Ich und die Meinen

Ich und die Meinen

Herzlich willkommen!

So, das bin ich! Ich bin Kurt Palfi. Ich habe mir gedacht, jetzt muss mal ein neues Foto her. Leider hat Onkelchen ein Nacktfoto von mir hochgeladen. Aber ich sehe doch noch recht proper aus!
Wir (das sind ich, mein missratener Sohn Gianni Dona und Onkelchen, der alles für uns tippt) lästern in diesem Blog über alles, was gerade anfällt: Fußball, Politik, Film und Fernsehen, alles Mögliche. Viel Spaß!

Samstag, 31. Dezember 2011

Zum Jahreswechsel: Lasst alle Hoffnung fahren!



Der Erfolg von Nachrichtenportalen wie SPIEGEL ONLINE im abgelaufenen Jahr gründet ja nicht zuletzt auf düsteren Prognosen in Bezug auf den Zusammenbruch des Euro und ähnliche Katastrophen. Da ich auch für meinen Blog ähnliche Klickraten haben will, stoße ich im folgenden ins selbe Horn. Denn vom SPIEGEL lernen heißt auch für mich siegen lernen!

Selten war ein Jahreswechsel von so viel negativer Stimmung begleitet wie dieser. 2011 war das Jahr der Krisen und Katastrophen – und wenn man den Unglückspropheten glauben will, legt das nächste Jahr in diesem Punkt noch einen Zahn zu.

Prognose: Euro bricht am 23. März zusammen

Als einigermaßen sicher darf demnach gelten, dass der Euro 2012 endgültig zusammenbricht, was ein neues Dunkles Zeitalter einläuten wird. Den Verlust der AAA-Bonität Deutschlands sage ich hiermit für den 23. März voraus, der darauffolgende Börsencrash wird die letzten Dämme der Eurozone wegspülen wie ein Tsunami. Man darf mich gerne mit den folgenden Worten zitieren: „Deutschland ist jetzt schon Ramsch“.

Man muss also gar nicht mal auf den Maya-Kalender zurückgreifen, um Schlimmes zu ahnen. In der ganzen Düsternis, die 2012 umgibt, scheint es aber ein positives Ereignis zu geben, auf das sich alle freuen - nämlich die Fußball-EM in Polen und der Ukraine, von der ja alle endlich wieder einen deutschen Titelgewinn erwarten. Zwar hat die Auslosung in Kiew eine nicht ganz einfache Gruppenkonstellation ergeben (wir sitzen in einem Boot mit den Niederlanden, Dänemark und Portugal), aber dennoch ist es für alle offenbar ausgemachte Sache, dass Deutschland den Titel holt und auf dem Weg dorthin allenfalls die Spanier zu fürchten hat.

Die Euphorie geht sogar so weit, dass ich dieser Tage den Moderator eines Privatradios davon sprechen hörte, dass Deutschland in 2012 endlich Weltmeister werden würde. Dass die nächste WM allerdings erst 2014 in Brasilien stattfindet, scheint dem jungfrischen Moderator entgangen zu sein. Vielleicht durfte aber an den Tagen zwischen den Jahren einfach nur ein Praktikant ans Mikrofon, das dürfte viel erklären.

Netzer: Ausscheiden in der EM-Vorrunde ist möglich

Ich persönlich möchte noch nicht so weit gehen, den Titelgewinn für die deutsche Elf für ausgemachte Sache zu erklären, denn Hochmut kommt bekanntlich vor dem Fall. Vielleicht kommt ja alles nochmal ganz anders und Onkels Favorit Peter Neururer beerbt Joachim Löw im Herbst als Nationaltrainer, weil die deutsche Elf in der Vorrunde ausgeschieden sein könnte. Das ist schließlich auch eine mögliche Zukunft, wie Günter Netzer in der BILD zugibt. Man muss schließlich für alles gerüstet sein.

Aber auch für den Fall eines vorzeitigen Ausscheidens gilt der Satz des großen Reformators Martin Luther: "Auch wenn ich wüsste, dass morgen die Welt zugrunde geht, würde ich heute noch einen Apfelbaum pflanzen."

In diesem Sinne: Alles Gute für 2012!

Sonntag, 18. Dezember 2011

Ein Hoch auf die SOS-Geschenke!

Weihnachten trifft einen jedes Jahr wie ein Schock. Man kommt gerade aus dem Sommerurlaub, bangt und zittert mit dem Fußballverein seines Vertrauens, bemüht sich, im Büro nicht zuviel Mist zu bauen, bezahlt mehr oder weniger brav seine Rechnungen - und plötzlich ist es da, ähnlich einem 7,5 Tonnen schweren Elefantenbullen, der mit einem Mal mitten im Zimmer steht, ohne dass man gesehen hätte, wo und wie er hereingekommen ist.

Natürlich gibt es immer Hinweise. Die Zunahme schokoladiger Jahresendfiguren im Rewe zum Beispiel, die spätestens ab Mitte September augenfällig ist, kann als erstes Indiz angesehen werden. Dabei waren doch gerade erst die Deko-Artikel für die Frauen-Fußball-WM weggeräumt worden, oder etwa nicht? Irgendwann, so etwa im Oktober, erhalten die Nikoläuse dann Verstärkung durch Lebkuchen und Spekulatius, aber da Onkelchen in dieser Zeit mit seiner Taiwan-Expedition, diversen Sonderausgaben und Messen beschäftigt war und schließlich im November noch eine Woche auf Teneriffa herumfaulenzte, ist ihm dieses Detail wohl entgangen. Und dabei hatte er am zweiten Advent noch kräftig bei einem dissonanten Konzert mit neuer weihnachtlicher Musik mitgegröhlt.

Wenn man dann aber am vierten Advent noch völlig ohne Geschenke und vor allem ohne Plan dasteht, wird's langsam brenzlig. Das sollte man zumindest vermuten, aber Onkelchen bleibt bisher noch verdächtig cool. Bis jetzt zumindest fühlte er sich nicht bemüßigt, sich in die Innenstädte zu stürzen, um dort um die letzten verbliebenen Geschenke abzugrasen. OK, wenn man von den beiden T-Shirts mit der Auschrift "Knock Knock Knock Penny Knock Knock Knock Penny Knock Knock Knock Penny" absieht. Aber die hatte er ja im Internet bestellt. Die zählen also nicht.

In Zeiten dräuender wirtschaftlicher Depression und des alsbald erwarteten Währungszusammenbruchs scheint ja der weihnachtliche Konsumwahn beinahe schon Bürgerpflicht zu sein. "Weihnachten wird unterm Baum entschieden!" hämmert uns eine weithin bekannte Elektronikkette ein. Der Sinn dieses Slogans mag sich uns aber noch nicht so recht erschließen. Hier scheint der Versuch gemacht worden zu sein, eine frag- und zeitlos gültige Fußball-Erfahrung wie "Wichtig is' aufm Platz!" auf Weihnachten zu übertragen.

Doch was hat Weihnachten mit Fußball zu tun? Eigentlich gar nichts, denn an Weihnachten ist kein Fußball und wenn Fußball ist, kann deshalb nicht Weihnachten sein. An Weihnachten ist meist Skispringen, zumindest kurz danach. Und auch die kurze Fußball-Hallensaison startet erst nach den Festtagen.

Wir dürfen daher den von vielen Plakatwänden (im übertragenen Sinne) schallenden Spruch getrost in die Mülltonne kloppen. Einen neuen Laptop erlaube ich mir dann zu kaufen, wenn der alte seinen Geist aufgegeben hat, nicht früher. Gut, unser alter Desktop-PC hat jüngst schon ein paar ziemlich verdächtige Bluescreens gehabt. Aber deshalb ersetzen wir ihn nicht gerade jetzt gegen einen iMac, nur weil eine Ingolstädter Elektrokette das vielleicht gerne hätte. Vielleicht kauft Onkelchen der Tante Dilein noch einen "guten Riecher".

Wer sagt denn überhaupt, dass man sich zu Weihnachten unbedingt etwas schenken muss? Der Brauch ist ja davon abgeleitet, dass die drei Könige dem Jesuskind angeblich allerlei Kostbarkeiten an die Krippe brachten - Gold, Weihrauch und Myrrhe sollen es ja wohl gewesen sein. Wahrscheinlich waren auch handfestere Dinge dabei: Eine Decke gegen die Kälte hat wahrscheinlich kaum gefehlt. Das hatten die Könige sicher im Gepäck, und sinnvoller als ein Klumpen Gold war es bestimmt auch.

Daraus kann man zwei Schlüsse ziehen: Dass man an Weihnachten Kinder beschenkt, ist völlig in Ordnung. Wenn man dagegen als Erwachsener noch auf großen Geschenken besteht, dann ist das in höchstem Maße infantil. Und das zweite: Man sollte über die berühmten SOS-Geschenke (Socken, Onderwäsch, Schlafanzug) nicht die Stirne runzeln. Denn das kann man immer brauchen, davon hat man was.

Freitag, 2. Dezember 2011

EM-Blog: Wir warten mit Spannung...

... auf die Auslosung heute in Kiew. Da lateinamerikanische Nationen definitionsgemäß bei einer EM nichts zu suchen haben, hält mein missratener Sohn Gianni diesmal auch sein Mäulchen (ich erinnere nur an seine Prognose zur letzten WM: "Argentinien wird Weltmeister mit Messi und Maradona!"). Jeder Krake hat mehr Fußballverstand als mein missratener Sohn! Jawoll!

Onkelchen ist allerdings in großer Not. Er ist heute abend zusammen mit Tante Dilein bei einer Kollegin eingeladen, die mit Tantchen den Bilanzbuchhalter-Kurs abgelegt und bestanden hat. Mal gucken, ob er sich da noch herauswinden kann. Denn schließlich hat er seit der WM 1994 keine Turnierauslosung verpasst, bis auf die der WM 2002, die damals nur exklusiv auf Premiere übertragen wurde. Aber er wohnte immerhin der Fernsehsendung bei, in der ein Fernsehmensch live erzählte, was auf Premiere zu sehen war.

Nun also heute die EM 2012. Bin gespannt, ob irgendein doofer Journalist für das Unternehmen Europameisterschaft einen ähnlich blöden Begriff findet, wie es bei der EM 2008 in Österreich und der Schweiz der Fall war. Damals sprach man vom "Unternehmen Gipfelsturm". Wenig geschichtsbewusste Sportreporter wären eventuell versucht, von einem "Polenfeldzug" der deutschen Elf zu sprechen. Das wäre nun wirklich der Gipfel!

Ein bisschen lächerlich ist, dass alle Fußball-Experten (echte und selbsternannte) vor einer Hammergruppe warnen, in die die deutsche Elf geraten könnte - nämlich mit Spanien, Portugal und Frankreich als Gruppengegnern. Zugegeben, das wäre schon eine harte Nuss - aber wenn man gegen solche Teams spielt, weiß man wenigstens von Anfang an, worum's geht. Ich hätte eher Angst vor Teams wie Kroatien, schließlich ist die Vorrunden-Niederlage von Klagenfurt 2008 noch in schlechter Erinnerung. Insgesamt haben Jogis Jungs gegen Mannschaften aus Ex-Jugoslawien zuletzt nicht besonders gut ausgesehen, gegen Serbien gab's in der WM-Vorrunde 2010 in Port Elizabeth ja auch eine 0-1-Klatsche.

Also, kurz vor sieben Uhr: Daumen drücken - und für alle, die keine haben (so wie wir Elefanten): Rüssel spitzen!

Mittwoch, 30. November 2011

Die drei Stufen des Teneriffa-Blues


Vergangene Woche machten Onkelchen und seine Frau Urlaub auf der schroffen Kanareninsel Teneriffa. Das haben sie bereits im vergangenen Jahr getan, und da es ihnen dort so gut gefiel, sind sie dieses Jahr nochmal hingefahren, um dort Sonne zu tanken und die Seele baumeln zu lassen.

Auch dieses Jahr gab's Sonne satt, der Aufenthalt war angenehm, das Angebot der Hotelküche lecker, beide bekamen sogar ein Zimmer-Upgrade (nobel geht die Welt zugrunde), es gab also allen Grund, es schön zu finden, sogar Onkelchen fand zeitweise nichts zu mäkeln - und das sagt einiges.

Leider war nicht jeder Urlauber so vom Glück bestrahlt. Am Pool trafen Onkelchen und Tante Dilein ein älteres Ehepaar aus Aschaffenburg, das den Abflugtag schon regelrecht herbeisehnte. Vier Wochen hatten sich die beiden geographischen Beinahe-Frankfurter in der Herberge eingemietet, und das zerrte zunehmend an den Nerven. "Rate Se mal, wieviel mir bezahlt habbe", meinte die Frau: "Sie-ben-tau-send-vier-hun-dert Euro!"

Nun ja, dachte Onkelchen bei sich, es ist doch schön, wenn Deutsche so intensiv dazu beitragen, das spanische Defizit zu reduzieren.

Aber die beiden Aschaffenburger (im örtlichen Dialekt "Ascheberscher" genannt) hatten das betreute Wohnen auf der Kanareninsel in diesen vier Wochen gründlich satt bekommen. Insgesamt konnte Onkelchen während der täglichen kurzen Gespräche mit dem Ascheberscher Ehepaar drei Stadien heraushören, die auf einen immer stärker werdenden Teneriffa-Blues schließen ließen.

Die erste Stufe lautete: "Isch kann kei Omelett mehr sehe!" Das bezog sich auf die täglich beim Frühstück frisch zubereiteten Omeletts, denen auf Kundenwunsch zahlreiche Leckereien wie z.B. Schinken, Käse, Zwiebeln, Pilze etc. beigemengt wurden.

Die zweite Stufe klang schon beunruhigender: "Isch geh nit mehr ins Wassä!" Das hatte damit zu tun, dass die Gattin wohl am Pool ausgerutscht war, sich dabei das Bein aufgeschlagen hatte und die entzündete Wunde im Meerwasser-Pool schmerzte.

Und auf den endgültigen Ausbruch der Krise ließ dann der dritte wehklagende Schrei schließen, der da lautete: "Hier komm isch nit mehr her!"

Au Backe. Immerhin ließ das Ehepaar Onkelchen und Dilein wissen, dass ihr Reisefieber ungebrochen sei: Über Weihnachten sollte es für zwei Wochen in die Ferienwohnung nach Bad Griesbach gehen und nach Neujahr dann drei Wochen auf die Kapverdischen Inseln.

Na dann!

Dienstag, 1. November 2011

Lufthansa - There are better ways to fly!



Jedesmal, wenn Onkelchen zur Arbeit in die Grafinger Straße geht, kommt er an einer Plakatwand vorbei, die in schreienden Farben für das Reisen mit der Lufthansa wirbt. Da werden Flüge nach London, Barcelona, Prag, Bilbao und andere Metropolen feilgeboten (natürlich zu Billigstpreisen), und ganz allgemein erweckt diese Plakatwand den Eindruck, dass ein Flug mit der traditionsreichen deutschen Airline nichts anderes als ein reines Vergnügen sein kann.

Leider sieht die Realität etwas anders aus, wie Onkelchen selbst unlängst auf seinem Flug nach Taipei feststellen musste. Den längsten Teil des Trips - nämlich von München bis Hongkong - legte er nämlich in Flugzeugen mit dem Kranich zurück. Und hinterher war er reif für die Insel.

Ich will hier gar kein Lufthansa-Bashing betreiben wie viele Pseudo-Kosmopoliten, für die alles, was aus dem Ausland kommt, erst mal grundsätzlich um Klassen besser ist als alles, was es hierzulande gibt. Da kommt es auch ganz häufig zu Fällen verzerrter Wahrnehmung, und englisches Essen oder US-amerikanischer Fußball wird dann ganz gern mal als das Nonplusultra gelobt, von dem man sich in Deutschland doch unbedingt eine Scheibe abschneiden müsse.

Fest steht, dass Onkelchen sehr gerne bereit ist, der Lufthansa einen gewissen Vertrauensvorschuss entgegenzubringen, den er anderen Fluglinien vorenthält. Die Air France zum Beispiel überzeugt durch eine dezente Versifftheit der Kabineneinrichtung, die amerikanischen Fluglinien benutzen in der Regel sehr altes, längst abgeschriebenes Material (wer's nicht glaubt, fliege mal mit einer Delta-767 von Stuttgart nach Atlanta) und die SAS hopst mit ihren Turboprop-Röhren gern mal durch Gewitter. Schlechter kann es die LH da auch nicht machen, und wahrscheinlich ist aus dieser Erfahrung heraus der Slogan "There's no better way to fly" entstanden.

Dennoch ist Onkelchens Erfahrung aus seinem Taipei-Trip: es geht besser, und zwar auf der Cathay Pacific.

Onkelchen ist zwar dick. Die neue Kabineneinrichtung der Lufthansa-Economy Class auf der Langstrecke führt allerdings dazu, dass auch normal ausgestattete Menschen mit etwa 1,80 Metern Körpergröße (was es ja gar nicht so selten gibt) mit dem Knie direkt an der Rückenlehne des Vordermannes anstoßen. Auf einem Eineinhalb-Stunden-Flug lässt sich das vielleicht noch aushalten, wer aber zwölf Stunden von Hongkong bis München ertragen muss, denkt über eine Sammelklage wegen Körperverletzung und Freiheitsberaubung nach.

Einfach die Füße unter den Sitz des Vordermanns auszustrecken, funktioniert auch nicht mehr. Denn unter jedem zweiten Sitz befindet sich eine "Media Equipment Box" für das Bordunterhaltungssystem. Man kann also gerade noch mit einiger Anstrengung ein Bein unter dem Vordersitz verstauen, und was man mit dem anderen macht, sofern man nicht beinamputiert ist, bleibt der eigenen Phantasie überlassen.

Die Cathay Pacific lebt zwar auch davon, möglichst viele Menschen in einem Flugzeug zu befördern, aber der Sitzabstand in der Economy beträgt dort einfach eine Handbreit mehr. Onkelchen hat's nachgemessen, liebe Lufthansa, jetzt bloß nicht maulen. Und irgendwie hat es die Cathay auch geschafft, die ebenfalls vorhandene Media Equipment Box so zu platzieren, dass die Box den Passagier nicht dabei stört, seine Beine unter den Vordersitz zu strecken.

Es geht hier nicht darum, Business-Class-Konfort zu Economy-Preisen einzufordern. Aber es ist schon ein Unterschied, ob ein interkontinentaler Flug zu einer zwölfstündigen Folter oder einer einigemaßen angenehmen Erfahrung wird. Dieser Unterschied misst gerade eine Handbreit. Also, liebe LH: Ihr habt hier noch zu tun! Oder ihr ändert einfach Euren Slogan: "Forsake all hope, all you that enter here" wäre mein Vorschlag. Frei nach Dante.

Dienstag, 18. Oktober 2011

Von hübschen Asiatinnen und ihren aufgeschlagenen Knien

Diesmal hat es Onkelchen richtig schwer erwischt. Wir alle wissen ja inzwischen, dass er in Taipei sein Möglichstes tut, um die deutsch-taiwanischen Wirtschaftsbeziehungen zu verbessern. Er war ja immer ein Sympathieträger, hähä. Aber dass der Dienst fürs Vaterland solche Opfer erfordert, das war ihm vor seinem Abflug aus Deutschland sicherlich nicht klar.

Was ist passiert? Nun, er hat heute eine Elektronikfirma besucht, über deren Namen wir aus Gründen der Diskretion am besten den Mantel des Schweigens breiten. Dort wurden sie von einer jungen Taiwan-Chinesin mit dem schönen maritimen Namen Aegean und ihrem Kollegen Sean in Empfang genommen (für Taiwanesen, die im internationalen Business tätig sind, ist es üblich, dass sie einen - meist englischen - Namen annehmen, damit die ausländischen Geschäftspartner diesen auch aussprechen beziehungsweise in E-Mails verwenden können).

Nun ist Onkelchen ja auch ein Mensch, der in Asien sehr stark heraussticht, weil er ziemlich groß und ziemlich voluminös ist, genau wie die Buddha-Figuren, die man auch hierzulande oft vor China-Restaurants findet.

Besagte Dame war nun von Onkelchen, sagen wir es ruhig, sehr beeindruckt. Bei der Tour durch die Fabrik (die in mehr als einem Punkt der berüchtigten Betriebsbesichtigung im James-Bond-Film "Moonraker" glich, mit Ausnahme der Zentrifugenszene) schmiss sie sich doch sehr an unser armes Onkelchen heran, der die Zuneigungsbekundungen natürlich mit weltmännischer Gelassenheit ertrug. Beim gemeinsamen Gruppenfoto zog sie ein wunderhübsches Amelie-Schnütchen und entblößte sogar ihre aufgeschlagenen Knie.



Beim gemeinsamen Mittagessen war Onkelchen dagegen zu sehr damit beschäftigt, dem Herrn Sean zu demonstrieren, wie man Spaghetti richtig um die Gabel wickelt, als dass er der jungen Frau die erwünschte Aufmerksamkeit hätte erteilen können. Und Onkelchen weiß ja nur zu genau, dass diese zarte Dame nicht seine Gewichtsklasse ist.

Am Ende half nichts: Weder die Tatsache, dass sie Onkelchen eine Karte mit ihrer Mobilnummer gab noch die emphatisch beim Abschied vorgetragene Bitte, dass man unbedingt im Kontakt bleiben müsse. Und dass Onkelchen sie jederzeit "Kleine Lotusblüte" (little lotus blossom) nennen dürfe. Nur Letzteres ist übrigens geflunkert. Onkelchen ist halt der Meinung, dass "Lensa mit Spätzla" und "Maultascha" auch dem besten Dim Sum vorzuziehen sind: Gegessen wird zuhause!

Montag, 17. Oktober 2011

Auf vielfachen Wunsch...

...zeigen wir hier eine typische Straßenszene aus Taipei.

Kreisch! Den gibt's auch in Taiwan?

Ein Kulturschock der besonderen Art, gefunden im SOGO-Einkaufszentrum in Taipei.



Sonntag, 16. Oktober 2011

Kulturschock!!!


Taipei ist eine unglaublich lebendige und pulsierende Stadt. Dafür soll stellvertrenend diese Aufnahme einer der unzähligen Garküchen des Shilin-Nachtmarktes stehen.
Aber der Reihe nach. Der Tag begann mit dem Besuch der Wahrzeichens von Taipei, des Wolkenkratzers Taipei 101, des mit 508 Metern Höhe zweithöchsten Gebäudes der Welt.



Man muss gar nicht erst versuchen, den 101 von unten auf ein Bild zu bannen. Getan haben wir es dann aber doch.

Danach hatten wir uns eine Stärkung verdient. Wir fuhren zum traditionellen einheimischen Knödelrestaurant Din Tai Fung, wo wir die kleine Shuya-Lu und zwei ihlel 17 Blüdel tlafen.


Dort bekommt man auch eine Anleitung, wie man die Knödel zu essen hat:




So they steamed your dumplings. Get over it!



Nach dem Essen fuhren wir in die Umgebung, um uns dort eine Tempelanlage anzuschauen.
Der hiesige Drache des Tempels spuckt ausnahmsweise kein Feuer, sondern Wasser.



Elefanten sind hier auch bekannt.



Aber nicht so bekannt wie Drachen. Dieser heißt Pu und machte einen gloßen Lülpsel:



Hier kann man mal die tropische Vegetation in der Umgebung des Tempels erkennen:



Und hier der Stempel, äh, Tempel selbst, der in einigen Teilen noch nicht ganz fertig ist. Er ist dem freigebigen Gott des Reichtums geweiht.



Und danach fuhren wir wieder in die Stadt zum anfangs erwähnten Nachtmarkt.

Samstag, 15. Oktober 2011

Zwick mich - Onkelchen ist immer noch in Taipei!

Offensichtlich meinte Onkelchen nach einer viel zu kurzen Nacht, er sei wieder zuhause und in seinem vertrauten Bettchen. Falsch gedacht. Das ist sein Blick aus dem Hotelzimmer:

Onkelchen ist in Taipei!

Ab und an ist es notwendig, aus den ausgetretenen Pfaden auszubrechen. Interessantes gibt es an jeder Ecke, pflegt Onkelchen manchmal zu sagen. Und danach zu suchen, ist manche Mühe wert.

Dass Onkelchen jetzt nicht an an einer bestimmten Ecke, sondern in der taiwanesischen Hauptstadt Taipei nach Neuem und Interessantem sucht, das hätte er sich selbst vor einigen Wochen noch gar nicht vorstellen können. Jetzt ist er aber dort, und wir wollen es nicht vermissen, ein paar Eindrücke zu vermitteln.

Hier eine Nachtaufnahme des Taipei 101, des zweitgrößten Wolkenkratzers der Welt:



Nach dem Abendessen in einem Thai-Restaurant unweit des Wolkenkratzers Taipei 101 (lustig, ein Thai-Restaurant in Tai-Pei!) ging es dann weiter in das nur ein paar Schritte entfernte Bar-Restaurant „Brown Sugar“. Das ist ein Ort, den sich die Jeunesse dorée Taipeis zu einem ihrer Treffpunkte erkoren hat, um zu trinken und sich zu überlauter Musik Liebesgeständnisse ins Ohr zu brüllen. Dort könnte ohne weiteres auch eine Sequenz eines James-Bond-Filmes spielen. Stilecht trat dort nämlich die kaffeebraune Schönheit Adrian Riley (oder so, genau war es nicht zu verstehen) auf und röhrte laszive soulige Rhythmen, wie man sie auch aus manchen Bond-Vorspännen kennt, begleitet von einer sehr kompetenten und international besetzten Band (1x Saxophon, 1x Keyboard, 1x Schlagzeug, 2 Gitarren). Nach Mitternacht Ortszeit versuchte sie dann noch die an der Bar verbliebenen Gäste zum Mitschwofen auf der Tanzfläche zu bewegen. Auch eine Möglichkeit, den Laden leer zu kriegen.





Die erwähnte kaffeebraune Schönheit ist die Gestalt mit weißem Hut in der Mitte des Bildes.

Samstag, 10. September 2011

So erlebte ich 9/11





Onkelchen, wenn du dich an dieses Datum erinnerst – was war das für ein Tag? Wie hast du 9/11 erlebt?

Ich weiß noch sehr gut, dass es ein Scheißtag war – schon morgens. Irgend etwas lag in der Luft, aber ich hatte keine Ahnung, was. Irgend so eine Spannung, die darauf wartete, sich zu entladen. Das Wetter war OK, der Vormittag war trotzdem wie aus Blei, es war einer dieser Tage, wo man das Gefühl hat, es geht nichts vorwärts. Ich verbrachte den Vormittag damit, ziellos im Netz zu surfen.

Wie kam das?

Ich wartete auf mein Layout. Ich konnte wenig tun. Kurz zur Erklärung: Ich arbeitete damals bei der Motor Presse Stuttgart in der Redaktion der Zeitschrift „connect“. Wenn man einen Artikel schreiben wollte, dann konnte man erst damit anfangen, wenn das Layout und die grafische Gestaltung von der Art Directorin und vom Chefredakteur abgesegnet worden waren. Meine Geschichten hatten ja meist mit Tarif- und Verbraucherberatung zu tun, deshalb waren sie grafisch nicht so aufwendig wie jetzt zum Beispiel eine Fotostrecke über die neuesten Nokia-Handys oder irgendwelche Laptops. Aber das führte auch dazu, dass meinen Geschichten und meinen Layouts manchmal – nicht immer – eher eine geringere Priorität eingeräumt wurde. Wenn also ein und derselbe Grafiker oder dieselbe Grafikerin mehrere Layouts zu machen hatte, dann konnte es gut sein, dass meine Geschichten immer eher am Ende der Warteschlange standen als am Anfang.

OK, soviel zu deinem damaligen Job. Aber ich finde es interessant, dass du von einer Spannung sprichst, die in der Luft lag – was meinst Du damit? Wie äußerte sich das?

An diesem Tag ging ich mit einem komischen Gefühl ins Büro. Nichts Konkretes – man ist unzufrieden mit sich selbst, es geht nichts richtig voran, man stellt sich irgendwie innerlich auf Ärger ein. Komisch war, dass ich an diesem Morgen in der Zeitung gelesen hatte, dass in New York einige In-Restaurants schließen mussten, weil die Firmen wegen des abflauenden Internetbooms sparen mussten. Der Dotcom-Boom war ja gerade auch für einige wilde Partys und Exzesse berüchtigt. Als ich dann wie gesagt an diesem Vormittag ziellos durchs Internet surfte, kam mir die Geschichte von boo.com unter die Finger. Boo.com war einer der ersten kapitalen Crashs der Internet-Geschichte gewesen, so eine Art Online-Modehaus. Da gab es das interessante Detail, dass die Gründerin von boo.com einige Male mit der Concorde von London nach New York gejettet war. Das fiel mir auf, das blieb haften. Im Nachhinein ist es interessant: Die Begriffe „Crash“ „New York“ und „Fliegen“ waren mir an diesem Vormittag alle präsent, sie standen mir regelrecht direkt vor Augen.

Unglaublich.

Na ja, so unglaublich auch wieder nicht! Irgendwelche Nachrichten aus New York liest man fast jeden Tag, und die Vokabeln „Fliegen“ und „Crash“ begegnen einem ja auch ständig. Jedenfalls schlurfte ich ziemlich ziellos zum Mittagessen in die Kantine, hoffte, der Tag möge schnell vorbeigehen. Ich ging wieder ins Büro und kurz danach rief meine Frau an. Sie fragte mich, ob ich mitgekriegt hätte, dass ein Flugzeug ins World Trade Center geflogen sei. Ich verneinte – zu diesem Zeitpunkt dachten ja noch alle, es sei ein kleines Privatflugzeug gewesen. Kurz danach rief meine Frau wieder an. Es sei noch ein Flugzeug ins WTC geflogen. Und ich weiß noch, dass es eine Ewigkeit dauerte, bis ich begriff. Dass das kein zufälliger Unfall mehr sein konnte.

Was passierte dann?

Ich versuchte im Internet mehr herauszubekommen. Leider war das Netz an diesem Tag, wie man sich denken kann, vollkommen überlastet. Die Nachrichten von CNN und Spiegel Online tröpfelten mehr, als dass sie flossen. Und Bit für Bit baute sich dann die ganze Tragödie vor einem auf. Irgendwann hatte ich dann die Idee, das kanadische Nachrichtenportal canoe.ca aufzurufen. Das war nicht so überlastet, ich versuchte dann zwischen canoe.ca, Spiegel Online und CNN hin- und herzuschalten. Und irgendwann hieß es dann: SOUTH TOWER COLLAPSED. Ich habe zunächst gar nicht begriffen, was das bedeutete.

Was hast Du dann gedacht?

Naja, das hört sich jetzt komisch an: Ich hoffte, dass das American Museum of Natural History von dem Einsturz unbehelligt geblieben sei. Ich bin nun mal Dinosaurierfan, und wenn ich je nach New York komme, wird das mein erstes Ziel sein. Ich kannte natürlich die ganzen Distanzen vor Ort nicht, und ich hatte noch keine Bilder des zusammenbrechenden Turmes gesehen. Deswegen war mir auch gar nicht klar, wie das passiert sein konnte.

Hast Du dich dann mit Kollegen ausgetauscht?

Ja, natürlich! Ein Kollege (der sein Büro auf dem anderen Flur hatte) verfügte über einen kleinen Fernseher, und als ich bei ihm vorbeikam, guckte ich natürlich mit. Da hatten sich schon einige Kollegen bei ihm versammelt. Inzwischen war auch der andere Turm eingestürzt, und alles, was man noch sah, war diese gewaltige Staubwolke. Ich weiß noch, dass niemand etwas sagte, alle schüttelten die Köpfe – völlige Schockstille. Der Moderator erzählte dann noch irgendwas in der Richtung, dass eine palästinensische Gruppe die Verantwortung übernommen habe. Ich sagte dann in die Stille hinein, das könne nicht sein, das sei für die Palästinenser eine Nummer zu groß. „Das riecht vielmehr nach diesem Bin Laden“, sagte ich dann.

Du hast unmittelbar danach auf Bin Laden getippt?

Ja, das roch wirklich danach. Die Attentate auf die US-Botschaften in Afrika ein paar Jahre zuvor waren ja auch praktisch simultan, im Abstand von wenigen Minuten, ausgeführt worden. Und dasselbe war ja auch in New York der Fall gewesen. Vom Pentagon war zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht groß die Rede gewesen.

Samstag, 27. August 2011

Iss (k)einen Apfel!


Es ist jetzt schon eine ganze Weile her, seit ich und Onkelchen zum letzten Mal gebloggt haben. Dabei gab es ja genug Anlässe! Die Euro-Krise. Das Börsengewitter. Die Tatsache, dass Green Lantern wirklich ein Mistfilm war, vor allem aber, das das Cinemaxx in München am Isartor nicht der richtige Ort ist, um Superheldenfilme zu genießen. Für Elefanten sind die Sitze leider zu eng. Leider passte auch Onkelchen nicht richtig rein! Zum ersten Mal seit gefühlten Jahrzehnten denkt der deshalb über eine Diät nach. Ich mag aber Onkelchen zufällig genau so, wie er ist! (Und Tante Dilein auch!)

Diese Woche ist ja eine Ära zu Ende gegangen. Nein, es geht nicht um Loriot, einen großen Künstler, den wir gleichwohl alle sehr geliebt haben. Immerhin war er der Schöpfer von Wum und Wendelin. Letzterer war immer ein Vorbild für mich, er war einer der größten Elefanten aller Zeiten. Wie ich höre, ist er jetzt im Ruhestand. Ich hoffe, es geht ihm gut!
Bei Loriot ist es so, dass wir uns seiner alle dankbar erinnern und uns seine Sketche und Filme hereinziehen. Onkelchen hat sich vorher beim Mittagessen extra eine Nudel an die Backe geklebt. Tante Dilein fand es so peinlich!

Bei dem anderen Herren, der zwar noch nicht dahingeschieden, seit dieser Woche aber nicht mehr im Amt ist, handelte es sich um einen totalitären Diktator, einen Meister der Propaganda, einen, der aus der Wüste kam, um ein nie dagewesenes Imperium aufzubauen. Nein, ich rede nicht von Gaddafi. Ich rede von Steve Jobs, dem nunmehr früheren Apple-Chef.
Es wurde vergangene Woche ha viel über ihn geschrieben, den großen Impresario, der kraft seiner Vision, seiner Überzeugungskraft und seinem unbezähmbaren Willen aus einem dahinsiechenden Computerbauer das zweitwertvollste Unternehmen der Welt gebaut hat - und das alles mit Zeug, das mit hoher Wahrscheinlichkeit in ein paar Jahren Elektroschrott sein wird.

Es hätte nicht viel gefehlt, und Onkelchen wäre fast auch zu einem Apple-Fanboy geworden, denn bei seinem Journalistikstudium in Eichstätt kam er zum ersten Mal mit Apple-Computern in Berührung. 1991 wurde dort nämlich eine Lehrredaktion eingerichtet, in der damals die absolut aktuellsten Apple Macintoshs standen. Für Onkelchen, der damals seine Seminararbeiten, Kurzgeschichten und Dramen (ooh, und was für Dramen!) noch auf einer Reiseschreibmaschine tippte, war das natürlich eine Erleuchtung. Zwar gab es an der Uni einen PC-Raum, die Rechner dort hatten aber nur Word Perfect laufen, und man musste sich alle möglichen Steuertastenkombinationen merken, damit der Text anständig aussah. Apple war diesem Gemurkse Lichtjahre voraus.

Trotzdem kaufte er sich ein Jahr später keinen Apple, sondern einen Windows-PC. Und das, obwohl der damalige wissenschaftliche Mitarbeiter am Journalistik-Lehrstuhl, ein Herr Uli Detsch, den Studentinnen und Studenten der Eichstätter Uni sogar Sonderkonditionen für Macs verschaffen konnte. Nein, Onkelchen wollte nicht. Von diesem Apfel ließ er sich nicht verführen.

Der Grund? Zwei Worte: Wing Commander.

Wing Commander war damals die führende Weltraumsimulation, ein Spiel, in dem man in die Tiefen des Universums eintauchen und für das Gute gegen die fiesen Fellbälle, die sich Kilrathis nannten, kämpfen konnte. Onkelchen hatte damals einen Amiga und wartete sehnsüchtig, dass das Spiel eines Tages für seinen Traumcomputer rauskommen würde. Das dauerte und dauerte aber, und immer mehr zeichnete sich ab, dass der Amiga für eine Wing-Commander-Umsetzung zu langsam sein würde.

Dann passierte folgendes: 1992 half er in der Pressestelle des Heidenheimer Fechterturniers aus und half, ein Newsblatt zu erstellen, das kostenlos unter den Zuschauern verteilt wurde. Dieser Newsletter wurde auf einem Windows-PC layoutet. Windows stürzte viel weniger oft ab, als man gemeinhin annahm, und so kaufte sich Onkelchen flugs am Tage drauf einen Windows-PC, einen 386 mit 40 Megahertz Taktfrequenz. Und natürlich Wing Commander. Und Wing Commander II (das gab's zu diesem Zeitpunkt schon).

Damit gehörte Onkelchen allerdings sofort zu den Außenseitern in der Journalistik-Fraktion, denn viele von ihnen kauften sich brav teure Apple-Rechner. Onkelchen verbrachte aber die nächsten Jahre im Wesentlichen damit, Wing Commander zu spielen. Erst ab 1994 begann er wieder damit, sich aufs Studium zu konzentrieren (und das auch nur, weil ihm Tante Dilein kräftig in den Hintern trat).

Auch in späteren Jahren bekam Onkelchen es immer wieder mit Apple-Rechnern zu tun, und zwar im Beruf. Apple hatte in den neunziger Jahren ja immer mehr an Bedeutung verloren und fand seine Klientel nur noch bei Layoutern, Grafikern und Journalisten (wodurch sich der Macintosh den zeitweiligen Ruf erwarb, ein Rechner für Frauen zu sein – sowie für Herren, die dem eigenen Geschlechte zuneigen).

Onkelchen war immer pragmatisch. Er wehrte sich natürlich nicht, wenn ihm sein Arbeitgeber einen Apple auf den Schreibtisch stellte, denn man konnte angenehm damit arbeiten. Das stellte er ja auch nie in Abrede. Aber er machte sehr schnell die Erfahrung, dass auch diese Computer nicht gegen Abstürze gefeit waren. Erschien das Bombensymbol auf dem Monitor (was einem Totalabsturz entsprach), dann half es manchmal nur noch, den Stecker zu ziehen. Auf PCs konnte man wenigstens noch den Affengriff Strg-Alt-Entf ausprobieren, ein Apple redete in diesem Fall überhaupt nicht mehr mit einem. Ja, Apples konnten zickig sein!

Deswegen war Onkelchen immer wenig überzeugt, wenn ihm Studien- oder Arbeitskollegen von der ach so viel besseren Zuverlässigkeit eines Macintosh vorschwärmten. Auch die "Think different"-Werbekampagne der Apfelköpfe hatte ihn nie beeindruckt. Es kam ihm auch etwas komisch vor, dass man auf den Werbeplakaten vor allem Leute abbildete, die nachweisbar nie einen Computer besessen hatten - weder die Callas noch Einstein noch Martin Luther King.

Auch heutzutage empfindet Onkelchen wenig Lust, sich einen Apfelrechner zuzulegen noch ein iTelefon noch einen iNotizblock zu kaufen. Er liebt es halt, an seinen Rechnern herumzubasteln, neue Treiberversionen aufzuspielen und zu schauen, wieviele zusätzliche Frames pro Sekunde er damit für FreeFalcon 5.5.5 oder dem MS-Flugsimulator aus seinem Computer kitzeln kann. Er wäre auch nicht glücklich, wenn er nicht wenigstens alle zwei Wochen ein neues ROM auf sein Android-Smartphone flashen könnte, um dann zu schauen, ob nicht doch dieser nervige "Aufwachbug" verschwindet.

Vor allem weiß Onkelchen ganz genau, dass die Produkte der Apfelfirma nicht zu seiner Lebenseinstellung passen: REAL NERDS DON'T BUY APPLE.
So einfach ist das.

Sonntag, 24. Juli 2011

Eine Lanze für Green Lantern


So, nachdem wir auch die Frauen-Fußball-WM pflichtgemäß abgehakt haben, wenden wir uns einem - ach was, dem Filmereignis dieses verregneten Sommers zu, nämlich der Comicverfilmung Green Lantern.

Green Lantern ist einer der zumindest in Deutschland weniger bekannten Superhelden aus dem DC-Comic-Universum. Bei uns kannte man natürlich Superman, Batman und "Die Spinne" - und alle Lehrer warnten uns davor, weil diese Comics ja so gewaltverherrlichend seien und die Jugend verderben würden. Naja, die Lehrer unserer Jugend meinten halt, uns vor allem, was nicht Michael Ende und Astrid Lindgren war, bewahren zu müssen. Gut, Asterix wurde noch toleriert, vor allem in den Lateinklassen, Micky Maus und Donald Duck schon weniger. Aber Superman, Batman und "Die Spinne" waren in den Augen unserer Pädagogen nachgerade böse. Das zeigt nur, wie wenig Ahnung die Lehrer von der Materie hatten, denn die Comic-Helden kämpften ja gerade für das Gute. Meistens jedenfalls.

Nun also Green Lantern. Ich muss gestehen, dass ich von der Existenz dieses grünen Superhelden erst durch die "Big Bang Theory" erfuhr. Auch in diesem Sinne sei TBBT als Bildungsfernsehen sehr empfohlen. Insbesondere Sheldon ist ein großer Fan des grünen Streiters für die Gerechtigkeit, er trägt ja auch immer wieder T-Shirts mit dem Abzeichen des Green Lantern Corps. Immer wieder wird auch in den nerdigen Dialogen auf Green Lantern eingegangen, so etwa in diesem Highlight aus der Episode "The Dead Hooker Juxtaposition":

Zitat:
Raj: I like Green Lantern, I’m just saying it’s pretty lame that He can be defeated by the colour yellow.

Sheldon: Only the modern green lantern is vulnerable to yellow.

Leonard: Golden age green lantern was vulnerable to wood.

Raj: Great, so I can take them both out with a number-two pencil?
Zitat Ende.

Dieser wahrscheinlich beste Witz der Fernsehgeschichte funktioniert auf Deutsch leider nur unzureichend, ich will trotzdem versuchen, ihn meinen Lesern verständlich zu machen:

Raj: Ich mag Green Lantern, ich sage lediglich: Es ist ziemlich lahm, dass er durch die Farbe Gelb besiegt werden kann.

Sheldon: Nur die moderne Green Lantern ist durch Gelb verwundbar.

Leonard: Die Green Lantern des goldenen Comiczeitalters war durch Holz verwundbar.

Raj: Na prima, das heißt, dass ich sie beide mit einem Bleistift des Härtegrades 2 ausschalten kann?

Ohrenbetäubendes Gelächter müsste jetzt eigentlich durch den deutschen Sprachraum schallen. Aber das ist nicht der Punkt. Es geht vielmehr darum: Der vor kurzem in den USA erschienene und in Deutschland (zumindest von mir) sehnlichst erwartete Green-Lantern-Kinofilm wurde ja von der US-Kritik ziemlich zerrissen. Es ist zu erwarten, dass das in Deutschland ebenfalls der Fall sein wird. Das ist aber nur dadurch zu erklären, weil keiner der Herrn (und Damen) Feuilletonredakteure irgendeine Ahnung hat, worum es in Green Lantern wirklich geht. Es natürlich klar, dass Leute, die mit einem Studium der Vergleichenden Literaturwissenschaft oder der Empirischen Kulturwissenschaften ausgestattet sind, mit Comics nicht viel anfangen können. Es handelt sich ja schließlich nicht um die Trobriander von Malinowski.

Ich persönlich würde Green Lantern definitiv auf eine Stufe mit Homer stellen, und von der schauspielerischen Leistung der Protagonisten sowie der Produktionsqualität steht der Film definitiv auf derselben Stufe wie - sagen wir mal - "Troja" von Wolfgang Petersen. Vom Narrativ her macht es keinen Unterschied, ob man eine antike Sage oder einen Comic der späten fünfziger Jahre verfilmt. Man muss sich halt auf den Stoff einlassen.

Und da hat Green Lantern eine Menge zu bieten: Hal Jordan, der Green Lantern-Charakter des Films, ist durchaus ein komplexer Charakter mit einigen Schwächen. Wir erfahren, dass sein Vater Testpilot war und bei einem Testflug ums Leben kam, wofür sich Hal selbst eine Mitschuld gibt. Hal Jordan ist ebenfalls Testpilot geworden, er lebt schnell, riskant und verantwortungslos, seine Freundin Carol Ferris (ebenfalls eine Pilotin) ist gleichzeitig sein Boss. Keine ganz einfache Gemengelage.

Nun erlebt Hal Jordan eine schicksalhafte Begegnung: Abin Sur, der beste Krieger der Green-Lantern-Truppe, wird bei einem Kampf mit dem Monster Parallax schwer verwundet. Er merkt, dass ihm nur noch wenig Lebenszeit bleibt, und macht sich auf den Weg zum nächsten bewohnten Planeten - der Erde - um dort einen Nachfolger zu suchen.

Die Green-Lantern-Truppe kämpft gegen das Böse mit Hilfe von Energieringen, die ihnen Superkräfte verleihen. Diese Energieringe werden gewissermaßen mit der grünen Energie der Willenskraft angetrieben. Von Zeit zu Zeit lässt die Kraft dieser Ringe nach und sie müssen durch die Berührung mit einer Batterie, die wie eine grüne Laterne aussieht, aufgeladen werden.

Das grüne Licht der Willenskraft trägt in sich aber eine Verunreinigung, diese Verunreinigung hat die Farbe Gelb. Deswegen können Green Lanterns gegen die Farbe Gelb nichts ausrichten. Deswegen konnte das gelbe Monsterwesen Parallax den Green-Lantern-Krieger Abin Sur besiegen.

Der schwer verwundete Abin Sur kommt also in einer Bruchlandung zur Erde und beauftragt seinem Energiering, einen Nachfolger zu bestimmen. Dieser wählt Hal Jordan aus, der wird nun selbst zu einem Green Lantern und muss mit den neu erworbenen Superkräften, aber auch der damit verbundenen Verantwortung klarkommen.

Das ist eine gute Geschichte, und sie ist der Comic-Vorlage einigermaßen treu. Mehr jedenfalls als "Troja" dem alten Homer treugeblieben ist, um nur ein Beispiel zu nennen. Green Lantern ist deshalb sagenhaftes Popcorn-Kino, eine Spezialeffekte-Materialschlacht, aber er wartet auch mit einer durch und durch humanistischen Botschaft auf. Deswegen möchte ich hier eine Lanze für den Green-Lantern-Film brechen und mit dem Eid der grünen Laternen schließen:

"In brightest day, in blackest night
No evil shall escape my sight.
Let those who worship evil's might
Beware my power: Green Lantern's light!"

Donnerstag, 21. Juli 2011

Frauen-WM: Triumph der Terrorkrümel

Die erste in Deutschland ausgetragene Fußball-WM der Frauen hat mit einem echten Kracher geendet: Japan, das keiner vorher auf der Rechnung hatte, schlug im Endspiel im Elfmeterschießen den großen Favoriten USA und ist nun Weltmeister! Mit ein paar Tagen Abstand wollen wir die WM nochmal Revue passieren lassen. Bei mir ist als Experte: Onkelchen!

Hallo.

Hättest Du gedacht, dass Japans Prachtnelken, so der Kosename für die Kickerinnen, Weltmeister werden würden? Ich jedenfalls nicht!

Das war schon eine Riesenüberraschung. Auch vor dem Finale gegen die USA hatte ich ihnen bestenfalls Außenseiterchancen eingeräumt. Und als die Amerikanerinnen dann in der Verlängerung nochmal in Führung gingen, dachte ich mir: Diese Messe ist gelesen. Aber falsch gedacht. Diese Terrorkrümel haben das tatsächlich geschafft. Respekt und Gratulation!

Woran lag es denn, dass die Nadeshiko so erfolgreich war und dass sie drei favorisierte Teams – Deutschland, Schweden, die USA – aus dem Weg räumen konnte?

Ich denke, dass die Disziplin eine ganz große Rolle gespielt hat. Die Disziplin und ein unglaublicher Mannschaftsgeist – wenn eine Spielerin einen Fehler macht, hilft die andere aus und geht auch mal den weiten Weg, wenn es sein muss. Darüber hinaus waren sie technisch sehr gut – und sie haben ein ganz simples Prinzip beherzigt: Wenn man selbst im Ballbesitz ist, kann der Gegner keine Tore schießen. Das war gegen Deutschland und Schweden ein Teil des Geheimnisses, gegen die USA im Finale sicher nicht so sehr, denn da sind die Japanerinnen ja lange nicht ins Spiel gekommen. Aber im Finale war es vor allem der Wille, der dazu geführt hat, dass sie das Spiel noch einmal drehen konnten. Der Wille und eine großartig aufgelegte Homare Sawa.

Und im Elfmeterschießen die Nerven der Amerikanerinnen.

Das sicher auch, obwohl die japanische Torhüterin ganz exzellent gehalten hat. Ich finde, sie stand etwas zu Unrecht im Schatten von Hope Solo.

Aber wir müssen uns noch einmal über das deutsche Team unterhalten. Auch wenn Japan späterhin den Titel geholt hat – woran lag es, dass Deutschland seiner Favoritenrolle so gut wie nie gerecht werden konnte?

Ich kann das sicher nicht vollständig erklären. Ich kann mir vorstellen, dass es einen Sportler oder eine Mannschaft schon sehr belastet, wenn man als zweifacher Weltmeister im eigenen Land antritt und jeder den Titel erwartet. Schließlich hatten die DFB-Frauen zwei Jahre vorher auch die EM souverän gewonnen und die U20 gewann vor einem Jahr sogar die U20-Weltmeisterschaft im eigenen Land. Man konnte sich einfach nicht vorstellen, dass man vor dem Halbfinale ausscheidet, und dann auch noch gegen Japan, das vor dem Turnier ja nun weiß Gott nicht zu den Favoriten zählte.
Es kann sein, dass nach dem Gruppensieg schon zu sehr der Gedanke an den Halbfinalgegner im deutschen Lager herumspukte. Das wäre natürlich eine fatale Nichtbeachtung des Herbergerschen Axions „Der nächste Gegner ist immer der schwerste“. Dazu kam, dass das Problem Birgit Prinz das beherrschende Thema für den deutschen Anhang darstellte.
Damit hängt auch zusammen, dass das deutsche Team gewissermaßen im Umbruch stand, obwohl das eigentlich niemand so gesehen hat. Denn ein großer Teil der Spielerinnen hatte ja bereits vier Jahre zuvor bei der WM in China gespielt und den Titel gewonnen. Mit Renate Lingor war aber eine Führungsspielerin von 2007 nicht mehr an Bord und Birgit Prinz war nicht in Form – zumindest mental nicht.

So blöd das klingt: Fehlte dem deutschen Team eine Spielmacherin?

(grinst) Gute Frage. Das erinnert mich an die achtziger Jahre, so an die Endphase der Derwall-Ära und die beginnende Amtszeit von Franz Beckenbauer. Da suchten alle händeringend nach einem Spielmacher und beklagten die fehlende Kreativität im deutschen Mittelfeld. Anscheinend gab es damals in Deutschland nur Rackerer und Kämpfer, aber keinen, der einen Ball halten und die Stürmer in Szene setzen konnte.
Damals war das Spielsystem viel starrer als heute: Heute sind die Verteidiger keine reinen Zerstörer mehr und auch Offensivleute müssen nach hinten arbeiten. In den achtziger Jahren brauchte man halt noch einen Verbinder zwischen den Mannschaftsteilen Abwehr und Angriff, einen Spielmacher, wenn man so will. Heute sind es in erster Linie die ursprünglich defensiven Mittelfeldspieler, die Doppel-Sechs, die einen Teil dieser Aufgabe übernehmen.
Und ich finde, dass Simone Laudehr und die von mir an anderer Stelle schon sehr gelobte Melanie Behringer sich da richtig reingehängt haben. An denen lag es nicht. Mich hat viel mehr gewundert, dass zum Beispiel Kerstin Garefrekes für meinen Geschmack zu häufig auf den Flügeln zu finden war, anstatt im Sturmzentrum die Kopfbälle einzunicken.
Es war vielmehr so ein bisschen wie in der Endphase von Berti Vogts: Viele Flanken aus dem Halbfeld, in der Hoffnung geschlagen, dass Kerstin Garefrekes oder dann gegen Ende Alexandra Popp die Bälle verwerten können. Das Problem ist halt: So eine Flanke ist lang in der Luft, die Abwehr und die Torhüterin können sich sehr gut darauf einstellen. Es fehlte im deutschen Spiel halt einfach das überraschende Moment, so etwa wie das zwischen 1998 und 2004 auch in der Männer-Nationalmannschaft der Fall war. So ganz glücklich hat auch Silvia Neid mit ihren Auswechslungen nicht agiert, denn trotz meiner Vorbehalte (die nichts mit ihrem Spiel zu tun haben) wäre vielleicht eine Lira Bajramaj, die auch mal den Ball halten kann, eine glücklichere Alternative gewesen. Damit wäre – vielleicht – ein belebendes Moment in das deutsche Spiel gekommen.
Und dann haben bei dem Gegentor eben die Abwehr und die Nadine Angerer nicht besonders gut ausgesehen. Das tut halt weh.

Hat die WM denn insgesamt die Erwartungen erfüllt?

Auf jeden Fall. Die beiden letzten Weltmeisterschaften fanden ja fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, man musste ja schon ein richtiger Frauenfußball-Fanatiker sein, um sich trotz der gewaltigen Zeitverschiebung die Spiele reinzuziehen. Zudem wurden 2003 und 2007 ja auch nicht alle Partien übertragen, der Normalbürger bekam von der Frauen-WM eigentlich erst was mit, als die deutschen Spielerinnen im Finale standen. Heuer konnte man sich alle Spiele live und in HD ansehen, das war schon eine neue Qualität. Sportlich wurde auch viel mehr geboten als bei diesem Liga-Total-Cup, diesem Kindergartenturnier mit verkürzter Spielzeit, das diese Woche lief.

Man hat aber auch teilweise deutliche Defizite gesehen. Die Fehlpassquote…

Dazu habe ich was gelesen, was ich ziemlich einleuchtend fand. Es ist jetzt einfach so, dass der Frauenfußball in den letzten Jahren hinsichtlich Tempo und Athletik eine gigantische Entwicklung hingelegt hat. Die Technik der Spielerinnen, die Balltechnik, konnte damit oft nicht unbedingt mithalten. Man hat also aufgrund des höheren Spieltempos weniger Zeit, den Ball zu kontrollieren und abzuspielen, aber die nötige Technik und Geistesgegenwart hat einfach noch nicht entsprechend nachgezogen. Auch hier waren die Japanerinnen, wie ich finde, vorbildlich, weil sie technisch und von der Laufbereitschaft her einfach rundheraus das beste Team waren. Mitunter meinte man ja, es wuselten 15 blaue Spielerinnen auf dem Feld.

Danke, Onkelchen!

Mittwoch, 6. Juli 2011

Olympia-Pleite: Zurück in den Schmollwinkel?

Es kam, wie es kommen musste und wie wir es schon vor eineinhalb Jahren vorausgesagt hatten: Letzten Endes hatte München bei der Wahl des Austragungsortes der Olympischen Winterspiele 2018 keine Chance gegen das koreanische Pyeongchang. Das ist schmerzlich - aber woran lag es denn, dass München sich nicht durchsetzen konnte?

Ich denke, dass es mehrere Gründe waren. Nach zwei vergeblichen Anläufen war Pyeongchang einfach dran. Und schon bei den Bewerbungen für 2010 und 2014 war das Konzept der Koreaner exzellent, es versprach nämlich für Wintersport-Verhältnisse kurze Wege zwischen den Sportstätten, so dass sich 2018 wirklich olympisches Feeling wie bei den Sommerspielen einstellen könnte. Bei den Sommerspielen sind die Sportstätten ja oft sehr konzentriert, die Sportler aus den verschiedenen Nationen erleben die Wettbewerbe wirklich zusammen. Bei den Winterspielen war das in der Vergangenheit eher die Ausnahme, und das ist das wirklich Neue des Austragungskonzepts von Pyeongchang. Dazu kommt natürlich, dass mit Samsung ein extrem potenter Sponsor im Hintergrund steht. Und die Zustimmung der Bevölkerung war in Südkorea natürlich riesig.

Hat München etwas falsch gemacht?

Das wird man sicherlich in den nächsten Tagen und Wochen sehen. Ich persönlich denke, dass die Münchner Bewerbung die beste war, die das IOC seit 1972 aus Deutschland erhalten hat. Das war aber auch nicht sehr schwierig. Die Bewerbungen von Berlin 2000 und Leipzig 2012 waren Flops mit Ansage. Insofern war es nicht schwer, hier besser zu werden. Es hat aber nicht gereicht. Daraus muss man nun seine Schlüsse ziehen.

Welche wären das?

Nun, zunächst einmal muss man sich ganz klar überlegen - sowohl auf der Seite des DOSB, aber auch von seiten der Bundesregierung - ob man tatsächlich die Spiele in Deutschland will und warum man sie möchte. Welche Werte kann man den jungen Menschen hier im Land, aber auch in der Welt, durch eine Austragung der Spiele in Deutschland vermitteln? Dass die Deutschen die Spiele gut organisieren können, ist dem IOC natürlich klar. Das ist aber nicht der Punkt. Es geht darum, sich zu überlegen, warum Spiele in Deutschland einmalige und unverwechselbare Spiele sein können. Und nur so kriegt man auch die Bevölkerung - mit Ausnahme der ewigen Nörgler - auf die Seite einer Bewerbung. Und ohne eine breite Unterstützung in der Bevölkerung läuft es nicht. Vielleicht sind die Südkoreaner in dieser Hinsicht ja etwas naiver als die Deutschen, aber sie freuen sich zu etwa 90 Prozent auf die Spiele und sind darauf stolz, dass sie in Südkorea stattfinden werden. Deswegen gab es ja auch die drei Anläufe - und der lange Atem wurde belohnt.

Muss Deutschland diesen langen Atem jetzt auch haben, um wieder einmal olympische Spiele veranstalten zu können?

Ja, natürlich! Wenn ich Thomas Bach oder Kati Witt hieße oder nur im entferntesten etwas mit dieser Bewerbung zu tun gehabt hätte, dann hätte ich meinen Hut sofort für den nächsten erreichbaren Termin wieder in den Ring geworfen. So aber ist zu erwarten, dass sich die deutschen Olympier wie nach den bisherigen gescheiterten Bewerbungen zunächst einmal wieder auf Jahre in ihren Schmollwinkel zurückziehen. Was Thomas Bach nach der Abstimmungsniederlage gesagt hat, passt doch voll ins Schema: "Wir müssen nun in Ruhe überlegen, ob es sinnvoll ist, sich noch einmal zu bewerben. Dazu wird es kommende Woche die ersten Gespräche geben, aber eine erste Entscheidung ist dort nicht zu erwarten." Das heißt doch in der Praxis: Erst mal Wunden lecken, abwarten und Tee trinken, in sechs bis acht Jahren wieder antreten und dann wieder eine Niederlage kassieren. Wenn es einem aber mit Olympia ernst ist, muss man gleich wieder antreten - egal, ob mit einer Winter- oder Sommerbewerbung. Denn eines hat dieser Tag von Durban gezeigt: Persistenz und Hartnäckigkeit zahlen sich aus. Natürlich muss man sehen, wo das Konzept Schwächen hatte, natürlich muss man die Bevölkerung noch besser ins Boot nehmen, als das vielleicht jetzt der Fall war. Aber dann heißt es wieder angreifen! Es gibt alle zwei Jahre die Chance. Sich jetzt erst mal wieder in den Schmollwinkel zurückziehen wäre in etwa so, wie wenn die deutsche Männer-Nationalmannschaft bei der kommenden EM aussetzt, nur weil man bei der letzten WM wieder nicht gewonnen hat.

Du bist pro Olympia in Deutschland? Verstehe ich das richtig, Onkelchen?

Ja, das bin ich! Ich würde mich sehr freuen, wenn in Deutschland mal richtig gute Olympische Spiele stattfänden, die weder von einer totalitären Ideologie instrumentalisiert noch von einem brutalen Attentat überschattet werden. Und das möglichst noch zu meinen Lebzeiten! Ich bin nämlich schon 42!

Donnerstag, 30. Juni 2011

Frauen-WM: Die Favoritinnen tun sich schwer


Der erste Spieltag bei der Frauen-WM ist vorüber, jedes Team war bisher einmal dran. Gestern haben die Norwegerinnen und die Brasilianerinnen erstmals ins Turnier eingegriffen. Doch egal, ob vom Zuckerhut oder aus dem hohen Norden: So richtig kamen beide nicht in Schwung!

Onkelchen, du warst gestern in Augsburg vor Ort, hast die Teams aus Norwegen und Äquatorialguinea beobachtet. Was war es für ein Spiel?

Es war interessant. Ich war im Vorfeld eigentlich der Meinung, dass alles andere als ein klarer Sieg der Norweger eine Riesenüberraschung wäre. Nun, die Norwegerinnen haben zwar gewonnen - aber sie haben nicht überzeugt. Ihrer Favoritenrolle sind die Olympiasiegerinnen von 2000 und Weltmeisterinnen von 1995 eigentlich nie gerecht geworden. Und Äquatorialguinea hat leider einige klare Torchancen leichtfertig vergeben.

Wenn du von einem "interessanten" Spiel sprichst, dann war es wohl eher ein etwas zähes Ringen.

Teilweise ja. Die Schlussphase der ersten Halbzeit war zum Beispiel echt nicht zum Hingucken, da agierten beide Teams sehr zerfahren. Norwegen setzte zwar praktisch mit dem ersten Angriff einen Akzent, da ihnen ein Schuss an den Innenpfosten gelang, aber in der Folgezeit spielten sie für meine Begriffe viel zu durchsichtig. Äquatorialguinea fiel auf dieses doch recht simple Flügelspiel der Skandinavierinnen nicht herein und war vor allem in der zweiten Halbzeit sogar immer wieder in der Lage, die Norwegerinnen auszukontern. Aber...

... der Ball ging nicht rein ...

Genau! Genoveva Anonman, die nicht zuletzt aufgrund ihrer grünen Zöpfe auffälligste Spielerin bei den Afrikanerinnen, hatte viermal klarste Möglichkeiten, den Ball zu versenken, konnte den Treffer aber nicht machen. Auf der einen Seite war dafür sicherlich auch das gute Stellungsspiel der norwegischen Torhüterin Ingrid Hjelmseth verantwortlich (sie machte stets die kurze Ecke zu, so dass Anonman das lange Eck anvisieren musste), auf der anderen Seite war aber auch schrecklich viel Unvermögen im Spiel. Ein- oder zweimal kann sich eine Spielerin sicherlich von einer Klasse-Torhüterin auf diese Weise leimen lassen, aber viermal ist mindestens einmal zuviel.

Und das rächte sich dann.

Exakt. Das Spiel hatte zwar nicht viele Höhepunkte, aber letztlich war einfach die Spannung mit Händen zu greifen, ob nicht Norwegen schon im ersten Spiel einen kleinen Dämpfer würde einstecken müssen. Denn wenn sie in diesem ersten Spiel nur unentschieden gespielt hätten, dann wären sie in dieser schweren Gruppe D mit Mitfavorit Brasilien und Australien schon im zweiten Spiel unter Zugzwang gestanden. So aber gab es in der 84. Minute noch dieses Dreckstor (wie Jürgen Klopp sagen würde), das die Sache entschied.

Brasilien hat sich gegen Australien ja auch nicht mit Ruhm bekleckert...

Das Spiel habe ich leider nicht in Gänze gesehen, aber was ich gesehen und gehört habe, lässt den Schluss zu, dass es in der Gruppe D sehr eng zugehen dürfte. Insbesondere Norwegen und Australien dürften sich einen harten Kampf ums Weiterkommen liefern. Und Äquatorialguinea würde ich auch noch nicht abschreiben. Sie können Brasilien und Australien sicherlich noch ärgern.

Montag, 27. Juni 2011

Frauen-WM: Onkelchen gibt den Netzer!

So kann es nicht weitergehen. Das deutsche Team kann von Glück reden, dass es im Eröffnungsspiel gegen Kanada nicht noch tiefer in Not geraten ist. Da fehlte die Laufbereitschaft, die Aggressivität in den Zweikämpfen. In der zweiten Hälfte wurden zu viele Chancen vergeben, man hat sich zu sehr auf lange Bälle fokussiert. Ich verstehe aber die Spielerinnen nicht, dass sie die Stärke von Kanada zu ihrer Verteidigung anführen - was die angeblich alles besser können und gemacht haben. Das darf kein Kriterium sein! Wir sind immerhin Weltmeister! Das ärgert mich ein wenig.

Onkelchen?

Hm?

Bist du gerade auf dem Netzer-Trip?

Oh, war ich das? Aber irgendeiner muss es ja tun, irgendeiner muss ja die Finger in die Wunde legen, sonst gibt es schon beim nächsten Gruppenspiel gegen Nigeria ein böses Erwachen.

Du musst es ja wissen. Du bist der Experte. Die Betonung liegt auf Ex. Oder wie war das mit den Freistößen? Dass Frauen keine langen Bälle und keine scharfen Freistöße spielen können? Hast du in deinem letzten Blog-Eintrag gesagt. Das Eröffnungsspiel hat dich da eindeutig widerlegt!

(lacht) Ja, das ist richtig. Das muss ich mir durchaus ins Stammbuch schreiben lassen. Ich werde das mit den Freistößen und den langen Bällen in Zukunft auch nie wieder behaupten. Ich muss aber dazusagen, dass diese Behauptung auf einer Beobachtung basiert, die ich beim Viertelfinale der letztjährigen U20-WM zwischen den USA und Nigeria gemacht habe. Damals hat es gerade den Schüssen aus der vielzitierten zweiten Reihe ordentlich an Bums gefehlt. Aber war möglicherweise nur ein Einzelfall, eine Einzelbeobachtung.

Woran lag es denn nun wirklich, dass die deutschen Frauen gegen Kanada am Ende noch in Bedrängnis kommen konnten?

Ich will mal vorausschicken, dass ich das Spiel etwas anders gesehen habe als die meisten übrigen Kommentatoren. Deutschland und Kanada waren, was die Spielanteile betraf, nahezu gleichwertig. Das wurde oft übersehen. Beide hatten in etwa gleich viel Ballbesitz, Kanada laut der FIFA-Statistik sogar einen Tick mehr, 51 zu 49 Prozent zugunsten der Kanadierinnen. Die Kanadierinnen konnten sich allerdings längst nicht so viele Chancen erarbeiten wie die Titelverteidigerinnen, über lange Strecken hatten die deutschen Frauen das gut im Griff. Vor allem in der zweiten Hälfte.
Dann aber haben die deutschen ihre hochkarätigen Chancen nicht genutzt, Kerstin Garefrekes, Alexandra Popp - Kerstin Garefrekes einnerte bei ihrer vergebenen Hundertprozentigen sogar sehr an Mario Gomez, schon von der Körpersprache her!
Und dann wurde in der 71. Minute Melanie Behringer gegen Fatmire Bajmaraj ausgewechselt.

Von der du ja kein Fan bist...

Sie ist sicher eine tolle Fußballspielerin! Aber in den Wochen vor dem Turnier war zu viel von ihrem Aussehen die Rede. Das hat ihr nicht gutgetan, sie stand auf dem Platz etwas neben sich. Und das ist meines Erachtens typisch für die Oberflächlichkeit, mit der einerseits über Fußball insgesamt, andererseits aber auch ganz besonders über Frauenfußball gesprochen und geschrieben wird. Es geht beim Frauenfußball genau wie bei den Männern darum, dass Tore geschossen werden. Da sind Technik, Taktik, Tore entscheidend. Wie einer oder eine aussieht, ist völlig egal!
Das ist so ein Indiz für die Beckhamisierung des Fußballs. Was meine ich damit: Fußballerisch konnte ein David Beckham einem Paul Gascoigne nie das Wasser reichen. Nie! Aber weil der David ganz nett aussah - und Gascoigne mental sehr instabil war, das darf man nicht vergessen - ist Beckham der populärere und weitaus reichere Fußballer geworden. Aber Beckham war ja nur der Prototyp. Wenn man sich vorstellt, dass die Chefreporterin der "Welt" den Bundestrainer Jogi Löw eine ganze Stunde lang interviewt, um mit ihm über praktisch nichts anderes als Kosmetikprodukte zu sprechen, dann sieht man, wohin wir gekommen sind. Zu meiner Zeit hieß es: "Ein Trainer darf aussehen wie Frankenstein, nur Weltmeister muss er werden." Und ich stehe dazu! Weshalb ich davon überzeugt bin, dass unsere Männer-Nationalmannschaft mit Peter Neururer größere Chancen auf einen Titel hätte als mit Jogi Löw. Denn Weltmeister ist der Jogi bis jetzt nicht geworden, und die Prognose wage ich: Auch bei der EM 2012 wird es mit einem Titel nicht klappen.

Das hat jetzt aber nichts mehr mit der Frauen-WM zu tun.

Doch! Denn als Lira Bajramaj eingewechselt wurde, musste Melanie Behringer runter vom Feld. Und sie war für meine Begriffe bis dahin die unbesungene Heldin dieses Spiels. Was sie geackert und gekämpft hat, ist wirklich aller Ehren wert. Sie war die Antreiberin des Spiels, sie hat die Bälle erkämpft, sie hatte die Übersicht. Und als sie rausging, fiel halt alles ein bisschen in sich zusammen und die Kanadierinnen konnten wieder besser ins Spiel finden, nachdem sie eigentlich in der zweiten Hälfte über weite Strecken klinisch tot waren.
Und die Melanie Behringer sieht halt leider ein bisschen wie eine westfälische Jungbäuerin aus, die täglich mit Milchkannen hantiert. Nicht böse gemeint, sie ist halt kein Model. Aber sie war über weite Strecken das Herz und der Kopf des deutschen Spiels! Über sie lief so viel. Das ist oft übersehen worden.

OK: Deine Prognose für das Gruppenspiel gegen Nigeria am Donnerstag?

Klarer Sieg mit zwei Toren Unterschied. Ich denke, die Frauen sind jetzt aufgewacht.

Samstag, 25. Juni 2011

Frauen-WM: Ich bin kein Fan von "Lira" Bajramaj!

Heißa, es ist wieder einmal Fußballzeit! Die Vorfreude auf ein großes Turnier schwebt durchs Land, allerorten grüßen schwarz-rot-goldene Fähnchen und die Wirtshäuser der Region laden zum Public Viewing. Ein neues Sommermärchen bereitet sich vor. Und doch, und doch...

Irgendetwas ist anders. Es kommt mir vor, als läge nicht der Duft von Bier und Bratwurst, sondern eher von Prosecco und Salat mit Putenstreifen in der Luft. Klar - es ist ja auch die Frauen-WM, die sich ankündigt. WM light sozusagen. Statt von Jogis Jungs schwärmt die reichlich einfallslose Presse von den "Fußball-Elfen" beziehungsweise den "National-Elfen", wo doch Onkelchen schon vor fast 20 Jahren (nämlich bei einem Mädchenfußballturnier in Tübingen, das er damals für das Regionalradio verfolgte) mit dem von ihm erschaffenen Ausdruck "Kicker-Küken" viel mehr Sprachwitz bewies.

Es ist also WM und irgendwie auch nicht. Immerhin gibt es ein Panini-Album mit den Fußball-Frauen (allerdings ganz offensichtlich in viel geringerer Auflage, mir ist es bisher noch nicht in die Finger geraten), aber in Duplo und Hanuta habe ich bisher noch keine Sammelbildchen entdeckt. Na ja. Vielleicht finden sie sich ja zielgruppengerecht in der leichten Yogurette!

Insgesamt kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, als sei die Frauen-WM ein Ereignis, für das die Aufmerksamkeit und Begeisterung künstlich erzeugt werden muss - ganz anders als bei den Männerturnieren. Wie bangten wir vor Jahresfrist um Michael Ballack, nur um dann mitzuerleben, dass Sami Khedira und Bastian Schweinsteiger eine großartige WM als Doppel-Sechs spielten. Wie diskutierten wir über Lahms Ansprüche aufs Kapitänsamt und (nicht zu vergessen) über die unfehlbaren Prognosen des inzwischen verblichenen Kraken Paul. Wie fluchten wir über Podolskis verschossenen Elfer gegen Serbien und glucksten über das nicht gegebene Tor der Engländer! Stattdessen las ich gestern, dass die Organisatoren derzeit sehr darüber besorgt sind, dass das Berliner Olympiastadion beim morgigen Eröffnungsspiel nicht komplett ausverkauft sein könnte - ganz so, als komme Deutschland seiner moralischen Plicht nicht ausreichend nach, dem Frauen-Weltturnier seine ganze gebührende Aufmerksamkeit zu schenken.

Und es ist ja auch so: Der ganze Diskurs über die Frauen-WM hat einen Anflug von bemühter politischer Korrektheit. Erst gestern wurde ein Radioreporter (der normalerweise Männerspiele kommentiert) im Sender SWR1 gefragt, warum er denn Frauenfußball gut fände. Er meinte, zum einen seien im Frauenfußball die üblen Sitten (Schwalben, Zeitspiel, Schauspielerei) noch nicht so eingerissen und zum anderen seien Frauen stets bemüht, spielerische Lösungen für missliche Spielsituationen zu finden - d. h: die Frauen dreschen den Ball in solchen Fällen nicht einfach hinten raus in der Hoffnung, dass jemand ihn vorne erwischt.

Beide Argumente haben beim ersten Hinsehen durchaus etwas für sich, sind aber näher betrachtet sehr bemüht. Natürlich ist es eine Schande, wenn sich Fußballer wie sterbende Operndiven auf dem Platz wälzen, in der Hoffnung, die Zeit möge vorübergehen. Es ist nicht mit anzusehen, wenn sie einander an den Trikots zerren, Fouls vortäuschen und beißen und spucken, wenn der Schiedsrichter gerade nicht hinsehen. Das alles ist nachgerade unmännlich, und man ist da schon versucht, den Jungs einzubleuen, sie möchten sich doch mal die Frauen zum Vorbild nehmen.

Aber: Die Ursache dieses Trends liegt doch darin, dass die Schiedsrichter die ehrliche, kompromisslose Grätsche mittlerweile fast durchgängig mit der roten Karte bedenken. Das hat auch dazu geführt, dass die Zerstörer alter Schule (Andoni Goycoechea! Förster! Gentile! Kohler!) mittlerweile komplett ausgestorben sind. Das ist schade. Das Resultat sind Fußballspieler, die auf dem Platz zickiger auftreten als ein kompletter Mädchenkindergarten.

Auch das zweite Argument ist leicht zu entkräften. Das "kick and rush" ist bei Frauen nicht zuletzt deshalb seltener zu finden, weil ihnen für lange Bälle oft einfach der Bums fehlt. Onkelchen hat es im letzten Jahr bei der U20-WM der Frauen im Viertelfinale zwischen den USA und Nigeria eindeutig festgestellt: Lange Bälle und auch Schüsse aus der zweiten Reihe verpufften zum Teil deshalb wirkungslos, weil die Mädchen sie nicht mit der notwendigen Kraft und Präzision schlagen konnten. Deswegen sorgten auch Freistöße von der Strafraumgrenze - bei den Männern meist außerordentlich kritische Spielsituationen - praktisch nie für Gefahr.
Ich will damit nicht sagen, dass Frauen nicht Fußball spielen können. Vor allem die Erfolge der deutschen Frauennationalmannschaft der letzten Jahre nötigen Respekt ab. Es ist aber ein etwas anderes Spiel als bei den Männern. Eine Analogie sei erlaubt. Vor ein paar Jahren kursierte zum Beispiel beim Tennis der Spruch: Es gibt Tennis und Damen-Tennis. Während die Herren in der Regel ein kompromissloses Serve-and-volley praktizierten, hauten sich die Damen die Bälle von der Grundlinie bis zur Grundlinie um die Ohren, bis eine der beiden nicht mehr aufpasste und dadurch den Punkt verlor. Wenn man ehrlich ist, muss man das beim Frauenfußball halt etwas Ähnliches konstatieren.

Vor ein paar Jahren kriegte FIFA-Chef Sepp Blatter überdies noch von den versammelten Medien eine auf die Fresse, weil er meinte, die Frauen sollten doch eine weiblichere, den Körper besser betonende Spielkleidung tragen, um entsprechende Sponsoren anzuziehen. Genau das passiert jetzt auch (siehe dazu auch den passenden Artikel der Deutschen Welle). Ob man damit den Fußball-Frauen einen Gefallen tut, sei dahingestellt.

Zudem wird allenthalben versucht, mit Fatmire "Lira" Bajramaj ein medienkompatibles Aushängeschild für die WM zu finden. Erstmal spielt sie gut Fußball, ist aber auch optisch attraktiv und hat den momentan ach so wichtigen Migrationshintergrund (es lebe die Political Correctness!). Mich stört das, denn zu meiner Zeit war es egal, wie ein Spieler/eine Spielerin aussieht, Hauptsache, er/sie schießt Tore oder verhindert diese erfolgreich. Ein Maradona war nach heutigen Standards kein Adonis (selbst zu seinen besten Zeiten war er etwas dick), konnte den Abwehrspielern aber Knoten in die Füße dribbeln. Deshalb gebe ich gerne fünf Euro ins Phrasenschwein und rufe den Mädels zu: Wichtig is' auf'm Platz! Holt den Titel!

Nachwort von Palfi: Ich gebe ja gerne zu, dass ich kein Fan von "Lira" Bajramaj bin. Dafür aber von Annike Krahn. Ich finde sie einfach zuckersüß...

Freitag, 24. Juni 2011

Bilanzbuchhalterinnen unter sich

Dieser Dialog zweier frischgebackener Bilanzbuchhalterinnen (kurz BiBu) ist wirklich dem Leben abgelauscht - auf Ehre und Gewissen!

BiBu 1: Am Sonntag ist bei uns im Dorf Feuerwehrfest mit Frühschoppen.

BiBu 2: Welche Geschäfte haben da offen? Wo kann man da shoppen?

Mittwoch, 22. Juni 2011

Candice und die Kleiebrötchen

>>Interessant ist, dass man bei der Beurteilung fast sämtlicher Popmusik mit dem Adjektiv „verzeihlich“ auskommt.<< (Frei nach Max Goldt)

Ein Beitrag von Onkelchen, der sich nach einem fast endlosen Urlaub in Norddeutschland und Mittelitalien wieder zurückmeldet!

Wenn ich jetzt über Musik schreibe, bitte ich mir nachzusehen, dass ich niemals so etwas wie einen richtigen Musikgeschmack hatte. Ich war immer ein Eklektiker, sagte mir: Dieses Stück gefällt mir und das nicht – auch wenn es aus der gleichen Richtung oder sogar von der gleichen Band stammte. Ich weiß bis heute nicht, wo der Unterschied zwischen Pop, Funk, Ska und Acid liegt – und wann man es mit Rap und wann mit HipHop zu tun hat, bleibt für mich ein ewiges Mysterium.

Daran sind zwei Umstände schuld: Zum einen fand ich aufgrund meiner Unmusikalität zu vielen Liedern nur über die Texte Zugang. So konnte es passieren, dass mich ein Stück nicht nur ansprach, sondern sogar regelrecht ansprang, weil mir der Text etwas sagte, obwohl die Vertonung eher schlapp war. „Wallflower“ von Peter Gabriel zählt zu dieser Kategorie, obwohl das Stück gegen Ende einen ganz hübschen akustischen Sonnenaufgangs-Effekt hat. Zum anderen versaute mir Rob Hubbard die Geschmacksfindung, um es einmal mit den Worten einer meiner Romanfiguren auszudrücken. Dieser Herr dürfte mittlerweile nur noch sehr wenigen Zeitgenossen etwas sagen, einige werden ihn sicher mit dem Gründer der Scientology-Sekte namens L. Ron Hubbard verwechseln. Eins weiß ich aber gewiss: Wer den Namen Rob Hubbard kennt, hat vor vielen, vielen Jahren mit einem Commodore 64 gespielt. Ihm gebührt die Ehre, manche der weniger erinnernswerten Spieletitel mit seiner Musik zu echten Perlen gemacht zu haben. „Commando“, „Delta“, „Sanxion“, „Auf Wiedersehen Monty“, „Gerry the Germ goes Body Poppin'“, „W.A.R.“ und nicht zuletzt „Thrust“, das viele (zumindest ich) für sein opus magnum halten, sind ewig leuchtende Beispiele dafür, was man aus dem SID-Chip mit drei Sound- und einem Rauschgenerator herausholen konnte. Nur Chris Hülsbeck spielte in einer ähnlichen Liga – aber da ging's schon los: Ich bevorzugte Hubbard, er lieferte eher rhythmisch orientierte Stücke ab. Ich glaube zumindest, dass das der Grund war. Vor einigen Jahren hörte ich mal wieder die Extended Version von Chris' Hülsbecks „Shades“ und fand es meiner Erinnerung nach etwas zu kleinteilig im Vergleich zu Hubbard. Aber ich kann mich auch täuschen.

So, jetzt habe ich mich ganz langsam an das Thema herangetastet. Ich bitte festzuhalten, dass ich in Sachen Musik für vieles offen bin, allzu extreme Dinge jedoch nicht goutiere. An den meisten aktuellen Stücken stört mich der stampfende Rhythmus – es klingt immer, als ob man den Drumcomputer in der Ausgangsstellung „Schmiedehammer“ belassen hätte. Wahrscheinlich finden aus diesem Grund die angesagtesten Technopartys auch immer in aufgelassenen Fabriken statt.

Trotz dieser allgemeinen Indifferenz gegenüber den aktuellen Trends beschäftigte ich mich zu vor einiger Zeit mit einer Art akustischem Tapetenwechsel. Dilein hörte meist eine Country-CD von Terri Clark, die ich aus Kanada mitgebracht hatte. Für mich war das zu ruhig. Andererseits hatte ich mich an den krachigen Mini-Opern aus der Feder Jim Steinmans ein wenig abgehört. Steinman, ein überzeugter Wagnerianer, ist hierzulande vor allem durch die Stücke bekannt, die er für Meat Loaf geschrieben hat. Einmal kaufte ich mir sogar, ich gebe es schamhaft zu, eine Céline-Dion-CD, weil ein sieben Minuten langes Steinman-Stück drauf war. Den Rest hörte ich so gut wie nie, aber „It's All Coming Back To Me Now“ lief eine ganze Zeit lang rauf und runter in meiner Autoradio/CD-Kombination.

Ich war damals drauf und dran, wieder zu den Wurzeln – sprich zum Elektropop der frühen Achtziger mit den Buggles und den Men Without Hats – zurückzukehren, als ich aus lauter Langeweile auf SAT.1 den unsäglichen Nibelungen-Zweiteiler mit der kühlen Norwegerin verfolgte, die Arnie im dritten Terminator-Film so viele Schwierigkeiten gemacht hat. Die Norwegerin spielte die Walküre Brünhild (wen sonst?), Alicia Witt übernahm die Rolle der Kriemhild in der Sparte „mal nicht blondes, sondern abwechslungsweise rothaariges Dummchen“. Interessant waren nicht die Schauspieler, auch nicht die abgrundtief schlechten Spezialeffekte. Eigentlich ging es mir nur um den Pausentrailer, der auf die CD zum Filmereignis des Jahres hinwies.

Es war, wie man so schön sagt, ein „defining moment“. Die Tonspur des Trailers hatte was – allein, ich konnte noch nicht sagen, was – und so besorgte ich mir die so beworbene Fernsehfilm-CD.

Bis dato hatte ich noch gar nicht gewusst, dass es so etwas wie Renaissance-Rock oder Mittelalter-Metal überhaupt gab. Nun aber hörte und glaubte ich. Zwei Bands waren es, die auf dem Sampler meine besondere Aufmerksamkeit fanden: Within Temptation und Blackmore's Night.

Nun muss man wissen, dass diese Musikrichtung (oft auch „Goth Metal“ genannt) bei vielen Puristen auf Ablehnung stößt. Typisch ist in aller Regel eine bombastische Instrumentierung, nicht selten mit vollem Orchester, plus Geräuscherzeugern pseudo-keltischer Herkunft wie etwa dem Dudelsack. Dazu kommen volle Bässe (mit Schmackes) und düstere Chöre, denen eine ätherische Frauenstimme als Lead Vocal gegenübergestellt wird. Das Ganze klingt dann entweder wie Annett Louisan vor dem Hintergrund einer startenden Concorde oder eben wie Within Temptation. Nicht selten finden sich dann noch tiefe Männerstimmen, die so genannte Growls beisteuern, also eigentlich nichts anderes tun als unverständlich herumzurülpsen. Das ist dann die akustische Repräsentanz des Bösen, das von der ach so lieblich klingenden Frauenstimme Besitz ergreifen will.

Wie gesagt: Puristen mögen das nicht. In Kritiken aus dieser Ecke liest man meistens: „Seit dem Erfolg des Herrn der Ringe scheint man ja wieder zu glauben, Chöre einsetzen zu dürfen. Hoffentlich geht diese Bombastik-Welle bald vorbei.“ Leider bin ich kein Purist, sondern für Bombast sehr zu haben. Auch die Texte sind ansprechender als das ewige „F*** mich, f*** mich, f*** mich“ der lange Zeit als „in“ gehandelten Gruppen im Britney-Spears-Kielwasser. Bei Within Temptation geht es textlich zum Beispiel um das Verhältnis zur Natur („Mother Earth“), um Trauer und Verlust („Jillian“), um das Sich-nicht-Unterkriegen-Lassen („Stand My Ground“), um Sehnsucht nach der/dem Liebsten („Somewhere“).

Etwas weniger bombastisch als Within Temptation gibt sich die Formation Blackmore's Night. Hier stimmt das Etikett Goth Metal schon nicht mehr, ich würde die Musikrichtung gerne stabreimend zwischen Renaissance-Rock und Fairytale-Folk einordnen. Fairytale auch deshalb, weil die Leadsängerin Candice Night so richtig tolle, elfenhaft lange blonde Haare hat wie eine mir bekannte Latein- und Französischlehrerin aus Erlangen. Fehlen nur noch die Feenflügelchen.

Ihr Partner ist die von „Deep Purple“ und „Rainbow“ bekannte Rockgitarrenlegende Ritchie Blackmore, den sich besagte Candice Night vor ein paar Jahren als Lebensgefährten geangelt hat. Irgendwann – es muss so um das Jahr 1997 gewesen sein – schmiss Ritchie die Lederklamotten weg und hüllte sich in mittelalterliches Gewand. Und während seine Alte (die erst halb so viele Lenze zählt wie die mittlerweile stramm auf die 60 zugehende Rocklegende) im Vordergrund steht und munter mittelalterlich-folkige Liedchen trällert, klampft er im Halbdunkel der Bühne.

Glücklicherweise hat uns Candice auf ihrer Website ein paar Aufzeichnungen überliefert, die uns ahnen lassen, wie es zugegangen sein mag. Als ihre Modelkarriere nicht so recht in Schwung kam, half sie bei einer Radiostation in New York aus. Irgendwann besuchte sie ein Konzert von Rainbow, Ritchie Blackmore's damaliger Band. Und um es mit den Worten eines anderen Rockbären zu sagen: Es machte „Zooomm“.

Das Ganze hätte nun wie jenes tragische Liebesdreieck um Bob Geldof, Michael Hutchence (der allzu früh verstorbene Leadsänger von INXS) und Paula Yates enden können. Von den dreien lebt nur noch Bob Geldof. Sonderlich glücklich kann man ihn wohl aber nicht nennen, da ihn seine ehemaligen Band-Kollegen von den Boomtown Rats laut Wikipedia inzwischen wegen unterschlagener Tantiemen verklagt haben. Dass es für Ritchie nicht so kam, ist sicher Candice zu danken. Sie wird dem Gitarrengott die Flausen ausgetrieben haben. Ich kann mir richtig greifbar vorstellen, dass sie ihn trocken gelegt (welcher Musiker trinkt nicht gern mal einen? Und dann noch so'n Altrocker!) sowie auf Biokost und gesunde Kleiebrötchen gesetzt hat. Das ist zumindest meine Vermutung. Aus lauter Dankbarkeit hat er dann eine Band um sie herumgebaut, mit der er jedes Jahr durch Europa tourt, um dort in alten Burgen zu konzertieren.

Nun geschah es aber, dass sich Candice die Feindschaft einer mächtigen und übersinnlich begabten Frau zuzog. Deren Gatte hatte sich nichts ahnend in einem Münchner Media Markt die Blackmore's Night-CD „The Romantic Collection“ gekauft. Jenes Album enthielt als Zugabe eine DVD mit Videos von einigen Auftritten der Band. Erfreut legte der Gatte jenes seherisch begabten Weibes die DVD in den PC und erfreute sich am Gesang sowie wahrscheinlich auch an der Gestalt der nicht ganz unansehnlichen Frontfrau. Dabei überraschte ihn seine Frau. Sie schalt ihn: „Ich wusste doch, dass du auf langhaarige Blondinen stehst! Du, du, du!“ Der so Gescholtene wand sich, er stehe nicht auf die blonde Frontfrau, sondern auf die brünetten Background-Sängerinnen.

Dieser Vorfall war fast vergessen, als der Gatte übers Internet zwei Karten für ein Konzert von Blackmore's Night in München bestellte. Zu seiner Überraschung stimmte seine Gattin zu, als er sie fragte, ob sie mitkommen wolle. Sie aber plante ihre grausame Rache.

Und wie sie Rache nahm! Als das Konzert begann, verstrahlte sie ihre negativen Energien wie ein leck geschlagenes Atomkraftwerk. Diese Vibrationen wirkten sich zunächst äußerst schädlich auf die Konzentration von Ritchie Blackmore aus. Ein paarmal hörte er mitten im Stück auf zu klampfen und latschte geistesabwesend von der Bühne. Candice reagierte darauf sehr irritiert; einmal hörte man sie sogar sinngemäß „Was machst du denn jetzt schon wieder?“ zischen. Als sich Ritchie schließlich wieder fing, bereitete die übersinnliche Frau ihren größten Coup vor: Candice war gerade dabei, das nächste Lied anzusagen, als das Mikro plötzlich einen Röhrer tat, der dem Publikum durch Mark und Bein fuhr. Selbst jenen hartgesottenen Fans, die sich in mittelalterliche Gewänder gehüllt hatten. Es war, als hätte sich ein anderer Sender auf die Beschallungsanlage aufgeschaltet – und zwar einer, der unendlich lange eineinhalb Sekunden „Burrrp“ machte. Ein echter Maulfurz.

„Reicht's jetzt endlich?“ fragte ich Dilein. Sie aber grinste im Halbdunkel.

Der Rest des Konzerts ging störungsfrei über die Bühne.


Montag, 16. Mai 2011

ESC-Nachlese: Wer leckt Lenas Wunden?

Onkelchen, ich hätte nie gedacht, dass ich das jemals erleben würde.

Was denn?

Da findet in Düsseldorf der ESC statt - zum ersten Mal seit 28 Jahren auf deutschem Boden - und du guckst DVDs der "Big Bang Theory".

Ich hatte es ja schon angedeutet - der Grand Prix ist mir nicht mehr so wichtig wie früher. Aber bei der Punktevergabe war ich dann live dabei.

Bei der recht bald klar war, dass es keinen zweiten Sieg für Lena geben würde...

Google hatte sie ja zuletzt doch vorne gesehen. Aber auch die weltgrößte Suchmaschine kann ab und zu irren, nachdem zweimal hintereinander die Google-Prognose richtig war. Aber sowohl Alexander Rybak in 2009 als auch Lena in 2010 lagen so eindeutig vorne und bestimmten so eindeutig die Schlagzeilen, dass sich das natürlich auch in den Suchanfragen bei Google widerspiegelte. Das war diesmal nicht der Fall, das Feld war besser durchmischt. Da zeigt sich halt, dass nach einem bestimmten Künstler im Netz zu suchen, nicht automatisch bedeutet, ihn (oder sie) auch zu wählen.

Wohl wahr. Wie ist denn dieser zehnte Platz für den deutschen Beitrag einzuordnen?

Stell dir mal vor, Bayern München gewinnt in einer Saison die Champions League und scheidet in den darauffolgenden im Achtelfinale aus. Anders als eine "krachende Niederlage" kann man das wohl nicht bezeichnen. Der zehnte Platz ist nichts anderes als eine solche.

Ist das nicht etwas überzogen? Alle haben Lenas Auftritt gelobt...

Das mag ja sein, aber es wird hier mal wieder mit zweierlei Maßstab gemessen. 2003, als Ralph Siegel zum letzten Mal den deutschen Beitrag lieferte, erreichte die Sängerin Lou für Deutschland den elften Platz - bei 26 Teilnehmerländern im Finale, also ein Platz im oberen Mittelfeld. OK? Damals ergoss sich Hohn und Spott über Siegel. Vorgestern erreicht Lena Platz zehn bei 25 Teilnehmerländern, also ebenfalls ein Platz im oberen Mittelfeld. Fast das identische Ergebnis. Und der allgemeine Tenor ist, das sei als Erfolg zu werten. Ich will damit nicht sagen, dass ich Ralph Siegel zurückhaben will, aber da passt was nicht zusammen.

Die deutsche Presse ist über ihre Lena-Infatuation noch nicht hinweg...

Quite obviously. Allerdings gab es in der letzten Woche vor dem Grand Prix auch einiges Lena-Bashing, das ungerechtfertigt war.

Du denkst an das verunglückte Interview von Frank Elstner mit ihr und einige der Reaktionen darauf...

Unter anderem. Ich habe mir Ausschnitte daraus angesehen und fand einerseits, dass sie ziemlich rüde mit dem älteren Herrn umgegangen ist. Dieser Meinung kann man durchaus sein.
Andererseits ist es ja so, dass die meisten Journalisten, die über den ESC berichten, sich nie wirklich mit der Materie beschäftigt haben. Eine Joy Fleming wurde zum Beispiel mal gefragt, warum sie nie am Grand Prix teilgenommen hat. Ehrlich! Und wenn Elstner nun "European Song Contest" sagt - gleich zweimal - und Lena ihn strenge darauf hinweist, das es "Eurovision Song Contest" heißt, dann kann das durchaus der Tatsache geschuldet sein, dass sie es einfach über ist, dass die Journos nichts weiter als kenntnislose Bissigkeit an den Tag legen. Auch Elstners Frage, ob sie denn gerne irgendeines der konkurrierenden Lieder singen würde, war blöd. Zudem hat er eine ganz unangenehme Art, sich beim Interviewpartner anzubiedern. Wenn er zum Beispiel von der "Lenarena" spricht, ist das einfach affig. Das Mädel ist klug genug zu wissen, dass hier ein Hype um sie herum aufgebaut wird, der mit ihr selber nichts zu tun hat. Und das macht sie wieder sympathisch. Auch wenn ich mit ihrer Musik nix anfangen kann.

Bei diesem ESC haben ja wieder die alten Mechanismen gewirkt, das fröhliche Punkte-Zuschieben der osteuropäischen Länder war lebendig wie eh und je.

Das ist zu einfach. Es gibt einige Blöcke, die nebeneinander existieren, und da ist es ganz spannend zu beobachten, wie sie sich bei der Abstimmung verhalten.
  • Da sind zum einen die skandinavischen Länder. Letztes Jahr konnte Lena von den Skandinaviern profitieren, weil es keinen starken Titel aus diesem Raum gab. Diesmal waren dagegen Schweden und Dänemark ähnlich stark. Die baltischen Staaten sind in diesem Zusammenhang ebenfalls interessant, weil sie sich mal eher in Richtung Skandinavien orientieren und mal in Richtung der Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion, da gibt es viele Gemeinsamkeiten.
  • Der zweite Block ist das ehemalige Jugoslawien plus Griechenland und mitunter Rumänien und Bulgarien, davon hat diesmal unter anderem der bosnische Beitrag unglaublich stark profitiert.
  • Selbstredend die Nachfolgestaaten der Sowjetunion. Aber das sind eigentlich zwei Blöcke, nämlich einerseits Russland, Weissrussland, Ukraine plus mitunter den Staaten des Baltikums. Manchmal stimmen auch die Polen, Ungarn und Slowaken gemeinsam mit denen ab. Das wäre Block 3a. Daneben stellen die Kaukausus-Staaten wie Georgien, Aserbaidschan und Armenien einen wichtigen Block 3b, und teilweise bekommen die auch Stimmen von der Türkei, Moldau und Rumänen, mit denen es gewisse Gemeinsamkeiten gibt.
  • Dazu kam diesmal eine ziemlich stark ausgeprägte Südschiene, also die romanischen Länder, die den italienischen Beitrag sehr stark nach vorne gepuscht haben.
Diesmal ist es keinem Beitrag so richtig gelungen, bei mehreren dieser Blöcke nachhaltig Eindruck zu hinterlassen. Deswegen fiel auch der Vorsprung der Aserbaidschaner relativ knapp aus, und die Abstimmung war deshalb auch so spannend. Wenn ein deutscher Beitrag in Zukunft Erfolg haben will, muss er einerseits versuchen, bei den deutschen Nachbarstaaten gut anzukommen und am besten noch in Skandinavien und auf der Südschiene. In den Blöcken 2, 3a und 3b ist dagegen für einen deutschen Interpreten so gut wie nichts zu holen.

Das Rezept für künftige Siege lautet also: Skandinavischer Happy Sound mit südländischem Einschlag?

So könnte man sagen. Oder etwas ganz anderes, eine Newcomerin, die aus dem Nichts kommt, wie eine Madonna von Raffael aussieht und alle Herzen mit ihrer unverfrorenen Naivität (oder naiven Unverfrorenheit?) erobert. Wie letztes Jahr. So etwas gibt es aber nur alle Jubeljahre.

Sonntag, 15. Mai 2011

Die ersten Germanen waren Wirtschaftsflüchtlinge



Ein Referat vom Onkelchen zum Limestor in Rainau-Dalkingen:

Wenn wir uns das Limestor in Dalkingen betrachten, dann müssen wir uns erst einmal überlegen: Warum kamen die Römer hierher und was wollten sie?

Logischer ist ja eigentlich das Gegenteil: Wenn man in Urlaub fährt, geht’s eigentlich in den Süden, wo’s wärmer ist. Und das haben die Germanen zuerst auch gemacht.

Um das Jahr 120 vor Christus – ein paar Jahre hin oder her – ereignete sich an der Nordseeküste ein Tsunami. Den Germanen stand das Wasser bis zum Hals und als Wirtschaftsflüchtlinge suchten sie sich einen Platz, wo sie zumindest trockene Füße kriegten. Und ein bisschen wärmer sollte es auch sein. Also zogen drei germanische Stämme, die Kimbern, die Teutonen und die Ambronen nach Süden. Und damit traten die Germanen das erste Mal in die Geschichte.

So richtig war man sich aber nicht einig, wohin man ziehen wollte, und so begann der Föderalismus.

Irgendwann um das Jahr 113 vor Christus tauchte man dann in der Gegend von Österreich auf und traf dabei auf einen Haufen Römer, der sich zur selben Zeit in der gleichen Gegend herumdrückte. Bei Noreia kam es dann zu einer schicksalhaften Begegnung. Die Römer bekamen es zum ersten Mal mit dem sogenannten Furor teutonicus zu tun, der Wut der Teutonen.

Man muss sich das folgendermaßen vorstellen: Riesenhafte Weiber mit einem Kubikmeter Busen, denen Hörner aus dem Kopf wuchsen, stürzten sich auf die Römer, und sangen dabei ohrenbetäubende Wagner-Arien. Hojotoho – hojotoho. Kein Wunder, dass die Römer die Flucht ergriffen!

Dasselbe wiederholte sich ein paar Jahre später bei Arausio, dem heutigen Orange in Südfrankreich. Die germanischen Weiber waren für die Römer ein fast genau so großer Schock wie hundert Jahre zuvor die Elefanten von Hannibal. Man wusste nicht, wie man sich dagegen wehren sollte und begann schon mal zu packen.

Der römische Senat tat daraufhin etwas, was er nur sehr ungern tat. Er ließ es zu, dass ein gewisser Gaius Marius, ein Nichtadliger noch dazu, das Oberkommando über die Armee bekam. Marius tat dabei etwas sehr Entscheidendes: Er verwandelte das römische Heer in eine Berufsarmee. Er war also so etwas wie der Guttenberg im alten Rom, allerdings war er ein Mann aus dem Volk, und mit dem Lesen und Schreiben haperte es bei ihm zeitlebens, weswegen er auch nicht in den Verdacht kam, seine Doktorarbeit abgeschrieben zu haben.

Marius legte Ohrenschützer an und deshalb gelang es ihm, die Germanen in zwei entscheidenden Schlachten zu schlagen, einmal in Südfrankreich und einmal in Norditalien. Die Stämme hatten sich aufgeteilt, denn die einen wollten sich an der Cote d’Azur niederlassen und im Casino von Monaco ein bisschen Roulette spielen, die anderen waren auf dem Weg in die Toskana.

Das waren die Sozialdemokraten und Grünen.

Die Römer hatten aber ihren Schock fürs Leben weg und gerieten von nun an immer wieder ins Zittern, wenn von den Germanen die Rede war.

Deswegen hatte auch Julius Cäsar 50 Jahre später vollstes Verständnis beim Senat, als er zum Zwecke der Grenzsicherung Gallien eroberte.