Ich und die Meinen

Ich und die Meinen

Herzlich willkommen!

So, das bin ich! Ich bin Kurt Palfi. Ich habe mir gedacht, jetzt muss mal ein neues Foto her. Leider hat Onkelchen ein Nacktfoto von mir hochgeladen. Aber ich sehe doch noch recht proper aus!
Wir (das sind ich, mein missratener Sohn Gianni Dona und Onkelchen, der alles für uns tippt) lästern in diesem Blog über alles, was gerade anfällt: Fußball, Politik, Film und Fernsehen, alles Mögliche. Viel Spaß!

Samstag, 17. Juli 2010

In memoriam: Kater Maunz


Heute muss ich leider eine traurige Mitteilung machen. Kater Maunz, der kleine Liebling von Onkelchen und Tante Dilein, musste eingeschläfert werden. Maunz war so ein lieber und hübscher Kater, hatte aber wohl von Geburt an die tückische FIV-Krankheit, landläufig auch als "Katzen-Aids" bekannt.

Dadurch nahmen die Abwehrkräfte unseres kleinen Katers immer mehr ab, zuletzt war jeder Atemzug eine Qual.

Lieber Maunz, ich hoffe, dass Du jetzt an einem besseren Ort bist!

Wir werden Dich vermissen!

Die Elefanten-WG Kurt Palfi, Gianni Dona und Paco Alvalade.

Freitag, 16. Juli 2010

28 Jahre hat Onkelchen danach gesucht...

... die englisch-jiddische Version von "Codo!"
Einmal hat er es auf (damals) SDR 3 gehört, seitdem nie wieder. Und hier ist sie! Youtube sei Dank!!

Sonntag, 11. Juli 2010

WM-Blog: Das verflixte Spiel Nr. 63

Eigentlich wollte ich diesen Blogeintrag schon gestern vormittag schreiben, aber da war es mir zu heiß! Heute ist es leider noch heißer als gestern, aber da ich - wie die deutsche Nationalmannschaft - das Bedürfnis habe, diesen WM-Blog zu einem versöhnlichen Ende zu bringen, muss eben geschrieben werden.

Schon klar: Das Spiel um den dritten Platz ist ein Fremdkörper im WM-Spielplan. Bei der Europameisterschaft gibt es dieses Platzierungspiel seit 1984 nicht mehr, und niemand vermisst es. In anderen Sportarten haben solche Spiele durchaus eine gewisse Bedeutung, zum Beispiel im Handball, weil man sich mit dem dritten oder fünften Platz eventuell die Direktqualifikation für das nächste Turnier oder die Olympischen Spiele sichern kann. Bei Fußball-Welt- und Europameisterschaften war dies jedoch nie der Fall, es ging von vornherein immer nur darum, wer die Bronzemedaillen kriegt und wer mit einem feuchten Händedruck vom Platz geht.

Interessanterweise war Deutschland im Jahr 1934 der erste WM-Dritte (bei der Premiere im Jahr 1930 gab es kein Spiel um Platz drei), und mit vier dritten Plätzen (1934, 1970, 2006, 2010) ist Deutschland bei insgesamt fünf Teilnahmen die erfolgreichste Nation im kleinen Finale. Lediglich 1958 ging Deutschland gegen Frankreich im kleinen Finale mit 3-6 unter, ansonsten waren die Männer mit dem Adler in der ungeliebten Platzierungspartie immer siegreich. Es gibt also durchaus eine gewisse Beziehung zwischen Deutschland und diesem seltsamen Spiel, das zur WM dazugehört, aber auch irgendwie nicht, denn es findet gewissermaßen außerhalb des Wettbewerbes statt. Beide Teilnehmer sind aus dem Rennen um den Cup ausgeschieden, müssen aber trotzdem noch mal ran. Ein bisschen erinnert das Ganze an Apollo 13: Das ganz große Ziel ist in weite Ferne gerückt, aber bevor man nach Hause kommen kann, muss man noch mal eine Ehrenrunde um den Mond drehen. Und hinterher verkauft man das Ganze dem staunenden Publikum als Erfolg.

Überraschenderweise ist diese Partie eigentlich spätestens seit 1982 ein Garant für unterhaltsame Spiele. Zuvor gab es eine Reihe von müden 1-0-Kicks, bei denen die beteiligten Spieler jeweils nach dem Führungstreffer fast alle Aktionen einstellten. Mitunter waren die Spiele um Platz drei sogar besser als die eigentlichen Endspiele, so etwa 1994 (ein 4-0 von Schweden gegen Bulgarien, während die Italiener und die Brasilianer sich im Finale neutralisierten und das Elfmeterschießen entscheiden musste) und 2006 (als die deutsche Ersatzelf die Portugiesen um Cristiano Ronaldo und Figo mit 3-1 besiegten, während Italiener und Franzosen im Finale lediglich ein 1-1 zustande brachten und auch hier die Strafstöße entschieden). Denn das Paradoxon des Spiels um Platz drei ist: Es geht eigentlich um nichts mehr, deshalb legen die beteiligten Mannschaften häufig die taktischen Zwänge ab. Die Defensive steht nicht mehr so sehr im Vordergrund, deswegen fallen im kleinen Finale oft mehr Tore als im eigentlichen Endspiel.

Das schönste "Spiel 63" der Geschichte lieferten sich aber 2002 die Türkei und Südkorea. Die Türkei gewann 3-2, aber nach wie vor unvergessen sind die Bilder nach dem Spiel, als sich beide Teams miteinander verbrüderten und sich Arm in Arm auf dem Rasen bei ihren Fans bedankten (im folgenden Video ab 6:48).



In diese ehrenvolle Ahnenreihe hat sich auch gestern die Partie zwischen Deutschland und Uruguay eingereiht. Natürlich war vor allem den Deutschen die Enttäuschung über das verpasste Finale sehr stark anzumerken. Aber: Sie zogen sich glänzend aus der Affäre und gewannen 3-2. Und wer war der Sieger? Der Fußball.

Freitag, 9. Juli 2010

WM-Blog: Manndeckung gegen Spanien!

Die deutsche Nationalmannschaft konnte es nicht - nun steht Holland vor der schwierigen Aufgabe, die momentan wieder scheinbar unbezwingbaren Iberer zu besiegen. Das Kraken-Orakel ist sich zwar sicher, dass Deutschland den dritten Platz holt und Spanien den Cup erringt. (Sogar die spanische Presse nimmt davon Notiz! In Spanien wurde das Endspiel-Orakel sogar live übertragen und die spanischen Beobachter sangen "Campeones, Campeones", als sei das Finale schon gespielt!)

Damit scheint alles geklärt. Aber soll man wirklich einem glitschigen Kopffüßer die Entscheidung darüber überlassen, wer die Weltmeisterschaft gewinnt? Auch wenn der Oberhauser Krake während der WM 2010 mit seinen Tipps immer richtig lag - wenn man die ganze Sache mit dem Kraken-Orakel zu ernst nimmt, braucht man zum Spiel gar nicht mehr anzutreten. Das würde zunächst einmal sehr viel Geld sparen. Man braucht keine Stadien mehr, auch keine Verkehrsinfrastruktur: Es reicht einfach, sich alle vier Jahre vor dem Aquarium des Oberhauser Kraken zu versammeln - auch wenn es in vier Jahren nicht mehr Paul sein wird, denn Kraken haben nur eine durchschnittliche Lebenserwartung von drei Jahren.

Vielleicht hat ja das deutsche Team vor zwei Tagen die Vorhersage des Kopffüßers zu ernst genommen, denn manche Prophezeiungen tendieren einfach dazu, sich selbst zu erfüllen. Gerade wenn das Selbstbewusstsein vor einem Duell mit einem Gegner, der keine offensichtlichen Schwächen aufzeigt, nicht allzu ausgeprägt ist, wischt manch einer die "Vorhersage" nicht einfach beiseite, sondern das Omen frisst sich im Hinterkopf möglicherweise fest und nagt. Ich hoffe, dass es den Holländern übermorgen am Sonntag nicht so ergeht!

Aber wie soll man die Spanier knacken? Der Schlüssel zum Erfolg der Spanier ist neben der guten Balltechnik vor allem das herausragende Positionsspiel. Es macht die Räume für den Gegner eng und schafft Anspielstationen für Pässe. Das als Tiki-Taka gelobte Kurzpassspiel halte ich persönlich eher für faulen Zauber, weil es eigentlich kaum Raumgewinn schafft.
Es hat allerdings den Zweck, den Gegner zu ermüden und den Ballbesitz zu erhalten. Ist der Gegner erst einmal müde gespielt, erwachsen für die Spanier schließlich Chancen.

Es gibt mehrere Möglichkeiten, dieser Taktik entgegenzutreten: Die eine lautet, einen Bus vor das Tor zu stellen. Das heißt: Alle Mann verteidigen, wenn es sein muss, alle auf der Torlinie. Das hat mehr oder weniger die Schweiz getan.

Die zweite Option wäre aus meiner Sicht die konsequente Manndeckung im Mittelfeld. Dass die Spanier dort gut besetzt sind, muss gar nicht mehr erwähnt werden. Das ist Allgemeingut. Aber diese Variante ist offenbar nicht mehr salonfähig. Das deutsche Team, das die Manndeckung länger als jede andere Mannschaft praktizierte (vielleicht mit Ausnahme der Griechen), griff gegen Spanien jedenfalls nicht zu diesem Mittel. Warum eigentlich?

Die Manndeckung ist eines von mehreren Werkzeugen, die sich im taktischen Instrumentarium von Fußballtrainern befinden. Sie wird von Spitzenmannschaften vor allem deswegen kaum mehr praktiziert, weil die Manndeckung das Umschalten von Abwehr auf Angriff erschwert. Nehmen wir an, ein rechter Verteidiger wird einem bestimmten Stürmer zugeordnet, der normalerweise auf dem linken Flügel seiner Mannschaft agiert. Um seinem direkten Gegenspieler zu entgehen, weicht der genannte Flügelstürmer in die Mitte oder auf seinen rechten Flügel aus (unser rechter Verteidiger wird somit gezwungen, seinem Gegenspieler zu folgen und ist nun auf "seinem" linken Flügel zu finden). Erobert nun die bisher verteidigende Mannschaft den Ball, dann findet der ballführende Spieler seinen Kameraden nicht mehr dort, wo er ihn erwartet, denn er ist ja seinem Gegenüber auf jenen Flügel gefolgt, auf den er gar nicht hingehört.

Dieser Nachteil der Manndeckung ist leicht einzusehen. Wenn es aber darum geht (und das muss gegen eine Mannschaft wie Spanien absolute Priorität haben), sie nicht zu ihrem Kurzpassspiel kommen zu lassen, dann gibt es kaum eine Alternative, als jedem spanischen Spieler auf den Füßen zu stehen. Auf diese Weise entfallen für die ballführenden Spieler der Spanier die möglichen Anspielstationen, sie müssen weitere Wege gehen und die Ordnung im Mittelfeld könnte dadurch aufgebrochen werden. In das Spiel kommt mehr Bewegung. Verfügt man vielleicht noch über schnelle Flügelspieler, dann sind durchaus auch Torchancen möglich.

Ich weiß nicht, ob diese Vorgehensweise jemals in der Praxis erwogen wurde. Fußball-Feingeister wie die Autoren der "Süddeutschen Zeitung" werden sich hier vermutlich schütteln, aber die verurteilen ja jede Aktion sofort als mittelalterlich oder als Gerumpel, wenn es um die Defensive geht. Da heißt es dann schon mal, Podolski habe "als mittelalterlicher Libero" gegen Ramos gerettet. Soll er es denn gar nicht tun, soll er lieber das Gegentor zulassen? Die Manndeckung hat gerade dann ihre Berechtigung, wenn man gegen ein Team antritt, das spielerisch-technisch als überlegen gilt. Auf dieses Werkzeug von vornherein zu verzichten, ja, es komplett aus dem taktischen Werkzeugkasten zu verbannen, ist ein bisschen arrogant. Wenn man eine absolute Dominanz der Spanier verhindern will, könnte sie durchaus ein wertvolles Mittel zum Zweck sein.

Mal sehen, ob die Holländer da weniger dogmatisch sind als Jogi Löw. Sie bezeichnen ihren Stil laut Nigel de Jong ja inzwischen als "deutscher als die Deutschen". Das kann zu Hoffnung Anlass geben...

Nachtrag: Mit dieser Meinung stehe ich nicht alleine. Siehe diesen Spiegel-Forenbeitrag: Guckst du!

WM-Blog: Hoffen auf Holland

Holland ist - noch vor England - der Lieblingsfeind deutscher Fußballfans. Ein Verhältnis, das auf Gegenseitigkeit beruht. 2002 sangen deutsche Fans schadenfroh "Ohne Holland fahr'n wir zur WM", als die niederländische Elftal in der Qualifikation scheiterte. Und die Holländer sind die ersten, die fröhlich das alte Lied "Schade Deutschland, alles ist vorbei" anstimmen, wenn die Deutschen vorzeitig ausscheiden. Interessant ist dabei, dass beide Spottlieder auf dieselbe Melodie gesungen werden. Es gibt also neben der herzlichen Abneigung wohl auch viele Gemeinsamkeiten.

Wahr ist ja, dass es zwischen beiden Ländern viele hochemotionale Fußballschlachten gab - allen voran das WM-Endspiel 1974, in dem die Krönung des "Totalen Fußballs" niederländischer Prägung stattfinden sollte und das schließlich die Deutschen - nicht zuletzt wegen des Heimvorteils und wegen Gerd Müller - gewannen. Dem stand das Hamburger EM-Halbfinale 1988 in nichts nach, in dem die holländischen Fans in der Überzahl waren. Unvergessen die Szene, in der sich Ronald Koeman mit dem Trikot von Olaf Thon den Hintern abwischte. Dann kamen die engen Duelle in der WM-Qualifikation 1990 und schließlich das Haß-Spiel im Achtelfinale der WM 1990, in dem es für Frank Rijkaard und Rudi Völler die rote Karte gab und in dem Jürgen Klinsmann das Spiel seines Lebens machte. 1992 trafen beide Teams in der Gruppenphase der EM wieder aufeinander, Holland gewann 3-1, aber da beide Mannschaften weiterkamen, fiel die deutsche Niederlage nicht so sehr ins Gewicht. 2004 gab es in Portugal bei der EM ein 1-1, aber die Rivalität war zum diesen Zeitpunkt schon ziemlich abgekühlt.

Holland trug den Deutschen einerseits das verlorene WM-Halbfinale von 1974 nach, andererseits überlagerte die Erinnerung an die deutsche Besatzung während des zweiten Weltkrieges lange die Duelle mit dem Nachbarn. Man war froh, wenn es gelang, dem scheinbar übermächtigen Nachbarn auf dem grünen Rasen ein Bein zu stellen.

Dazu kam - und das ist nicht zu vernachlässigen -, dass mit Holland und Deutschland auch zwei unterschiedliche Fußball-Philosophien aufeinandertrafen, nämlich auf der einen Seite der häufig nüchtern-ergebnisorientierte Zweckfußball deutscher Prägung und auf der anderen Seite der angriffsorientierte "Totale Fußball" von Johan Cruyff und seinen Epigonen - mit einer gewissen Neigung, in Schönheit zu sterben. Holland gewann dadurch die Fans für sich, Deutschland viele Titel.

Bei dieser WM 2010 hat sich das Bild in gewisser Weise gewendet: Deutschland hat gegen Australien, England und Argentinien herzerfrischenden Angriffsfußball gezeigt, Holland dagegen eher nüchtern und zweckgebunden gespielt. Verkehrte Welt! Die deutsche Truppe präsentiert sich als multikulturelles, fußballtechnisch fein ziseliertes Team, während Holland Fußball arbeitet - wenngleich sie mit Sneijder und Robben auch einige exquisite Künstler in ihren Reihen haben. Es ist kein Zufall, dass mit van Bommel, Robben, Mathijsen und Bouhlarouz vier zentrale Akteure der Niederländer in der Bundesliga spielen, Trainer Bert van Marwijk Bundesliga-Erfahrung hat und auch Bayern-Coach van Gaal aus Holland kommt. Die beiden Erzrivalen befruchten sich momentan gegenseitig mehr, als man es noch vor wenigen Jahren für möglich gehalten hatte. Deutschland lernt von den Holländern Spielwitz, die Niederländer übernehmen die deutsche Disziplin. Und nicht zuletzt: Es ist einfach schön zu sehen, dass sich Leute wie van Bommel und Robben und viele andere holländische Profis in Deutschland wohl fühlen, so dass man die leidige Vergangenheit vielleicht doch irgendwann einmal ad acta legen kann.

Insofern halte ich im Finale zu den Niederländern (seit dem Halbfinal-Aus der Deutschen trage ich konsequent orange T-Shirts) und hoffe, dass sie eine Lücke bei den Spaniern sehen, die Jogi Löw und seine Mannen nicht gefunden haben. Ich war ja schon 2006 in Nürnberg bei der "Schlacht von Nürnberg" zwischen Holland und Portugal dabei und hielt damals zum ersten Mal in meinem Leben zu den Niederländern, denn die Portugiesen spielten damals einfach dreckig. Schwalbenkönig Cristiano Ronaldo tauchte so oft weg, dass man meinen konnte, er sei mit einem Schnorchel auf den grünen Rasen unterwegs.

In diesem Sinne: Hup, Holland, hup! Diesmal seid ihr die besseren Deutschen!
Haut die Spanier weg!

Donnerstag, 8. Juli 2010

WM-Blog: Weltmeister zu sein, ist kein Spaß:

Ich weiß, es ist ein schwacher Trost, aber: Sollte Spanien tatsächlich Weltmeister werden, dann - so zeigt die Erfahrung - werden sie in vier Jahren denselben uninspirierten Fußball zeigen wie alle Titelverteidiger und im Niemandsland, das zwischen Vorrunde und Viertelfinale liegt, ausscheiden.
Hier die Ergebnisse der Titelverteidiger der letzten 12 WMs:

1966 (Brasilien): Vorrunde
1970 (England): Viertelfinale
1974 (Brasilien): Zwischenrunde
1978 (Deutschland): Zwischenrunde
1982 (Argentinien): Zwischenrunde
1986 (Italien): Achtelfinale
1990 (Argentinien): Finale
1994 (Deutschland): Viertelfinale
1998 (Brasilien): Finale
2002 (Frankreich): Vorrunde
2006 (Brasilien): Viertelfinale
2010 (Italien): Vorrunde

- Nur zweimal (Italien 1938 und Brasilien 1962) konnte der Fußball-Weltmeister (der Herren, wohlgemerkt) seinen Titel erfolgreich verteidigen.

- Seit der letzten erfolgreichen Titelverteidigung 1962 konnten sich lediglich zwei amtierende Weltmeister unter den letzten Vier platzieren (Argentinien 1990 und Brasilien 1998).

- 1990 erreichte Titelträger Argentinien zwar das Finale, kam aber in der Vorrunde nur deshalb weiter, weil im 24er-Teilnehmerfeld auch die vier besten Gruppendritten weiterkommen konnten. Im Viertelfinale (gegen Jugoslawien) und Halbfinale (gegen Italien) kam Argentinien nur per Elfmeterschießen weiter.

- 1998 erreichte Brasilien zwar das Finale, unterlag aber im Endspiel deutlich mit 3:0 dem Gastgeber Frankreich.

- 2002 schied der Titelträger Frankreich in der Vorrunde aus, ohne ein einziges Tor erzielt zu haben.

- 2010 erzielte der Titelträger Italien gerade mal zwei Unentschieden in der Vorrunde und flog durch eine Niederlage gegen den WM-Neuling Slowakei aus dem Wettbewerb.

Die Fakten lügen nicht: Wer auch immer in Johannesburg den Titel holt, muss sich auf quälende Fußball-Niederungen einstellen. Mit einer Wahrscheinlichkeit von 83 Prozent (legt man die Ergebnisse seit 1966 zugrunde) ist spätestens im Viertelfinale Schluss. Freut euch, solange ihr könnt, liebe Spanier (oder Niederländer): Ab dem Zeitpunkt, zu dem ihr am Sonntag den Pokal in die Höhe stemmt, geht's bergab.

WM-Blog: Lasst Hrubesch ran!

Noch ist Joachim Löw ja Trainer der deutschen Fußball-Auswahl. Seine Zukunft ist aber seit dem Vertragsdebakel vom Frühjahr ungewiss. Ich kann mir zwar vorstellen, dass er vom DFB nach der WM ein Angebot bekommt, das er nicht ablehnen kann. Dennoch halte ich es nicht für ausgeschlossen, dass er die Brocken trotzdem hinschmeißt und seinen Vertrag nicht verlängert. Er wäre dann zusammen mit Michael Ballack einer der großen Unvollendeten im DFB.

Was dann? Que faire? Matthias Sammer wird für diesen Fall als der große Unvermeidliche genannt. Als Sportdirektor des DFB hätte er vermutlich den ersten Zugriff auf das Amt des Bundestrainers. Als jüngster Meistertrainer der Bundesliga wäre er ohne Zweifel qualifiziert, zudem weiß er als Mitglied der Europameistermannschaft von 1996, wie man ein Turnier gewinnt. Allerdings gibt es Stimmen, die Sammer als menschlich nicht ganz einfach einschätzen. Wie er mit der jungen deutschen Nationalmannschaft klarkäme, bleibt daher eine offene Frage.

Als Alternative bietet sich Hotte Hrubesch an. Seit 2000 in Diensten des DFB, hat er maßgeblich zu den Erfolgen der DFB-Jugendmannschaften beigetragen. Auch er besitzt das Sieger-Gen, 1980 gewann die DFB-Auswahl dank seiner Tore die Europameisterschaft in Rom. Die Erfolge der Jugendmannschaften belegen, dass er einen guten Draht zu den jungen Spielern hat (Neuer, Beck, J. Boateng, Höwedes, Hummels, Aogo, Khedira und Özil errangen unter seiner Leitung den U-21-Titel) und diesen auch in der Nationalmannschaft einsetzen könnte.

Für Hrubesch spräche nicht zuletzt, dass er den Jungs wieder beibringen könnte, wie man aus einer Ecke ein Tor macht. Schließlich köpfte er die deutsche Elf 1980 nach einer Ecke von Rummenigge zum Europameistertitel. Dieses Wissen scheint inzwischen in Deutschland verlorengegangen zu sein, während man in Spanien noch weiß, wie das geht (fragen Sie mal Herrn Carles Puyol).

Als Assistenztrainer schlage ich Manni Kaltz vor, den besten rechten Verteidiger, den wir je hatten (sorry, Philipp Lahm). Das Erfolgsduo "Manni Bananenflanke, ich Tor" könnte somit das deutsche Team wieder auf Titelkurs bringen...

Wenn Löw tatsächlich nicht weitermachen sollte, wäre also keine "Trainerfindungskommission" notwendig - ein kompetenter Nachfolger ist im eigenen Haus vorhanden.

WM-Blog: Von den 86ern und 90ern lernen heißt siegen lernen

So, wir haben eine Nacht über die Halbfinal-Niederlage der deutschen Mannschaft geschlafen. Das Ergebnis ist genauso unerfreulich wie vorher, aber man sieht doch ein bisschen klarer. Landauf, landab verweisen die Gazetten darauf, dass dieser deutschen Mannschaft die Zukunft gehöre und dass die Zeit für sie arbeite. Mag sein, dass die Generation der Neuers, der Müllers, der Özils, der Khediras, der Kroos, der Marins zusammen mit den ebenfalls noch sehr jungen Leadern Lahm und Schweinsteiger noch nicht an ihrem Zenit angekommen ist. Doch das nagende Gefühl lässt sich nicht abschütteln: Jetzt (genauer gesagt, gestern) war die Chance da, es allen zu zeigen, und am Ende stand - wie schon im EM-Finale 2008 - ein ernüchterndes 0-1.

Ich bin mir sicher, dass die Mannschaft und der Trainerstab - und genauso die Fans - noch einige Zeit an diesem Halbfinale gegen Spanien zu kauen haben. Denn die unangenehme Frage lautet: Wo war die Unbekümmertheit, mit der das junge deutsche Team Gegner wie England und Argentinien niederspielte? Lag es nur daran, dass Müller gesperrt war (eine Parallele zum gesperrten Frings im WM-Halbfinale 2006)? Und, daran anschließend: Mit welchen Mitteln kann eine deutsche Mannschaft überhaupt gegen einen Gegner bestehen, der über ein herausragendes Positionsspiel verfügt, pass- und ballsicher ist und - wie im EM-Finale 2008 - ein unsichtbares Netz über den Platz spannt, in dem sich die deutsche Vorwärtsbewegung nur allzuoft verheddert?

Seit der EM 2008 ist Spanien der Goldstandard im internationalen Fußball. Das müssen wir anerkennen, und Spanien ist dieser Favoritenrolle trotz der Auftaktniederlage gegen die Schweiz gerecht geworden. Wenn der deutsche Fußball wieder Titel erringen will - und die Parole vom 4. Stern für Deutschland klingt uns ja immer noch in den Ohren - dann muss man sich überlegen, wie man so eine Mannschaft knacken kann. Denn früher oder später wird es wieder zu einem Aufeinandertreffen kommen, falls Spanien seine Ausnahmestellung bestätigen sollte. Und dann sind Lösungen gefragt, die überzeugender sind als die, die wir gestern gesehen haben.

Es war gestern oft von Hemmungen die Rede, vom mangelnden Mut, vom Respekt gegenüber der Übermannschaft Spanien. Ich kenne so was auch aus meinem eigenen Job: Die Angst vor dem Scheitern lähmt oft die eigene Initiative. Ich habe also insofern vollstes Verständnis für die Jungs. Ich habe aber nicht den Anspruch, Weltmeister zu sein oder werden zu wollen.
Wer also vom "4. Stern" spricht, der muss diese Hemmungen irgendwie ausblenden können, sonst bleibt am Ende immer die Trostrunde übrig, die Partie um den 3. Platz, oder wie die Autoren von "11Freunde" so richtig formulierten, das Pfannenset der WM.

Und gerade da muss ich wieder auf die deutsche Mannschaft zurückkommen, die 1986 in Mexiko Zweiter wurde - es war die Mannschaft und die WM, die mir am eindrücklichsten in Erinnerung geblieben ist. Sie war mit einem grottigen 1-0 gegen Marokko im Achtelfinale und über Elfmeterschießen gegen Mexiko im Viertelfinale ins Halbfinale eingezogen. Der Gegner hieß Frankreich, ebenfalls zwei Jahre zuvor Europameister geworden und mit dem Traum-Mittelfeld um Platini, Giresse, Tigana und Fernandez der Goldstandard im internationalen Fußball. Zugegeben, Frankreich hatte auch echte Schwächen - der Torwart Joel Bats gehörte dazu, der schon in der neunten Minute einen Brehme-Freistoß unter dem Bauch hindurchkullern ließ (beim Spanier Casillas kann ich mir das nicht so recht vorstellen), aber in den Augen vieler damaliger Experten waren die Deutschen chancenlos. Die 86er glaubten trotzdem an ihre Chance.

Der Fußball dieser Zeit - der damalige Teamchef Beckenbauer brachte es fertig, zeitweise mit zwei Liberos zu spielen, einer vor, einer hinter der Abwehr - ist heute ja als "Rumpelfußball" verpönt. Allerdings habe ich mir mehr als einmal bei der Südafrika-WM gewünscht, unsere Jungs hätten die Nervenstärke und Entschlossenheit dieser 86er-Truppe. Bei denen gab es einigen Zoff hinter den Kulissen - die Münchner und Kölner waren einander nicht grün, und dann gab es noch die "Suppenkasper-Affäre" um Uli Stein, aber sie waren außerordentlich schwer zu schlagen, was selbst die Argentinier um Maradona im Finale erfahren mussten.

Bei allen Fußball-Reformen, die Klinsmann und Löw ab 2004 positiv umgesetzt haben, ist aus meiner Sicht diese sehr typische deutsche Eigenschaft etwas verloren gegangen. 1986 war es für alle schwer, gegen Deutschland zu spielen: Die Mannschaft konnte auch nach einem Rückstand zurückkommen. Heute ist es dagegen sehr oft so, dass das Schicksal der deutschen Mannschaft mehr oder weniger besiegelt ist, wenn sie einmal in Rückstand geraten ist.

Ein bisschen schräg finde ich auch, dass sowohl Löw als auch sein Vorgänger Klinsmann 2006 und 2010 im wesentlichen an ein und derselben Formation festhielten und nur dann umstellten, wenn Verletzungen oder Sperren einzelner Spieler dies erforderten (mit einer Ausnahme: Boateng für Badstuber nach dem verlorenen Serbien-Spiel). 1990 baute Beckenbauer sein Team dagegen gleich zweimal grundlegend um, obwohl die Ergebnisse dies nicht erfordert hätten: Einmal fürs Achtelfinale gegen die Niederlande (da fiel Uwe Bein heraus und Jürgen Kohler wurde als Feuerwehrmann gegen van Basten gebraucht) und das zweite Mal vor dem Halbfinale gegen England (da kamen Olaf Thon und Thomas Häßler in die Mannschaft, weil Beckenbauer gegen die kopfballstarken Briten die Bälle flach halten wollte).

Ich verstehe daher nicht, warum weder Löw vor dem Spiel gegen Spanien noch Klinsmann vor dem Spiel gegen Italien versucht hat, die Mannschaft stärker umzustellen. Klar, insbesondere Löw wäre nach den beiden Vier-Tore-Erfolgen gegen England und Argentinien in starke Erklärungsnöte geraten. Aber warum er Jansen und Kroos nicht von Anfang an spielen ließ, das erschließt sich mir nicht - schließlich wurden beide recht früh in der zweiten Hälfte eingewechselt. Mir scheint, dass er diese Lösung schon vor dem Spiel erwogen hatte, aber vielleicht hatte er sie als zu radikal verworfen und erst darauf zurückgegriffen, als sein Team in der ersten Halbzeit nicht den nötigen Druck erzeugen konnte.

Vielleicht ist es aber auch Schicksal, dass es erst 2014 soweit sein soll. Vielleicht war 1990 einfach einmal außer der Reihe und wir sind erst wieder dran, wenn die Jahreszahl die Ziffer 4 enthält (wie 1954 und 1974).

Bis dahin würde ich, wenn ich der DFB wäre, mindestens einmal im Jahr ein Testspiel gegen die Spanier ansetzen. Und wer weiß, vielleicht findet Löw (oder wer auch immer) irgendwann das Erfolgsrezept.

Mittwoch, 7. Juli 2010

WM-Blog: Geschichte wiederholt sich doch...

... vor vier Jahren war es Italien, jetzt erwies sich zum zweiten Mal nach der EM 2008 Spanien als unüberwindlicher Stolperstein für das deutsche Team. Und wieder bleibt den deutschen Recken nur das undankbare Spiel um Platz drei. Vielleicht war mehr drin, aber Spanien zeigte seine Klasse, und das muss man als Fußballfreund einfach anerkennen.

Trotzdem: Ein großartiges Turnier der deutschen Mannschaft, die vor allem mit ihren Spielen gegen England und Argentinien unglaublich viel Sympathie und Anerkennung gewonnen hat. Vielleicht war gerade in der ersten Hälfte der Respekt vor dem Europameister zu groß, aber darüber zu sprechen ist müßig. Das mag jetzt ein schwacher Trost sein, aber vielleicht - oder vielmehr ganz sicher - wird das Team an der Niederlage wachsen, daraus Lehren ziehen und noch besser werden.

In diesem Sinne: Auf ein Neues!

WM-Blog: Serrano-Schinken zum Frühstück

Wer diesen Blog von Beginn der WM an gelesen hat, könnte möglicherweise der Meinung sein, dass wir (die Verfasser) der deutschen Nationalmannschaft den immerhin noch möglichen vierten Stern nicht gönnen beziehungsweise sie und ihre Chancen herunterschreiben, wo es nur geht. Nichts liegt uns ferner! Natürlich wäre ein Vorrunden-Aus tatsächlich eine geeignete Startrampe gewesen, um Nivea-Jogi Löws Kopf zu fordern und sich für einen Trainer-Schrat wie Peter Neururer (Onkelchen sagt, er hat eine Schwäche für schratige Trainer) stark zu machen.

Den Begriff "schratiger Trainer" zu definieren, ist nicht ganz leicht. Vielleicht kann eine Analogie hier helfen: Ein schratiger Trainer sollte bestenfalls als Werbe-Ikone für Bier geeignet sein, keinesfalls für Körperpflege-Produkte oder Investmentfonds. Ein Trainer vom alten Schlag halt, kauzig, vielleicht auch wortkarg, aber ein Philosoph des grünen Rasens. Einer, der ohne einen Stab von Medienberatern auskommt. Einer, bei dem die Vorstellung nicht völlig abwegig ist, dass er in der Vereinsgaststätte mit den Treuesten der Treuen eine Rund Skat klopft.

Manche schratigen Trainer sind leider Alkoholiker und Kettenraucher gewesen, gottseidank nicht alle (Legendär ist zum Beispiel Happels Ausspruch "Burschen, sauft's weiter", als bei einer seiner Trainerstationen ein Team der Trinker ein Trainingsspiel gegen die Abstinenzler gewann). Zwingend erforderlich für einen schratigen Trainer ist allerdings, dass er in der Vereinsgaststätte nicht wie ein Fremdkörper wirkt (und ich meine Vereinsgaststätten, wie man sie noch in den achtziger Jahren kannte). Ein schratiger Trainer kann daher kein Totalabstinenzler sein.

Dazu kommt ein gewisser Hang zur Konditionsbolzerei, was aber nicht heißt, dass der schratige Trainer den feineren Aspekten des Fußballspiels gänzlich abhold sein muss. Bereitschaft zur Improvisation und auch zu ungewöhnlichen Taktiken ("Mach et, Otze!") sowie eine gewisse Medienresistenz und die Fähigkeit zu knackigen One-Linern (wie sagte Peter Neururer, als er - glaube ich - Schalke trainierte, die damals das Image einer Fahrstuhlmannschaft hatten: "Gegen den FC Bayern werden wir nicht hoch gewinnen") machen den Trainer-Schrat perfekt.

Der bereits genannte Peter Neururer wäre wie gesagt eine aktuelle Idealbesetzung für dieses Profil, alternativ fallen mir aus der Geschichte noch Namen wie Fiffi Kronsbein, Branko Zebec, Aleksandar Ristic, Rolf Schafstall, Kuno Klötzer, Klaus Toppmöller oder auch Ernst Happel ein (wobei Ernst Happel eher dem Weine und nicht dem Biere zugeneigt war). Man möge mir verzeihen, dass diese Liste leicht HSV-nostalgielastig ist, aber auch der späte Lattek und ganz gewiss auch Christoph Daum, eventuell auch Daums zeitweiliger Vertreter Erich Rutemöller erfüllen zumindest in Teilen das Anforderungsprofil. Früher fand man schratige Trainer in allen Bereichen der Bundesliga, heute leider eher in den unteren Regionen.

Jogi Löw ist leider kein Trainer-Schrat, er ist ein vorbildlicher Übungsleiter, dem ich - und das möchte ich hier betonen - den WM-Titel gönne. So wie dem ganzen Team. Es ist nur der reine Aberglaube, der mich dazu zwingt, das deutsche Team und dessen Chancen so weit in den Keller zu schreiben, wie es nur geht.

Es ist eine Erfahrung aus meinem beruflichen Leben: Wenn man glaubt, man säße fest im Sattel, man hätte seine Position gefunden, es könne einen nichts mehr überraschen, dann schickt einem plötzlich das Leben eine Grätsche, und man küsst die Grasnarbe. Und insofern möchte ich selbst den Mahner geben, der mit seinen Kassandrarufen den Turnier-GAU herbeiunkt, um dann um so mehr überrascht zu sein ob der überzeugenden Auftritte des deutschen Teams.

Bei aller Freude über das bisherige Turnier ist das spanische Team vermutlich doch der härteste Brocken, den es bei dieser WM gibt, und Schweinsteiger, Löw & Co. werden hoffentlich ganz genau wissen, wie sie die rote Flut stoppen können. Denn keine andere Mannschaft versteht es so gut, durch das Kurzpassspiel im Mittelfeld (es gibt Leute, die das Ganze ehrfurchtsvoll Tiki-Taka nennen, aber ich nenne es Ballgeschiebe) das Spiel zu verschleppen, bis sich dann entweder aufgrund der Langeweile, die sich auf seiten des Gegners einstellt, oder aufgrund eines Geistesblitzes von Villa oder Torres dann doch eine gefährliche Situation ergibt. Unsere Jungs haben das im EM-Finale 2008 erlebt: Aufgrund der Ballsicherheit der Spanier ist es sehr schwer für den Gegner, gegen die Furia Roja ins Spiel zu finden. Es wird also ein hartes Stück Arbeit. Sie haben aber auch Schwächen. Diego Maradona sagte nach der Auftaktniederlage der Spanier gegen die Schweiz sinngemäß: "Wenn die Tore an den Seitenlinien stünden, hätten sie 10-1 gewonnen!" Das heißt übersetzt: Ballbesitz allein ist kein Erfolgsgarant.

Um unsere Jungs zu unterstützen, habe ich deshalb heute morgen spanischen Serrano-Schinken verdrückt (lecker) und ich werde das Ritual einhalten, das ich bisher vor jedem der KO-Spiele des deutschen Teams eingehalten habe. Am Nachmittag gibt es mindestens eine Folge "Fawlty Towers" von der DVD (das habe ich vor dem England-Spiel gemacht, weil ich so ein schlechtes Gefühl hatte und dringend Lachmuskeltraining brauchte) und dann schaue ich mir das Spiel im Trikot des GEGNERS an. Das hat folgenden Sinn: Ich will meine eigenen negativen Emotionen auf den Gegner übertragen. Bis jetzt hat es gut funktioniert. Ich muss mir heute also unbedingt noch ein Spanien-Trikot besorgen. Das ist auch der Grund, warum ich mich des Public-Viewing-Unsinns enthalte. Man stelle sich vor, ich wäre im Argentinien-Trikot zum Gruppenguck gelatscht - das hätte Prügel gegeben! Also in diesem Sinne: Ich wünsche uns allen heute abend ein gutes Spiel und seid nicht zu enttäuscht, falls es nicht klappen sollte!

In diesem Fall dürfen wir nämlich im Spiel um Platz 3 den alten Klassiker Deutschland - Uruguay (das war schon 1970 das "kleine Finale") wieder aufwärmen. Das ging damals 1-0 für die unsern aus, Torschütze war damals der kölsche Jung Overath. Vielleicht trifft ja diesmal Poldi (auch ein Kölner).

Dienstag, 6. Juli 2010

WM-Blog: Spanien ist endgültig Endstation!

Tja, auch bei unserer letzten Prognose lagen wir daneben. Deutschland hat das Halbfinale bei der Fußball-WM erreicht, und das noch mit einem grandiosen 4-0 gegen den vormaligen Mitfavoriten Argentinien. Mein missratener Sohn Gianni Dona, der sich ja für die Wiedergeburt von Diego Maradona hält (ungeachtet der Tatsache, dass Maradona noch lebt), ist seitdem nicht mehr ansprechbar und hat sich in sein Kinderzimmer zurückgezogen (wahrscheinlich säuft er die ganze Zeit diesen entsetzlichen Mate-Tee, aber genau weiß ich's nicht) und hört die ganze Zeit Volksmusik.

Wir hatten unseren Tipp für Argentinien ja auf der Vermutung aufgebaut, dass sich die Argies im Vergleich zu den vorherigen Spielen noch steigern würden. Das haben die Deutschen sehr effektiv verhindert, was zu dem bekannten 4-0 führte.

Nun also gegen Spanien. Das wird ein schweres Spiel; wahrscheinlich ist nämlich Spanien der kompletteste und schwerste Gegner, den man bei dieser WM haben kann. Im Gegensatz zu Argentinien ist Spanien nämlich nicht so sehr von der Kreativität eines einzelnen Spielers abhängig. Schwer wiegt auch, dass Spanien in der Defensive keine nennenswerten Schwächen aufweist. Vor zwei Jahren im EM-Finale 2008 hat Spanien den Deutschen ja die Grenzen aufgezeigt, das Zusammenspiel der Deutschen wurde von den Iberern damals sehr effektiv unterbunden, die Aktionen der DFB-Elf verhedderten sich Mal um Mal in dem unsichtbaren Netz, das die Spanier über das Feld gespannt hatten.

Ganz so schlimm sollte es diesmal nicht kommen, aber wer von einem Erfolg in ähnlicher Höhe wie gegen England oder Argentinien träumt, sollte seine Erwartungen dringend herunterschrauben. Sonst ist ein bitteres Erwachen programmiert.

Wir geben heute keinen Tipp ab - Onkelchen meint, dass das Elfmeterschießen-Risiko beim Spiel gegen Spanien extrem hoch sein könnte und traut sich nicht, einen Tipp abzugeben. Ich persönlich übergebe hier das Wort an den Kraken Paul, den Weisesten der Weisen im Oberhausener Aquarium. Er hatte mit seinen Prognosen bisher immer recht und diesmal tippt er auf einen Erfolg für SPANIEN! Guckst du:



Ganz schwer wird es für die deutsche Mannschaft auch deshalb, weil Goalgetter Thomas Müller wegen einer gelben Karte gesperrt ist. Aber Hoffnung naht! Als Ersatz wird ja unter anderem Pjotr Trochowski gehandelt. Onkelchen hat ja schon mal vorgespielt - und hier gibt Trochowski die Flanke zum Führungstor (Kopfball Podolski! Sieht man auch nicht alle Tage!!).



Es wird aber vermutlich nicht reichen, unken wir, und deshalb wird Spanien wohl die Endstation der deutschen WM-Ambitionen werden.

Freitag, 2. Juli 2010

WM-Blog: Deutschland hat die Chance eines Schneeballs in der Hölle!

Deutliche Worte hat hier mein missratener Sohn Gianni Dona über die Aussichten der deutschen Nationalmannschaft im heute anstehenden Viertelfinalkrimi gegen Argentinien gefunden. Seiner Ansicht nach wird das WM-Turnier mit einer Neuauflage des allerersten WM-Finals von 1930 enden, nämlich mit dem Nachbarschaftsduell Argentinien-Uruguay.
Die Urus haben sich gestern gegen Ghana als hervorragende Taschenspieler präsentiert, nämlich indem sie gezeigt haben, dass ein Handspiel auf der Torlinie in der allerletzten Sekunde der Verlängerung doch noch spielentscheidend sein kann. Denn: Hätte der Uru Luis Suarez nicht im Stile eines Volleyballers den Ball von der Linie gepritscht und damit einen Elfmeter und die rote Karte in Kauf genommen, dann wäre der Ball drin und Ghana weiter gewesen. So aber verschoss Asamoah Gyan den fälligen Strafstoß, das Elfmeterschießen folgte, das Uruguay für sich entschied. Die Uruguayer erwiesen sich somit als Zocker erster Güte, Luis Suarez muss sich leider in Zukunft als "Taschendieb von Johannesburg" betiteln lassen. Er wird's verkraften.
Über die Chancen der deutschen Mannschaft brauchen wir kein Wort zu verlieren, die individuelle Klasse der Argentinier ist so hoch, dass sich niemand heute nachmittag dem gesundheitlichen Risiko aussetzen muss, in praller Hitze vor einer Riesenleinwand stehen und gleichzeitig einen Hitzschlag (fast hätte ich Hitzfeld gesagt)und einen Herzinfarkt zu erleiden, wenn Higuain, Tevez, Messi und Co. die deutsche Hintermannschaft in einen Schweizer Käse verwandeln. Nicht falsch verstehen: Die Jungs von Jogi Löw haben sich gut präsentiert, ihnen gehört die Zukunft, aber gegen die Argies reicht's einfach noch nicht. Sagt auch mein Sohn Gianni Dona, den wir hier in voller Aktion sehen:



Wir melden uns dann wieder zum Halbfinale Argentinien - Spanien (oder Paraguay).

Donnerstag, 1. Juli 2010

WM-Blog: Diplomatische Verwicklungen...

...hat ja der Versuch von Bastian Schweinsteiger ausgelöst, die Mentalität des Argentiniers an sich zu erklären. Dem Vernehmen nach wurde sogar der deutsche Geschäftsträger in Buenos Aires zum Rapport einbestellt.
Klasse hat, wie ich finde, Diego Maradona darauf reagiert. Er ließ Basti lediglich ausrichten: "Was ist los, bist du nervös?" Bastian mag zwar mit seinen Anmerkungen über die zum Teil recht unsportlichen Allüren argentinischer Fußballer recht haben, zu einem Urteil über den Argentinier an sich befähigt dies nicht.
Allerdings sind die Argies als Volk im Rest Lateinamerikas nicht unbedingt beliebt. Das haben sie mit den Deutschen in Europa gemeinsam...