Ich und die Meinen

Ich und die Meinen

Herzlich willkommen!

So, das bin ich! Ich bin Kurt Palfi. Ich habe mir gedacht, jetzt muss mal ein neues Foto her. Leider hat Onkelchen ein Nacktfoto von mir hochgeladen. Aber ich sehe doch noch recht proper aus!
Wir (das sind ich, mein missratener Sohn Gianni Dona und Onkelchen, der alles für uns tippt) lästern in diesem Blog über alles, was gerade anfällt: Fußball, Politik, Film und Fernsehen, alles Mögliche. Viel Spaß!

Freitag, 25. Februar 2011

Nieder mit dem Zwischenspiel!

Das Logo von Spiel ohne Grenzen, englisch Its a knockout
Letzte Woche (ich war während des traurigen Fußballspiels Stuttgart-Benfica Lissabon eingeschlafen und wachte erst wieder bei Kerner auf) sah ich zum ersten Mal bewusst die als Dschungelzicke berühmt gewordene Sarah Knappik (heißt die so? Na egal, ich werde jetzt keinen Finger rühren, um nach der richtigen Schreibweise zu googeln). Im Ganzen ist Sarah ein trauriges Beispiel für unsere komische Zeit, in der die Verpackung einer Sache eindeutig wichtiger geworden ist als der Inhalt (und zwar in jeder Hinsicht). Diese Dame hat eindeutig nichts zu sagen, aber dennoch sitzt sie bei Kerner und beschwert sich darüber, dass sie im Fernsehen oder durch das Fernsehen oder ihr Bild durch das Fernsehen - egal, irgendwie sei ihrer Meinung nach manipuliert worden und ihr sei ganz, ganz schlecht und übel mitgespielt worden. Das kann weder Mensch noch Elefant ertragen, und dann schalteten wir eben um auf das ZDF, einen vermeintlich seriösen Kanal. Und da saß dann ihre Dschungelkameradin Indira bei Markus Lanz und plauderte über Extremerfahrungen und ihre zwei Jahre bei orthodoxen Juden und dass sie hebräisch kann. Und daneben saß Sarrazin.

Das sollte uns nachdenklich machen. Es gab eine Zeit, in der man im TV zum größten Teil kluge Menschen sah, Menschen, die aufgrund ihrer Lebensleistung und -erfahrung etwas Erhellendes zu brennenden Fragen der Zeit beitragen konnten, oder aber Menschen, die die Gabe besaßen, den ganz normalen Leuten durch Schauspiel- oder Gesangskunst eine kleine oder größere Freude zu bereiten. Peter Alexander war so einer, Caterina Valente natürlich, Milva, Kuli, Loriot, auch Peter Frankenfeld oder Harald Juhnke, bevor er unrettbar in den Suff-Strudel geriet. Auch kluge Frauen gaben ihre Meinung in Diskussionsshows zum Besten, Alice Schwarzer etwa. Leute also, die mehr zu bieten hatten als nur (operierte?) Möpse und gehobelte Nasen und die nicht ständig darüber quasseln mussten, mit wem und warum und wie auch immer. Diese Leute hatten was zu bieten.

War das Fernsehen damals langweiliger? Das wird ja oft gesagt. Ich weiß es nicht. Am heutigen TV wird ja unter anderem kritisiert, dass immer wieder die niedrigsten Instinkte und die Schadenfreude angesprochen werden. Die Zahl der Sendungen mit versteckter Kamera ist Legion (sowohl "Big Brother" als auch das Dschungelcamp stehen ja durchaus in der Tradition der Späße von Kurt Felix). Den Schadenfreude-Effekt gab es aber auch schon vorher, und deswegen möchte ich die Aufmerksamkeit auf eine Sendung lenken, die es schon lange nicht mehr gibt, die mir aber in diesem Zusammenhang einfiel und die ich ehrlich gesagt heute sehr vermisse, mehr jedenfalls als in den letzten 20 Jahren.

Man stelle sich also vor (ich muss vor allem die Leser der jüngeren Generation vorsichtig und behutsam ans Thema heranführen, sonst glauben die mir nicht), es gäbe eine Spielsendung, in der es im wesentlichen darum geht, dass sich verschiedene Teams aus unterschiedlichen Städten in einer Art sportlichem Wettkampf darin messen, dass die Mitspieler
a) auf einer mit Schmierseife bestrichenen schiefen Ebene
b) in absurden Kostümen und mit noch absurderer Fußbekleidung (meist eine Variante von Taucherflossen)
c) versuchten, eine gefärbte Flüssigkeit, die sich in einem dafür ungeeigneten Behälter befand, nach oben zu bugsieren,
d) woran sie das gegnerische Team zu hindern suchte,
e) um dann den verbliebenen kläglichen Rest der gefärbten Flüssigkeit am oberen Ende der schiefen Ebene in eine Plexiglastonne zu kippen,
f) wobei der Füllstand der Flüssigkeit in der Tonne den Ausschlag über die dem Team zugemessenen Punkte gab und
g) die Teams einen Joker setzen konnten, der Extrapunkte gab.

Wer sich so etwas Absurdes nicht vorstellen kann, hat nie "Spiel ohne Grenzen" gesehen. Ich glaube, mit den vorab genannten Punkten die wesentlichen Ingredienzien eines typischen "Spiel ohne Grenzen"-Wettkampfs erschöpfend beschrieben zu haben. "Spiel ohne Grenzen" war ein internationaler, von der Eurovision ausgetragener Wettkampf (sozusagen der kleine alberne Bruder des Eurovision Song Contest), bei dem sich im Frühjahr in einer nationalen Ausscheidung die Städteteams für die internationale Runde qualifizieren konnten. Die nationale Runde wurde von Erhard Keller, einem ehrwürdigen Eisschnellauf-Olympiasieger, und später von Manfred Erdenberger moderiert (bekannt unter anderem als langjähriger Kommentator des Düsseldorfer Rosenmontagszuges) und war lustiger als die internationale, weil sie nachmittags ausgetragen wurde (die internationalen Runden fanden im Abendprogramm statt) und wir auf unserem damals noch schwarzweißen Fernseher besser erkennen konnten, was vor sich ging und weil man die Moderatoren kannte. Sie war auch kurzweiliger: In der nationalen Runde spielten nur jeweils zwei Städteteams pro Sendung gegeneinander, während bei den internationalen Spielen sechs bis acht Teams aus allen teilnehmenden Ländern antraten.

Die internationalen Spiele waren auch irgendwie abgedrehter (ich erinnere mich mit Schaudern an ein sogenanntes Zwischenspiel, das im italienischen Chioggia ausgetragen wurde und in dem sich irgendwelche überdimensionalen Gabeln hin und her bewegten. Ich war vor ein paar Jahren in Chioggia, fand aber keinen Überlebenden, den ich dazu befragen konnte, worum es bei diesem Zwischenspiel eigentlich ging). Das Zwischenspiel war das richtig große Mysterium der internationalen Runde, so ungefähr wie der Länderpunkt bei "Tutti Frutti", aber ich weiß noch, dass die Teams dabei viele Punkte abgreifen konnten. Es war auch langweilig, weil jeweils nach einer Runde, in der die Teams gegeneinander antraten, sich ein Team jeweils diesem Zwischenspiel stellen musste. Es kam also in einer Sendung die erste Spielrunde, dann Team 1 mit dem Zwischenspiel, dann wieder eine andere Runde, dann Team 2 mit dem Zwischenspiel, und so weiter. Deswegen "Zwischenspiel"! Mit dem Wort "Zwischenspiel" konnte man mich hinfort jagen und erschrecken, es war fast wie wenn die Heulboje Andrea Jürgens im Fernsehen auftrat. Wenn irgendjemand "Zwischenspiel" rief, musste ich raus. Ich hatte immer das Bild dieser wogenden Gabeln im Kopf. Erschreckend.

Fazit: Ich plädiere für eine Rückkehr von "Spiel ohne Grenzen" ins Samstag-Abendprogramm, aber bitte ohne Zwischenspiel. Dann noch lieber Sarah Knappik und Indira.

Eräuterung zum Foto: Das Bild zeigt den internationalen Titel der Sendung, in England lief "Spiel ohne Grenzen" unter dem Titel "It's a knockout".

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