es kommt nämlich immer darauf an, dass man die Spieler hat, die zu einem Spielsystem passen. Oder besser gesagt: Der Trainer muss seine Spieler, ihre Stärken und Schwächen sehr gut kennen und kann dann daran denken, eine Aufstellung zu finden, in dem sie ihre Vorteile besonders gut zum Tragen bringen können. Das war die Stärke eines Sepp Herberger - ich bin mir nicht sicher, ob dieser Weise des Weltfußballs jemals in Kategorien wie einem Spielsystem gedacht hat. Aber es war ihm immer klar, dass sich ein Spielsystem immer nach den Möglichkeiten der vorhandenen Spieler ausrichten muss und nicht umgekehrt.

Das zeigt sich zum Beispiel daran, dass spätestens seit Klinsmann konsequent in der Nationalmannschaft die Viererkette favorisiert wird. Das ist an sich kein Problem, nur muss man eben auch die Spieler dafür haben! Wenn man einen gelernten Innenverteidiger Badstuber mit Gewalt auf die rechte Außenbahn schiebt, dann kann er dort nicht in vollem Maße den gewünschten Effekt erzielen. Gegen Serbien zog er mehrere Male gegen den pfeilschnellen Krasic auch deshalb den kürzeren, weil es ihm (vielleicht) etwas an der Grundschnelligkeit fehlte. Da muss man sich dann aber fragen, ob eine Viererkette angesichts der vorhandenen Spieler und ihrer Fährigkeiten überhaupt die richtige Lösung darstellt. Warum keine Dreierformation mit Libero? Das darf man ja heute nicht mal mehr denken. Aber wenn einje solche Lösung zu den Spielern passt, sollte man sie in Erwägung ziehen. Löw agiert hier wie ein Dogmatiker und sollte sich da doch das eine oder andere Scheibchen der geistigen Flexibilität des weisen Herberger abschneiden.

Hätte sich Herberger nicht mit Fußball, sondern mit Schach befasst, dann wäre ihm sicherlich der Rang eines "Ewigen Großmeisters" verliehen worden (ich weiß nicht, ob die Schachwelt einen solchen Titel kennt, aber es klingt halt gut). Ihm verdanken wir ja auch die drei Herbergerschen Axiome, in denen alles enthalten ist, was man über Fußball wissen muss.

Das Erste Herbergersche Axiom (EHA): Der Ball ist rund.

Dieses Axiom könnte man auch das Ungewissheits-Axiom nennen: Nichts im Spiel ist gewiss, ziehe keine voreiligen Schlüsse über den Gegner oder wie das Spiel verlaufen könnte. Es kann von Kleinigkeiten abhängen, ob der Spielausgang in die eine oder andere Richtung kippt. Das Axiom warnt Spieler und Trainer davor, irgendetwas als sicher oder gegeben anzunehmen. Auch nicht, dass ein System Sicherheit oder auch nur eine geisse Wahrscheinlichkeit bedeuten könnte, den Spielausgang erfolgreich zu gestalten. Sokrates, ein geistiger Verwandter des Weisen aus Hohensachsen (ich spreche hier von dem Philosophen, nicht von dem gleichfalls von mir hochgeschätzten brasilianischen Fußballer) hätte es so formuliert: "Ich weiß, dass ich nichts weiß." Genau diese Einstellung ist für Spieler und Trainer wichtig: Alles ergibt sich im Spiel und durch das Spiel. Don't take anything for granted, don't make any assumptions, um es mal neudeutsch zu sagen.

Das Zweite Herbergersche Axiom (ZHA): Ein Spiel dauert 90 Minuten.

Das Pendant zur uramerikanischen Weisheit "It ain't over till the fat lady sings" oder auch zu "Es ist erst vorbei, wenn der Schiedsrichter abpfeift". Moderne Entwicklungen haben zwar dazu geführt, dass ein Spiel mitunter erst nach 93 oder 95 Minuten zu Ende sein kann. Aber es gilt nach wie vor: Wenn eine Mannschaft nur eine Halbzeit lang den Torerfolg sucht und die andere Halbzeit nur verteidigt, kann es ins Auge gehen. Es nutzt nichts, nur Kraft für 60 oder 70 Minuten zu haben. Positiv formuliert kann es auch bedeuten: Habe immer das Ganze im Blick, nicht nur einzelne Teile oder Teilaspekte. Gib dich nicht damit zufrieden, zur 80. Minute mit 1:0 oder 2:0 zu führen, viele wichtige Dinge passieren in der Schlussphase, wenn ein Team möglicherweise schon körperlich oder geistig abbaut. In der Derwall- und der Vogts-Ära gab es das des öfteren, dass die deutsche Mannschaft eine Halbzeit lang recht gut spielte, dann aber in der zweiten noch in die Bredouille geriet (man denke an das WM-Vorrundenspiel gegen Südkorea 1994 oder das EM-Gruppenspiel 1980 gegen Holland). Das ZHA ernst zu nehmen, bedeutet, über die gesamte Spieldauer körperlich wie geistig fokussiert zu bleiben. Sonst geht's schief.

Das Dritte Herbergersche Axiom (DHA): Das nächste Spiel ist immer das schwerste.

Das am häufigsten ignorierte Axiom. Wer im letzten Gruppenspiel vorrangig daran denkt, wer der Achtelfinalgegner sein könnte, fällt auf die Nase. Das DHA baut auf dem Ungewssheitsaxiom (dem EHA) auf, denkt es aber noch ein Stück weiter. Denn das DHA völlig zu verstehen, bedeutet, nicht darauf zu bauen, dass das nächste Spiel ähnlich laufen könnte wie das letzte. Spielzüge und Taktiken, die beim letzten Mal noch funktionierten, werden diesmal mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr klappen , weil der Gegner einfach anders spielt oder sich über Scouts oder Videoaufnahmen einfach das eine oder andere abschaut. Das DHA ist dasjenige Axiom, das am stärksten gegen den Gedanken eines Spielsystems spricht. Denn ein Spielsystem setzt voraus, dass viele Grundannahmen oder auch der grundsätzliche Spielaufbau gleich bleiben. Davon kann aber nicht ausgegangen werden. Das DHA rät also, praktisch vor jedem Spiel gewissermaßen tabula rasa zu machen und jede Partie gedanklich neu zu durchdringen. Das ist aber genau Löws Schwäche. Er hängt an seinem Systemgedanken und fällt sehr häufig auf die Nase, wenn der Gegner genau das nicht tut, was er sich vorgestellt hat. Serbien stellte zum Beispiel sehr effektiv die Räume zu und dazu kam noch ein etwas kleinlicher Schiedsrichter, der den Deutschen durch seine Kartenspielerei immer wieder dazwischenfunkte. Es wäre aber falsch, die Schuld beim Schiedsrichter zu suchen. Schlimmer wog Löws geistige Unflexibilität, das Spiel gegen Serbien neu zu denken und die Mannschaft entsprechend einzustellen. Er hängt einfach zu sehr an seinem System! Entsprechend ist gegen Ghana der GAU des Vorrunden-Ausscheidens fast schon sicher.

Samstag, 19. Juni 2010

WM-Blog: Warum sieht Onkelchen so schwarz?

Ich habe mich jetzt mal getraut, Onkelchen zu fragen, warum er für Deutschland gegen Ghana keine Chance sieht. Jetzt weiß ich's: Es ist ihm bisher bei Pro Evolution Soccer 2010 noch nie gelungen, Ghana auf dem Profi-Level zu besiegen.
Na dann mal üben, Onkelchen!

WM-Blog: Deutschland hat keine Chance!

(Oder nicht doch eine klitzekleine?)

Das Wetter hat sich ein wenig aufgehellt, aber Onkelchen bewertet die Chancen der deutschen Elf auf den Einzug ins Achtelfinale der WM immer noch pechkohlrabenschwarz. Dabei hat gestern Australien (über weite Strecken mit zehn Mann!) dem finalen Gruppengegner (man ist versucht, den bei Computerspielern sehr bekannten Begriff "Boss-Gegner" zu verwenden) Ghana doch die Grenzen aufgezeigt. Auch diesmal konnten die an sich sehr spielfreudigen Ghanaer nur durch einen Elfmeter zum Torerfolg kommen ("Immerhin treffen sie. Das haben sie den Deutschen schon mal voraus", unkt Onkelchen) und vor dem Tor verpufften die gut vorgetragenen Angriffe der Black Stars ein ums andere Mal. Da Ghana nur ein Unentschieden gegen die Socceroos erreichte, hat Deutschland sogar noch Chancen auf den Gruppensieg, allerdings - und das weiß man - muss das Spiel gegen die Afrikaner gewonnen werden, um weiterzukommen. Aber auch Ghana muss gewinnen, um ins Achtelfinale einzuziehen.
Das vom Onkelchen vor allem gefürchtete Szenario, dass Ghana bereits jetzt als Gruppensieger feststünde und das letzte Spiel mit einer Quasi-Reservemannschaft bestreiten würde, tritt also nicht ein. Das passierte ja bei den EMs 2000 und 2004, was jeweils in einem Vorrunden-Aus der deutschen Elf resultierte.

Trotzdem: Für Onkelchen ist Deutschland bereits raus, und nicht nur so gut wie! Das hat einen guten Grund: So wie die Dinge momentan liegen, wird Deutschland die Gruppe entweder als Dritter beenden (also ausscheiden) oder Gruppensieger werden (Onkelchen hält das ja nicht mehr für möglich, aber wir reden jetzt mal theoretisch). Und dann geht man zwar - möglicherweise - England im Achtelfinale aus dem Weg (was aber momentan noch nicht so klar ist, die bekleckern sich gerade nicht mit Ruhm) , bekommt es aber im Viertelfinale mit Argentinien zu tun - und dann ist endgültig Endstation, denn gegen Messi, Aguero, Higuain und Konsorten ist bei dieser WM kein Kraut gewachsen.

Interessanterweise hat Deutschland ja viele Finalteilnahmen erreicht, indem sie Gruppenzweiter geworden sind und dadurch einer Konfrontation mit den anderen Branchengrößen bequem aus dem Weg gehen konnten. Das war zum Beispiel 1954, 1974 und 1986 der Fall. '54 und '74 ersparte man sich Brasilien und Argentinien beziehungsweise Uruguay (letztere waren 1954 ja die amtierenden Weltmeister) und überließ es dem jeweiligen Endspielgegner (Ungarn bzw. Holland), sich gegen die Südamerikaner müde zu spielen, bevor die Teutonen im Finale zuschlugen. Und 1986 ließ die Beckenbauer-Truppe den Dänen als Gruppensieger den Vortritt, die dann prompt im Achtelfinale von den Spaniern 1:5 zermalmt wurden. In Monterrey, der "Hölle des Nordens", setzte sich Deutschland dann mit Marokko und Mexiko auseinander, bevor es gegen Frankreich im Halbfinale gewann. Die Franzosen mussten damals ja im Viertelfinale gegen die Brasilianer ins Elfmeterschießen gehen und waren entsprechend platt.
Gerade die 86er-Elf ist Onkelchen noch in sehr guter Erinnerung (das einzige Team, das mit einem Libero vor und einem hinter der Abwehr agierte und de facto ein 6-2-2 praktizierte. Tja, Beckenbauer war ein innovativer Taktikfuchs!)

Aus meiner Sicht besteht also zumindest für das Achtelfinale noch Hoffnung, immerhin haben die Deutschen gegen Serbien zu zehnt gut gefightet, sie hatten auch ein gerüttelt Maß an Pech, aber es war nicht alles so schlecht, wie die Bildzeitung oder Herr Netzer schreiben. Und vielleicht kann Onkelchen sich auch noch aufraffen, die Dinge in einem milderen Lichte zu sehen. In diesem Sinne: Daumen drücken!

Freitag, 18. Juni 2010

WM-Blog: Onkelchen: "Ich weine um die deutsche Elf!"

Onkelchen hatte schon ein mieses Gefühl, als Podolski zum Elfer antrat. Augenblicke, bevor Poldi zu seinem fatalen Elfmeter anlief, orakelte er noch: „Naja, im Zweifelsfall gibt’s noch einen Nachschuss“ - so, als ob er ahnte, dass Podolsi nicht im ersten Anlauf verwandeln würde. Und selbst zu einem Nachschuss kam es nicht, weil Serbiens Torwart Stojkovic den Ball festhielt.
Insgesamt konstatiert Onkelchen, dass Bundestrainer Jogi Löw dem deutschen Team die Seele ausgetrieben hat – jenes Gen, das es in der Vergangenheit zu einer Turniermannschaft gemacht hat. Schönlinge und Schönwetterspieler wurden in die Mannschaft aufgenommen, die Kämpfer alter Schule (Frings) ausgebootet. Einen Frings hätte man nachts um zwei wecken können, er hätte den Elfer verwandelt und die Bude gemacht – falls er nicht vom Schiedsrichter wegen zweier Allerweltsfouls vom Platz gestellt wurde (diese Möglichkeit muss man bei Herrn Undiano immer einkalkulieren). Und nun hebt Onkelchen zu seinem Klagelied an: „Schönspieler straucheln, wenn sie mal mit einer taktisch gut eingestellten und robusten Mannschaft konfrontiert werden, Kämpfer kommen weiter. Deshalb sehe ich gegen Ghana dunkelkohlrabenschwarz, Deutschland wird ausscheiden, weil man geglaubt hat, man könnte mit tänzerischem Schönwetterfußball Weltmeister werden. Oh nein, liebe Freunde, das widerspricht unserer Fußball-DNA. Es waren die Willi Schulzens, die Höttges, Schwarzenbecks, Försters, Briegels, Augenthalers und Kohlers, die das Fundament für die deutschen Erfolge der letzten 50 Jahre errichtet haben. Diese als Rumpelfußballer abzuqualifizieren und zu beschließen, sie nicht mehr haben zu wollen, war der Verrat am deutschen Fußball-Erbe. Viererkette – bah! Otto allein wußte das, und deshalb verpflanzte er dieses Gen den Griechen, die prompt 2004 Europameister wurden. Und sie haben durchaus auch gegen die Argentinier eine Chance. Die Klinsmänner und Löws landen dagegen auf dem Abfallhaufen der Geschichte. Wer auch immer nach dem Spiel gegen Ghana Löws Erbe antreten wird, er tut gut daran, Maik Franz in die Nationalmannschaft zu berufen, denn man braucht auch die Zerstörer. Siehe Italien: Ohne Gattuso und Materrazzi ist es nur die Hälfte wert. Wehe Dir, Fußball-Deutschland, denn Du bist von falschen Propheten verraten worden! Wer hat Dir eingeredet, man müsste wie die Franzosen oder die Brasilianer spielen? Wer hat Dich, deutsche Elf, zu einem Multikulti-Kindergarten verkommen lassen? Das deutsche Gen ist der Kampf um jeden Millimeter Boden, Zweikampfstärke, Sicherheit bei Standardsituationen, und absolute Kälte bei Elfmetersituationen. Deutsche Elf, ich weine um Dich!“

WM-Blog: Deutschland fliegt raus - sagt Gianni

Es ist ein Gefühl wie in der Achterbahn - nach einem sehr guten Auftaktmatch gegen Australien setzte es heute für das deutsche Team eine krachende Niederlage gegen Serbien. Gianni Dona wird uns helfen, das Desaster von Port Elizabeth zu analysieren. Gianni, was war heute nachmittag los?

Gianni Dona: Ohne Zweifel gab es heute zwei entscheidende Momente aus deutscher Sicht. Der eine war der Platzverweis gegen Miroslav Klose und der zweite war der verschossene Elfmeter von Lukas Podolski. Das erste Ereignis nahm der deutschen Mannschaft, die bis dahin wirklich ordentlich gespielt hatte, zeitweise ihre Ordnung und ihren Rhythmus, so dass die Serben zu ihrem Treffer kommen konnten. Und der verschossene Elfmeter brach der Mannschaft psychologisch das Genick. Denn, das wussten die Jungs im Unterbewusstsein, eine bessere Chance würden sie gegen die vor allem defensiv hervorragend eingestellten Serben nicht bekommen.

Der Schiedsrichter wurde von verschiedenen Seiten stark kritisiert, weil er auch für sogenannte Allerweltsfouls gelbe Karten verteilte.

Gianni Dona: Er hat seine Karten äußerst großzügig verteilt. Das ist richtig. Aber es ist ja nicht so, dass ausschließlich deutsche Spieler mit gelben Karten beglückt worden sind. Und Klose muss in dieser Situation, für die er die gelb-rote Karte bekommt, auch nicht von hinten in den Mann gehen. Da bestand keine Torgefahr, das Foul ereignete sich in der Nähe der Mittellinie! Bei seiner ganzen Erfahrung - es ist ja immerhin Kloses dritte WM - müsste er wissen, dass er der Mannschaft mehr schadet, wenn er vom Platz fliegt, als wenn sein Gegenspieler ein Tor erzielt. Das war von Kloses Seite sehr unbedacht. Da hat er einen kapitalen Bock geschossen.

Der spanische Schiedsrichter Undiano ist ja zum ersten Mal bei einer WM dabei gewesen. Mangelt es ihm vielleicht an internationaler Erfahrung?

Onkelchen: Mit Sicherheit nicht. Kein Verband schickt einen Schiri zur WM, der nicht über ein gerüttelt Maß internationaler Erfahrung verfügte. Nein, im Gegenteil, ich glaube, dieser Schiedsrichter ist im Gegenteil sehr ehrgeizig. Ich habe es mal bei einem Landesligaspiel zwischen Bargau (bei Schwäbisch Gmünd) und Bonlanden erlebt, das ich vor zig Jahren als Reporter kommentiert habe. Da wirkte auch ein junger Schiedsrichter mit, dem der Ehrgeiz aus allen Poren quoll. Bargau war eine Mannschaft, die ihre spielerischen Defizite immer wieder durch gesunde Härte zu kompensieren versuchte, hatte aber das Pech, dass der Schiedsrichter einfach streng regelkonform pfiff. Der Mann war ehrgeizig, wollte sich unter den Augen des Schiedsrichterbeobachters vielleicht für höhere Aufgaben qualifizieren, pfiff nach dem Buchstaben des Gesetzes, um es mal so zu sagen, und brachte so viel Unruhe in die Partie und das Heimpublikum gegen sich auf. Das ist nicht so wie weiland bei Ahlenfelder, der den Jungs zuwinkte so nach dem Motto: Steh schon auf, ist doch nichts passiert. Ahlenfelder hat deshalb meines Wissens nie international gepfiffen. Undiano hat seine Linie bestimmt auch deshalb so konsequent durchgezogen, weil er sich noch für weitere hohe Aufgaben (z.B. WM-Halbfinale oder Finale) empfehlen will.

Nun hängt ja das Gespenst des Ausscheidens wieder über der deutschen Mannschaft, was dem schlechtesten Abschneiden bei einer WM seit 1938 gleichkäme. Kann Deutschland weiterkommen?

Gianni Dona: Nun, die deutschen Spieler haben es selbst in der Hand! Die Lage ist klar - die Partie gegen Ghana ist quasi ein Endspiel, das gewonnen werden muss. Wenn Jogis Jungs gewinnen, dann ist Deutschland weiter und auch der Gruppensieg ist durchaus noch drin. Falls Ghana aber morgen gegen Australien gewinnen sollte - und dafür spricht viel - dann wäre Ghana schon durch. Die könnten gegen Deutschland dann mit einer Ersatzmannschaft antreten, und das ist für die deutsche Mannschaft regelmäßig in die Hose gegangen - einmal bei der EM 2000 und einmal bei der EM 2004. Ich lege mich fest: Wenn Ghana morgen gewinnt, dann fliegt Deutschland raus.

Euer Tipp - wer wird Weltmeister?

Gianni Dona und Onkelchen (unisono): Argentinien!

Donnerstag, 17. Juni 2010

WM-Blog: Lange Fussball-Nächte

Gestern ging es wieder etwas länger in unserer Elefanten-WG. Onkelchen hat vor WM-Spielen der deutschen Mannschaft ein seltsames Ritual: Er spielt nämlich auf dem Profilevel von Pro Evolution Soccer so lange mit der deutschen Mannschaft gegen den jeweiligen Gegner, bis er ihn besiegen kann. Diesmal also gegen Serbien. Onkelchen startete bestimmt ein halbes Dutzend mal neu, bis sich die tapferen Söhne des Balkans geschlagen gaben. Kurz vor eins konnte Onkelchen dann Vollzug melden: Deutschland 2 , Serbien 0, beide Tore Schweinsteiger. Das ist auch sein Tipp für heute Nachmittag.

Dienstag, 15. Juni 2010

WM-Blog: Rumpelfußball aus Brasilien

„Rumpelfußball“ ist ein deutsches Wort, aber vielleicht braucht man für diesen Ausdruck bald eine Übersetzung ins Brasilianische. Denn der uninspirierte Auftritt, den die Selecao gestern gegen Nordkorea an den Tag legte, ließ doch manchen Beobachter daran zweifeln, dass echte Brasilianer in den kanariengelben Trikots steckten – hatten sich eventuell ein paar aussortierte deutsche Spieler in das Team von Carlos Dunga gemischt? Über die gesamte erste Spielhälfte brachte der hohe Favorit praktisch nichts zuwege. Gut, Nordkorea verteidigte entschlossen und konsequent, so dass in Strafraumnähe praktisch kein Durchkommen war – aber wenn eine Mannschaft in der Lage sein sollte, ein solches Bollwerk mit spielerischen Mitteln zu knacken, dann doch wohl die Ballkünstler vom Zuckerhut. Bitte nicht falsch verstehen – ich liebe den brasilianischen Fußball und verehre nach wie vor die Legenden Zico, Socrates und Falcao – aber die Elf, die gestern ihren WM-Einstand gab, hatte mit den tragisch gescheiterten Heroen von 1982 nur noch die Trikotfarbe gemein. Den Brasilianern fehlte gestern so etwas wie eine Idee, eine Leitlinie für ihr Spiel. Dieses Fehlen einer Idee machte sich derart schmerzlich bemerkbar, dass man schon fast überrascht war, dass Maicon in der 55. Minute das 1-0 für die Südamerikaner markierte, aus einem eigentlich unmöglichen spitzen Winkel, aber immerhin. Beim 2-0 durch Elano in der 70. Minute wurde dann der Klassenunterschied zwischen Brasilien und Nordkorea einigermaßen deutlich. Doch ganz ohne Gegenwehr wollten die Spieler aus dem Reiche Kim Jong-Ils nicht untergehen: Sie stürmten und markierten in der 88. Minute gegen Julio Cesar sogar noch das 1-2. Es darf gerätselt werden, ob Dungas straffes taktisches Konzept die Kreativität der Brasilianer in Fesseln legte oder ob es einfach an der Einstellung gefehlt hat. Aber festzuhalten bleibt, dass sich die Brasilianer nahtlos in das bisher enttäuschend niedrige Niveau der Spiele dieser WM-Vorrunde einfügten. Verblüfft halte ich fest: Das einzige Team, das bisher uneingeschränkt Freude gemacht hat, ist Deutschland. Das sagt zwar über die Titelchancen der Deutschen noch gar nichts aus, bis jetzt haben auch noch gar nicht alle Mannschaften gespielt. Aber neben dem Vuvuzela-Gequäke dominieren weitgehend uninspiriertes Gekicke und Angsthasen-Fußball. Es bleibt ein Trost: Es kann nur besser werden.

Montag, 14. Juni 2010

WM-Blog: 4:0 gegen Australien - geht es so weiter?

Der Auftakt machte Lust auf mehr - 4:0 gewann Deutschland gestern abend das erste Spiel der WM gegen die Australier. Wir machen uns natürlich Gedanken, wieviel dieser gute Start ins Turnier wert ist und dafür habe ich meinen missratenen Sohn, der aber als Fußballfachmann über jeden Zweifel erhaben ist, eingeladen. Freuen Sie sich auf Gianni Dona! Und damit wir keine Querelen bekommen, moderiert Onkelchen das Gespräch!

Das war nun wirklich ein guter Auftakt - à la bonheur, kann man da nur sagen. Hättest Du das so erwartet, Gianni?

Gianni Dona:
Nicht unbedingt. Ich habe die Australier vor vier Jahren im WM-Spiel gegen die Kroaten erlebt, und da ist mir vor allem ihre Fähigkeit aufgefallen, auch bei einem Rückstand ins Spiel zurückzukommen und um jeden Ball zu kämpfen. Immerhin hatten sie im Achtelfinale ja auch den späteren Weltmeister Italien am Rande einer Niederlage. Davon war gestern nichts zu sehen.

Woran lag es, dass Deutschland diesen klaren und - von ein paar Wacklern in der Anfangsphase abgesehen - ungefährdeten Sieg einfahren konnte?

Gianni Dona: Das mag sich jetzt wie eine Phrase anhören, aber die Mannschaft war auf den Punkt fit und hat sich auf dem Rasen als Mannschaft präsentiert.

Das sind ja gleich zwei Phrasen.

Gianni Dona: Da hast Du recht, Onkelchen. Aber was man sehr gut gesehen hat, ist, dass die Mannschaft nicht mehr nur ein Kraftzentrum besitzt - so wie noch bei der letzten EM - sondern deren mehrere. Im Spiel nach vorn können Khedira, Özil, Podolski und Thomas Müller Akzente setzen und die Initiative ergreifen. In früheren Teams war man da limitierter. Die Mannschaft ist schwerer auszurechnen, sie ist ballsicherer - auch ein wichtiger Aspekt - und sie hat mit Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger zwei echte Leader.

Also spielt der Ausfall von Ballack keine Rolle mehr?

Gianni Dona: Das wird man sehen müssen. Es werden im Turnier sicher noch ganz dicke Brocken kommen, und da spielt einfach auch die Erfahrung eine ganz große Rolle. Aber Lahm und Schweinsteiger haben ja schon einige Turniere gespielt und sie wissen, wie so etwas laufen kann. Ich denke mal, die Verantwortung, die durch das Fehlen von Ballack entstanden ist, wird jetzt auf mehrere Schultern verteilt. Es gibt nicht mehr den einen Kopf, der alle überragt, sondern mehrere in etwa gleich hohe und wichtige. Die müssen sich eben einig sein. Aber nach diesem ersten Spiel habe ich ein gutes Gefühl.

Hat dich das Tor von Klose überrascht?

Gianni Dona: Hm - eigentlich nein, denn man weiß ja, dass Klose eine Schippe drauflegen kann, wenn's drauf ankommt. Zumindest hat man es gehofft. Und er hat es jetzt mit gleicher Münze zurückgezahlt. Auch die Erfahrung von Klose ist enorm wichtig. Es ist gut, dass er gestern getroffen hat, denn jetzt weiß er, dass er ein Teil des Teams ist und bleiben wird und jetzt hat er sicher auch wieder den ungeteilten Support der Fans. Und dass Cacau kurz nach der Einwechslung getroffen hat, war auch ein Traum.

Wie geht es jetzt weiter? Am Freitag wartet Serbien...

Gianni Dona: Serbien hat sicherlich spielerisch mehr zu bieten als die Australier. Und nach der Auftaktniederlage gegen Ghana sind die angezählt, das Spiel gegen Deutschland ist schon die letzte Chance, um im Turnier zu bleiben. Jogis Jungs müssen also aufpassen. Aber der Erfolg gegen Australien sollte Selbstvertrauen genug geben, um auch das bestehen zu können.

Sind wir schon durch? Ich meine, im Achtelfinale?

Gianni Dona: Nein, definitiv nicht. Serbien ist wie gesagt sehr spielstark und ihre Auftaktniederlage war unglücklich. Die müssen und werden ihre Chance suchen. Aber die Konstellation ist halt nicht so, dass sich die Serben hinten reinstellen könnten. Das bringt denen nichts. Die müssen kommen, aber das kann ein taktischer Vorteil für Deutschland sein.
Sollte Deutschland aber gegen Serbien verlieren, wird die letzte Partie gegen Ghana höllisch schwer.

OK, schönen Dank! Wie hat dir Argentinien gefallen? Du bist ja ein Argentinien-Fan.

Gianni Dona: Da lief vieles noch nicht rund, aber von Messi waren schon einige schöne Aktionen zu sehen. Er wird sich im Verlauf des Turniers sicher noch steigern.

Sonntag, 13. Juni 2010

Geiles Konzert gestern...

... hier die Konzertkritik in der Schwäbischen Post, die von "beschwörenden Gesängen" und "irisierendem Licht" fabelt (was ist mit irisierendem Licht gemeint? Die Adjektivwahl in der Kulturberichterstattung lädt immer wieder zum Schmunzeln ein).
Sogar mit Bild!
Ohne Bild, aber auch positiv war die Besprechung in den Aalener Nachrichten. Auch hier verspüre ich leichte Formulierungs-Unsicherheiten, der Autor bzw. die Autorin spricht von einer "wirbelnden Hexenjagd". Ist - wenn man den Zusammenhang betrachtet - nicht eher ein "wirbelnder Hexentanz" gemeint?

Schöne Woche! Euer Palfi.

Ein Mädchen, das aussieht wie Lena...

... aber noch hübscher ist und sogar noch viel besser singt, könnt ihr heute abend, am 13. Juni 2010, um 19 Uhr im Stadtgarten Schwäbisch Gmünd bewundern.
Sie singt im Sopran des Gmünder Ensembles "Collegium Vocale", das heute zusammen mit dem Aalener Kammerchor die "Erste Walpurgisnacht" von Mendelssohn-Bartholdy und den "Gesang der Parzen" von Brahms zu Gehör bringt.
Gut, das Ganze kostet 18 Euro, ist aber jeden Cent wert! Das Mädel müsst ihr euch angucken! Und die Musik ist spitze!
Und zum Fußballspiel seid ihr wieder zuhause, versprochen! Ihr könnt anschließend nach Gmünd zum Public Viewing gehen!
Obwohl, Onkelchen hat gesagt, die Deutschen verlieren heute! Guckt Euch lieber das Mädel an, vielleicht ist sie noch zu haben!
PS - Tante Dilein singt auch mit! Und Onkelchen trötet auf der Vuvuzela!

Freitag, 11. Juni 2010

Das Dream-Team für Südafrika 2010!

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1 - Kurt Palfi

Das bin ich! (Das habt ihr sicher gemerkt, nicht wahr?) Onkelchen meint, um den Kasten sauberzuhalten, geht nichts über einen asiatischen Elefantenbullen mit 7,5 Tonnen Kampfgewicht. Und er hat recht!

2 - Roger Raptor

Unser Außenverteidiger Roger ist bekannt für seine pfeilschnellen Flügelläufe - auf der linken Außenbahn erzielt er spielend 80 - 90 km/h. Leider kommen seinen Flanken nicht immer dort an, wo sie hin sollen, weil der Ball gelegentlich platzt. Könnte an seiner scharfen Sichelkralle liegen.

4 - Robby Raptor

Rogers Cousin. Er ist eher defensiv eingestellt und zeigt den gegnerischen Stürmern gern mal die Zähne. Er hat ja auch schöne Beißerchen!

5 - Leia Meyer-Müller-Schulze-Landei

Ein Alien. Es bringt durch sein infernalisches Gekreische die gegnerischen Abwehrreihen zur Verzweiflung, damit wir vorn durchstechen können.

6 - Jens Schlockmeister

Ein Sechser, wie er im Buche steht. Hart auf dem Platz, sensibel im normalen Leben. In seiner Freizeit schreibt Jens greuliche Fantasy-Romane (daher auch sein Kampfname "Schlockmeister"). Er hofft, dass sie mal verfilmt werden und unsere Nummer 5 darin die Hauptrolle einer Elbenprinzessin übernimmt.

7 - Tummby

Nach einem Flügelstürmer mit Flügeln haben wir lange gesucht. Gottseidank haben wir Tummby gefunden. Was wir an ihm besonders schätzen: Obwohl er Flügel hat, hebt er nicht ab.

8 - Paco Alvalade

Mein gut geratener Sohn, den ich mit einer rassigen Elefantendame im Zoo von Sevilla zeugte. Er mag Fußball eigentlich nicht und zeigt mit seinem Kanada-Pullover, dass er viel lieber Eishockey spielt. Trotzdem auf dem Platz sehr wertvoll.

9 - Ozzy

Unser Sorgenkind. Irgendwann trifft er wieder. Aber wann? Ich sage immer, Ozzy ist zu weich für Fußball! Aber dann und wann überrascht er uns alle. Und da er Afrikaner ist (genau: Loxodonta africana), sollte er in seiner Heimat zur Höchstform auflaufen.

10 - Gianni Dona

Mein missratener Sohn. Er hält sich für die Wiedergeburt eines gewissen argentinischen Fußballgenies. Davon lässt sich Gianni auch nicht durch die Tatsache abbringen, dass jenes argentinische Fußballgenie noch lebt und derzeit die argentinische Nationalmannschaft trainiert.

11 - Benny Spar

Unser Dribbelkünstler. Wir haben ihn von der Sparkasse geholt, wo er als Kreditberater nichts reißen konnte. Aber wenn er in den gegnerischen Strafraum kommt, dann klingelt's. Muss daran liegen, dass er ein Glöckchen trägt.

16 - Benny Pope

Man sagt im Fußball ja immer: "Hinten dicht und vorne hilft der liebe Gott!" Gott haben wir nicht gekriegt, aber dafür seinen Stellvertreter. Er ist nicht mehr der Jüngste, hält aber noch ganz gut mit.

Sonntag, 6. Juni 2010

WM-Blog: Nein, Effenbein spielt nicht!

Frauen und Fußball! Liebe Leser, versteht ihr, was ich meine? Es ist ja tatsächlich so, dass sich in letzter Zeit immer mehr Frauen für Fußball interessieren. Die einstige Männerdomäne wird immer mehr aufgeweicht. Das hat aber nicht nur Vorteile.
Zunächst einmal ist dagegen ja gar nichts einzuwenden, dass auch Frauen für Fußball was übrig haben. Tante Dilein erkennt zum Beispiel fehlerfrei, wenn es sich um eine Abseitsstellung handelt, und sie kann auch eine Viererkette von einem Vierzylinder unterscheiden. Das ist grenzenlos positiv.

Nur leider interessieren sich viele Frauen aus den falschen Gründen für Fußball. Vielen geht es nämlich nicht darum, mit einem Team mitzuleiden und mitzuzittern, sondern sie begeistern sich oft für jene Spieler, die sie als "süüüß" empfinden, ganz egal, ob er das Tor trifft oder die Eckfahne! Dass David Beckham so populär wurde und so viele Werbemillionen einsackte, kann nicht allein an seinen fußballerischen Fähigkeiten gelegen haben. Da war ihm - zum Beispiel - ein Paul Gascoigne in jeder Beziehung über. Aber Gascoigne war eben auch berüchtigt für seine Sauf-Eskapaden und dafür, dass er schon mal die eine oder andere Kneipe zerlegt hat. Jungs wie wir vergeben so etwas, denn wir hoffen, dass so ein Spieler beim nächsten Spiel auf dem Platz auch die gegnerische Viererkette zerhaut. Vielen Frauen sind diese Nebenwirkungen dagegen eher unangenehm und sie schwärmen daher eher für die Spieler, die auch als Dressmen durchgehen - selbst dann, wenn sie lediglich als Standfußballer für Standardsituationen zu gebrauchen sind und bei Elfmetern versagen.

Dann gibt es noch diejenigen weiblichen Fußball"fans", die ihre Partner völlig durch gezieltes Sticheln verunsichern und eine WM-Endrunde auch dann zur Hölle machen, wenn gerade kein nervenzerfetzendes Viertel- oder Halbfinale ansteht. Geht es dagegen in einem nervenzerfetzenden K.O.-Spiel um das Schicksal der Nation, dann droht bei einer solchen Bemerkung unzweifelhaft ein Nervenzusammenbruch.
Man denke nur an Fragen wie "Wo ist denn das Balli-Balli?", wenn das Spiel gerade ruht oder "Spielt Effenbein?" bei der Mannschaftsaufstellung. Nein, liebe genervte männliche Fans, Effenbein spielt nicht. Und er wird auch nicht mehr spielen.

Freitag, 4. Juni 2010

Freude mit Flugunfällen

Ein Beitrag vom Onkelchen.

Emmer des Gefliege! Vielleicht gibt es ja noch den einen oder anderen, der sich in der S-Bahn zwischen Stuttgart Hauptbahnhof und Flughafen umdreht, wenn in der Nähe unverständliches Gebrabbel zu hören ist.
Als ich noch in Leinfelden arbeitete, pflegte ich mich immer in die Nähe der Leute zu stellen, die sich mit ihren großen Schalenkoffern in den Zwischenräumen vor den Türen breit machten. In breitestem Ostälbler Schwäbisch begann ich dann zu murmeln: „Emmer des Gefliege! Könnet die denn net da bleibe, wo se der liebe Gott hinpflanzt hat? Emmer des Gefliege! Und so g'fährlich! Erst gestern isch wieder eine abg'stürzt!“

Leider war es nutzlos. In derselben Periode stiegen die Passagierzahlen des Stuttgarter Flughafens um stattliche zwanzig Prozent – nicht zuletzt aufgrund der neuen Billigflieger. Vielleicht hätte ich es nicht beim Brabbeln bewenden lassen sollen, sondern hätte anfangen sollen, das Standardwerk „Runter kommen sie immer“ sehr sichtbar im Arm zu halten, ähnlich wie die Jehova-Zeugen es mit ihrem Wachtturm tun.

Vielleicht hätte ich die Leute auch einfach offen ansprechen sollen: „Wussten Sie, dass selbst manche Piloten mit Flugangst zu kämpfen haben?“ Oder: „Was glauben Sie, wie viele Flugzeuge unentdeckte Haarrisse in ihren Triebwerkaufhängungsbolzen aufweisen?“ Oder auch: „Haben Sie schon mal über das Korrosionsproblem der elektrischen Zuführungsleitungen von Treibstoffpumpen nachgedacht?“ Wenn ich ein bisschen mehr Traute hätte, würde ich sogar die Klemmblock-Lösung erwägen. Das heißt, ich würde mit einem Klemmblock durch die S-Bahn laufen und so tun, als wäre ich mit einer hochwichtigen Umfrage betraut. Der sich dabei entspinnende Dialog könnte so ablaufen:

(Schlurf Schlurf)
„Griß Gott, I bin von d'r Landeshauptstadt Stuagert. I mach a Umfrage, um die Notwendigkeit baulich'r Maßnahme für die Verkehrsahbindung des Landesflughafens mit Stuttgart Stadtmitte zu ermitteln. Koi Angscht, es dau'rt koine fömpf Minudda.“
(Unsicheres Nicken der angesprochenen Familie, die ihre Schalenkoffer gerade so eben mit Ach und Krach in die S-Bahn gekriegt hat. Die Leute gehen in den nächsten zehn Minuten sowieso nirgendwo hin und die Ermittlung der Notwendigkeit baulicher Maßnahmen lässt aufhorchen. Vielleicht fahren ja endlich mal mehr S-Bahnen raus auf den Flughafen.)
„Soo – mohl seha. Fahrat Sie naus aufn Flughafa?“
(Die Angesprochenen nicken. Ich tue so, als würde ich ein Kreuzchen auf meinem Bogen vermerken.)
„Fliegat Sie odder hend Sie was anders aufm Flughafa z'toana?“
„Wir fliegen selber.“
(Wieder ein gespieltes Kreuzchen)
„G'schäfdlich oder privat?“
„Privat.“ (Als ob ich das an den Koffern und den mitgeschleppten Kindern nicht sehen würde. Aber ich will ja möglichst pedantisch wirken, deshalb die Frage.)
„Ond wo na?“
(Manche Opfer beginnen hier pampig zu werden. Es empfiehlt sich, auf die Gegenfrage „Was geht Sie das an?“ irgendwas mit „Törminal-Auslaschdong ermiddla“ zu brabbeln. Die Terminal-Auslastung wird zwar mit ganz anderen Kriterien ermittelt, aber das brauchen die ja nicht zu wissen.)
„Mallorca.“
(Diesmal kein Kreuzchen, sondern ich tue so, als würde ich das Wort „Mallorca“ geflissentlich notieren. Dabei murmle ich durchaus verständlich:)
„Des hab I mir faschd denkt, De oi Hälfde fliagt noch Mallorca, de ander en'd Türkei. Jaja, so isch des. Isch Ihne des net zu g'fährlich?“
(Interessanterweise sind es meist die Männer, denen jetzt das Gesicht etwas entgleist. Sie geben meist als Antwort so etwas wie „Wie meinen Sie?“ zurück. Ich antworte:)
„Ha, des Fliega. Isch Ihne des net zu g'fährlich? Ersch letschda Woch hat's wieder an Abschdurz gäbba. Hend Se's net en d'r Zeidong gläsa?“
(Unter Umständen liest das Opfer keine Zeitung, was das Spiel erleichtert. Auf die Gegenfrage „Wo denn?“ empfiehlt es sich meist, ein osteuropäisches Land wie Polen, Ungarn oder die Tschechei zu nennen. Unabhängig davon, ob es wirklich einen Unfall gab.)
„Und was für eine Maschine ist da abgestürzt?“
„Ha, hend Se's net gläsa? A schpanischa.“ (Wären die Leute in die Türkei geflogen, hätte ich natürlich „A türkischa“ geantwortet.)
„Ach, das ist ja nicht so schlimm. Wir fliegen Condor.“
(Eine harte Nuss. Aber auch dafür bin ich gerüstet.)
„Da hend's doch erscht an besoffena Condor-Pilota en Frankfurt aus'm Cockpit g'holt. Wo wollt der nahfliega? War's Mallorca oder Teneriffa?“ (Ich stehe sinnend da, bevor ich mit einer Handbewegung „Na egal“ signalisiere. Die Opfer werden langsam unruhig.)
„So, glei semm'r fertig. Hend Sie Angscht vor Flugunfälle oder terrorischdische Anschläge am Urlaubsort?“
(Eine Frage, die niemand guten Gewissens verneinen kann. Meistens hört man jetzt ein nervöses Lachen.)
„Fliege Sie mit einer so genannta Billig-Ärlain?“
(Jetzt sind sie in der Falle. Wird die Frage bejaht, sage ich:)
„Gell, Sie wisset scho, dass die Kerle an ihre Fliager bloß des Nehdigschde machat.“
(Wird sie verneint, sage ich:) „Oh, da hat's erscht vor kurzem an Beinahe-Unfall mit der Lufthansa gäba.
Beim Flug von Frankfurt nach Müncha send die Landeklappa beim Schdarda net eig'fahra. Die hend omkehra ond notlanda müssa. Des war a ganz haariga Sach. Aber schöna Urlaub.“
(Ich packe den Klemmblock und gebe Fersengeld. Die Familie bleibt völlig verunsichert zurück.)

Dabei bin ich gar kein Umweltaktivist, der den Leuten aus Prinzip das Fliegen vermiesen will. Flughäfen und Flugzeuge faszinieren mich, ich schaue gerne beim Starten und Landen zu – und das ohne Hintergedanken. Man möge mir an diesem Punkt bitte abnehmen, dass ich nicht grundsätzlich gegen das Fliegen bin.

Mir geht etwas anderes ganz schrecklich auf den Zeiger, nämlich die Hektik. Im Job hat man davon schon genug. Man kämpft, sein Zeug rechtzeitig fertig zu bekommen, rennt morgens zum Bus oder Bahnhof, hat mittags kaum Zeit, um sich vielleicht ein Brötchen hereinzuwürgen, und rennt dann abends wieder zu Bus oder Bahn, um sich wieder heim chauffieren zu lassen.
Da wäre es aus meiner Sicht doch das Beste, in der sowieso viel zu knappen Zeit, in der man sich eigentlich von dieser Job-Hektik abkoppeln könnte, doch einfach zwei oder drei Gänge runterzuschalten. Spät aufstehen. Zu Fuß zum Bäcker gehen. Gemütlich frühstücken. Derlei Dinge. Und was macht man? Man plagt sich mit Sack und Pack zum Flughafen, um an irgendeinen Flecken der Welt zu düsen, von dem alle sagen, dass man dort unbedingt mal gewesen sein müsse. Warum, weiß man in der Regel selbst nicht.

Ich war erst kürzlich auf einer dieser Einladungen, um die man als Zeitungsmensch nicht wirklich herumkommt. Dort bleibt es nicht aus, dass Journalisten sich untereinander unterhalten. Und jedes Mal kommt die Rede darauf, was momentan die schärfsten und angesagtesten Clubs in London, Marbella, New York, Moskau, Prag oder wo auch immer sind. Aufs Korn genommen wird dabei stets die provinzielle Enge und der Mief, der unseren deutschen Landen innewohnt und dass man unbedingt da raus müsse. Da werden Reisetipps ausgetauscht wie „Der Pariser Flughafen ist wirklich furchtbar...“, „Nimm bloß nicht den Bus Nummer 63 in Barcelona“, „das Savoy in Dublin ist wirklich das Letzte“ - und zu guter Letzt werden dann die Adressen der absoluten In-Kneipen fast wie Tipps für Optionsscheine an der Börse gehandelt.

In solchen Situationen sage ich dann meist: „Tel Aviv ist auch schön.“ Das stimmt zwar nicht, aber man wird mit anderen Augen angeguckt. So, als hätte man eine Zeitlang als Kriegsreporter gearbeitet. Nach Tel Aviv oder generell Israel trauten sich diese speziellen Club-Urlauber nämlich bisher in der Regel nicht, weil es dort zu gefährlich war.
Die angesagten Clubs pflegten nämlich von Zeit zu Zeit in die Luft zu fliegen. Da es mittlerweile aber auch an anderen Ecken der Welt kracht, könnte der Tourismus in Israel wieder einen ungeahnten Aufschwung nehmen.
Vielleicht höre ich einfach nie gut genug zu, aber über die echten Sehenswürdigkeiten wird in diesen Gesprächen - jedenfalls nach meinem Dafürhalten - nie ein Wort verloren. Auch interessante Museen oder Ausstellungen, so sie denn an den genannten Orten stattfinden, kommen in den Unterhaltungen so gut wie nie vor. Es geht meistens um Kneipen, Clubs und Discos und die Dinge, die man bloß um Himmels willen nie machen sollte, denn sonst erkennen sie vor Ort ja gleich, dass du ein Tourist bist. Und das ist für einen Medienmenschen scheinbar eine Todsünde.

Gleichzeitig schwingt in diesen Unterhaltungen aber noch etwas anderes mit – nämlich die Angst, irgend etwas verpassen zu können. Und das ist nicht nur für Medienmenschen typisch, sondern gilt letztlich für uns alle. Man muss sich nur mal die Reisesendungen auf Vox anschauen – da sagt uns Judith Adlhoch, was in den In-Destinationen (von Reisezielen spricht ja wirklich keiner mehr) unbedingt auf der To-Do-Liste stehen sollte. Sightseeing, ein bisschen was von der Kultur mitbekommen? Bloß nicht, das machen ja schon die ganzen Rentnerbrigaden in ihren Reisegruppen. Das ist so unhip. Zudem muss man ja nachts so viele Clubs abklappern. Und tagsüber bleibt man zur Erholung im Hotel, denn da warten ein paar Wellness-Anwendungen auf den ermatteten Körper. Nachmittags wird eh geshoppt. Aber auch Familienfernreisen an Traumstrände verlieren an Attraktivität, wenn plötzlich das Kind unter Verdacht auf Malaria in die Klinik eingeliefert werden muss, wie es mal einem meiner Kollegen auf den Malediven passierte.

Ich erinnere mich dunkel, dass wir im Deutsch-Abitur eine Texterörterung zum Thema „Vom Reisen“ zur Auswahl hatten und dass auch im Latein-Abi der Seneca-Text übers Reisen ging. Das alte Lied: Reisen bildet, es erweitert den Horizont, man lernt neue Kulturen kennen – der ganze Schmus. Andersrum ist es richtig: In den ach so angesagten Clubs läuft das gleiche Beat-Gestampfe, das man von zu Hause kennt und auch ständig auf MTV dudelt. Auch speise- und getränkemäßig hat sich viel verändert: Früher war eine Fahrt nach Frankreich auch deshalb was Besonderes, weil man da eine Orangina kriegen konnte. Heute gibt's die hier in jedem Supermarkt. Und Shopping-Zentren sehen sowieso überall gleich aus, man kriegt überall denselben Kram. Gut, die schreiend bunten Plastikmöhren, die in den Touristeneinkaufshöllen in
Gran Canaria überall offen feilgeboten werden, habe ich hier noch nie gesehen. Aber das halte ich für keinen Verlust. Die Dinger schraubt man auf und dann steckt da ein Kunstpenis, vulgo Dildo, drin.

Wer kann mir da verdenken, dass ich meinen Urlaub am liebsten auf dem Balkon oder in der näheren Umgebung verbringen möchte? Immerhin besteht ja die Chance, dass man mich nun nicht mehr für einen mittellosen Schlucker hält, dem gar nichts anderes übrig bleibt, als daheim herumzusitzen, sondern für einen Leisure-Time-Avantgardisten. Die Welt kommt über das Internet zu mir, ich muss nicht mehr hinfliegen.

Außerdem frage ich mich, was ich um Himmels willen in Ländern wie Thailand oder Mexiko anfangen soll. Den Mann von Welt zu spielen, während ich meinen eigenen Vorgarten nicht kenne, scheint mir eine etwas schrullige Auffassung von Lebensstil zu sein. Eine Ex-Kollegin erzählte mir mal, sie wolle in Thailand vor allem in Ruhe lesen. „Lesen?“, vergewisserte ich mich: „Richtig wie in Bücher lesen?“ „Ja, lesen!“, krähte die Damals-noch-Kollegin mir ungehalten entgegen. Entgeistert fragte ich: „Kannst du das nicht auch zuhause?“ Es ist schon bemitleidenswert, wenn jemand nur fern von zuhause die Ruhe findet, um ein gutes Buch lesen zu können.

Darüber hinaus ist mir der Papierkram zuwider, der mit Auslandsreisen verbunden ist. Pass. Flugtickets. Hotel-Vouchers, Mietwagen-Vouchers. Führerschein (für den Mietwagen). Internationaler Führerschein. Reiseschecks. Kreditkarte. Passkopien. Zettel mit den Telefonnummern zur Kreditkarten- und Handysperrung. Auf alles muss man aufpassen, sonst droht das Schicksal eines rechtlosen, weil illegalen Einwanderers, der in seinem vormaligen Traumland strandet und nicht mehr raus kommt. Schreckliche Vorstellung. Auf meinem Balkon darf ich dagegen Diktator sein, hier herrsche ich. Zumindest solange, bis die Katzen ankommen.

Außerdem gibt es in Deutschland so viel zu entdecken. Die Schwäbische Alb. Die Fränkische Schweiz. Das Vogtland. Das Bergische Land. Die Mosel. Die Rhön. Den Teutoburger Wald. Das Altmühltal. Den Spreewald. Ostfriesland. Seit kurzem lebe ich nur ein paar Autominuten von einer UNESCOWeltkulturerbe-Stätte entfernt. Wer kann mir da verdenken, dass ich zuhause bleiben möchte?



Der schiefste Kirchturm der Welt steht nicht in Pisa, sondern in Suurhusen (Friesland).

Donnerstag, 3. Juni 2010

WM-Blog: Brasilien 1982 - anschauen und genießen

Eine Woche vor dem Start der Fußball-WM in Südafrika sei ein kleiner Rückblick gestattet - und zwar auf die großartige Mannschaft von Brasilien, die bei der WM in Spanien im Jahr 1982 mit ihrem Zauberfußball die gesamte Welt faszinierte. In der zweiten Finalrunde des Turniers schieden die Brasilianer unglücklich gegen den späteren Weltmeister Italien aus, weil sie lieber ihrer Philosophie des "schönen Spiels" (auf portugiesisch jogo bonito genannt) treu blieben, als auf Sicherheitsfußball zu setzen. Das hätten die Brasilianer durchaus tun können, denn gegen Italien hätte ihnen ein Unentschieden genügt, um ins Halbfinale einziehen zu können - und dann hätte sie keine Mannschaft mehr stoppen können. Leider erwiesen sich die Azzurri als die schlauere und abgezocktere Mannschaft, und ihr zuvor mehr durchs Turnier geschleppter Mittelstürmer Paolo Rossi entpuppte sich mit einem mal als teuflisch effizienter Vollstrecker.
Offen bleibt aber die Frage, warum der unvergessene Trainer Tele Santana über das ganze Turnier an dem abscheulich schlechten Torhüter Valdir Peres festhielt. Auf der Ersatzbank saß mit Carlos Gallo ein um Längen besserer Schlussmann, der vier Jahre später bei der WM in Mexico nur ein einziges Gegentor kassierte (leider schieden die Brasilianer 1986 im Elfmeterschießen aus), vermutlich die beste Bilanz eines brasilianischen Torhüters bei einer WM!

Aber auch ohne Titel blieben die Brasilianer von 1982 als Botschafter des schönen Spiels in Erinnerung, und so mancher Fußballfreund bekommt eine Gänsehaut, wenn er die schönsten Momente der Selecao wieder sieht. Hier ein Video-Rückblick, der die besten Tore des 1982er-Teams in Erinnerung ruft:

Dienstag, 1. Juni 2010

Lena kann nicht Präsidentin werden...

... dafür ist sie zu Jung. Laut Grundgesetz muss ein Kandidat fürs Bundespräsidentenamt mindestens 40 Jahre alt sein.
Die Alternative: Ein Casting, das von Stefan Raab öffentlich im TV ausgetragen wird.
Mein Favorit: Guildo Horn, denn sein bürgerlicher Name lautet Horst Köhler!