Ich und die Meinen

Ich und die Meinen

Herzlich willkommen!

So, das bin ich! Ich bin Kurt Palfi. Ich habe mir gedacht, jetzt muss mal ein neues Foto her. Leider hat Onkelchen ein Nacktfoto von mir hochgeladen. Aber ich sehe doch noch recht proper aus!
Wir (das sind ich, mein missratener Sohn Gianni Dona und Onkelchen, der alles für uns tippt) lästern in diesem Blog über alles, was gerade anfällt: Fußball, Politik, Film und Fernsehen, alles Mögliche. Viel Spaß!

Sonntag, 27. Dezember 2015

Vor langer Zeit, in einer weit entfernten Galaxis... oder warum Episode VII Mist war

Die einsame Hochebene von T'Nrify, die Darth Uncel und mir als Rückzugsort dient.

Wir, das heißt, ich und mein Sith-Meister Darth Uncel, hatten uns auf einen einsamen Wüstenplaneten zurückgezogen, um unsere dunklen Pläne zur Beherrschung der Galaxis zu schmieden. Wir strebten danach, uns in den Künsten der dunklen Seite der Macht zu vervollkommnen, so wie es die Regel der Sith seit Jahrtausenden gebietet Es gibt immer zwei, Meister und Schüler, und früher oder später wird der Schüler den Meister verdrängen. Bis jetzt steht Darth Uncel aber immer noch voll im Saft, so dass ich noch keine Chance gefunden habe, den fetten alten Schlunz zu beseitigen. Na ja. Kommt Zeit, kommt Rat.

Eines Tages rief mich mein Meister zu sich und schlug mir vor, den neuen Star-Wars-Film Das Erwachen der Macht anzugucken. Natürlich inkognito. Vielleicht könnte ich dort noch etwas lernen. Ich willigte ein. Unser wüstenhafter Rückzugsort ist aus kultureller Sicht ein bisschen zurückgeblieben, ein bisschen Abwechslung würde uns beiden guttun, dachte ich. Immer bloß Felsbrocken mit Hilfe der Macht durch die Gegend wuchten ist schließlich kein abendfüllendes Programm, und diese doofen Sith-Energieblitze sind denkbar ungeeignet dafür, wenn man sich mal eine Tasse Kaffee heiß machen will, weil die Energie ganz schwer zu dosieren ist. Das ist so ein bisschen wie bei der Heizung im alten VW-Käfer, es gibt nur "an" und "aus".

Wir setzten uns also in einen alten abgeschrammelten TIE-Fighter und brausten durch den Hyperraum in eine ferne Galaxis zum Planeten Erde. Ein ziemlich abgelegenes Bröckchen kosmischer Staub, wenn ihr mich fragt - aber immerhin gibt es dort schon 3-D-Kinos! Wir gingen also hinein und schauten uns den Streifen an. Als der Film vorbei war, war mein Meister sehr nachdenklich. Ich fragte ihn also, was ihn bedrückte.

Ich: Meister, was macht Euch so nachdenklich? 

Darth Uncel: Der Film war ja an einigen Stellen ganz lustig, höhö. Aber aufs Ganze betrachtet fand ich ihn doof. Im Großen und Ganzen war der Streifen eine Reprise der Episode IV. Ich hatte sehr oft das Gefühl, alles schon mal gesehen zu haben. Und es war ein bisschen wie beim Ende des ersten Hobbit-Films: An der Stelle, an der es wirklich interessant wird, bricht der Film ab. Die Prämisse des Streifens - wohin ist Luke Skywalker verschwunden? - ist nichts weiter als ein Red Herring. Als sich am Ende Rey und Luke begegnen, gucken sich die beiden nur wortlos an, und dann: Abspann. 

Und was sollte das mit der Karte? Wir erinnern uns: Am Beginn des Filmes erhält der kugelige Roboter BB-8 von dem Max-von-Sydow-Charakter eine digitale Karte, die den Aufenthaltsort von Luke Skywalker zeigt. Als Rey und Finn dann Han Solo die Karte zeigen, stellt sich heraus, dass es eigentlich nur ein Kartenausschnitt ist, der für sich genommen noch nichts aussagt. Da habe ich mir auch die Frage gestellt: Ja, spinn' ich denn? Wenn jemand die Galaxis Länge mal Höhe mal Breite bereist hat, dann ist es ja wohl Han Solo. Er wird doch sicher im Handschuhfach seines Raumschiffs so etwas wie einen Generalatlas der Galaxie herumliegen haben, mit dem man diesen Kartenausschnitt abgleichen kann! Aber nö. Angeblich hat nur R2D2 den Rest der Karte, und der steckt im Schlafmodus, seit Luke verschwunden ist. Das ist alles ein bisschen billig.

Ich hätte es interessanter gefunden, sich auf die Suche nach Luke zu konzentrieren - quasi als galaxie-weite Schnitzeljagd! Das hätte letztlich auch zum Charakter von Han Solo gepasst. Die militärische Konfrontation mit der ERSTEN ORDNUNG hätte man dann in Episode VIII zeigen können. Stattdessen gab's wieder mal einen Angriff auf einen Todesstern. Gähn.

Ich: Ja, mir ging es genauso! Ich hatte auch das Gefühl, dass ich vieles schon mal irgendwo gesehen hatte. Aber gebt es doch zu: Ihr wart sauer, dass (ACHTUNG! MEGA-SPOILER!) Han Solo den Heldentod sterben musste.

Darth Uncel: Ein bisschen. Ich muss zugeben, dass mir dieser Schurke schon ein bisschen ans Herz gewachsen ist. Man kann durchaus so argumentieren, dass die Love-Story zwischen Han Solo und Leia gewissermaßen das Herz der originalen Trilogie bildete. Wenn man sich dagegen die Episoden I bis III ansieht, dann fehlte darin so ein Charakter wie Han, der an einigen Stellen auch eine gewisse Leichtigkeit in die Geschichte brachte. Vielleicht hatte George Lucas ja so etwas in dieser Richtung mit Jar Jar Binks vor, aber das ging granatenmäßig schief. Dass Han Solo in Episode VII ins Gras beißt, kommt ehrlich gesagt einer Verschwendung eines brillanten Charakters gleich.

Ich: Das Militär der ERSTEN ORDNUNG WIRKTE auch nicht allzu intelligent. Das scheint sich seit den Zeiten des Imperiums nicht geändert zu haben.

Darth Uncel: Guter Punkt, mein Schüler. Egal ob Imperium oder ERSTE ORDNUNG - diese Idioten machen immer wieder denselben Fehler. Man baut eine unglaublich mächtige und scheinbar unbesiegbare Kampfstation auf, und sie wird von den Rebellen zerstört. Dann baut man eine noch größere und mächtigere Kampfstation auf, und sie wird wieder zerstört. Und schließlich wird eine noch gewaltigere Kampfstation in einen Planeten implantiert, die so mächtig ist, dass sie ganze Sonnen anzapfen kann, und dann...

Ich: ... wird sie wieder zerstört. Ja, Meister, ich habe das bemerkt.

Darth Uncel: Eine Definition von Wahnsinn lautet: "Wahnsinn ist, wenn man immer wieder das Gleiche tut, aber andere Resultate erwartet." Das hat irgendeine Sith-Weise vor Tausenden von Jahren mal gesagt. Und denke einfach mal an die Kosten! Eine Kampfstation in einen Planeten einzubetten, ist nicht ohne. Um die nahegelegene Sonne anzapfen zu können, musst du eine Singularität - vulgo auch "Schwarzes Loch" genannt - ins Herz des Planeten implantieren. Gleichzeitig musst du die Gravitation dieser Singularität so eindämmen können, dass nicht der ganze Planet implodiert. Und du musst die eingesammelte Sternenenergie speichern können, ohne dass sie von der im Planeten implantierten Singularität verschluckt wird. 

Kommt noch dazu, dass man diesen Energiestrahl konzentriert abfeuern können muss. Zudem kann dieser Planet, auf dem die Starkiller Base eingerichtet ist, ganz offensichtlich durch den Weltraum reisen. Da müssen gewaltige Motoren am Werk sein, um eine solche Masse anzutreiben. Ein künstlicher Mond als Todesstern ist ja noch einigermaßen vorstellbar, eine in einen Planeten integrierte Kampfstation ist dagegen physikalisch und ingenieurtechnisch eine ungeheure Herausforderung, die ziemlich ins Geld gegangen sein dürfte.

Es geht viel einfacher, einen Planeten auszulöschen. 

Ich: Und wie, mein Meister?

Darth Uncel: Ein Sith-Weiser hat einmal gesagt: Alles, was man braucht, um einen Planeten auszulöschen, ist ein Asteroid von ein paar Kilometern Durchmesser. Man muss ihn nur anschieben, so dass er mit dem betreffenden Planeten kollidiert. Mit so einem Sternenkreuzer der ERSTEN ORDNUNG dürfte das sehr leicht hinzukriegen sein. Das ist viel billiger als ein Todesstern.

Und wenn man es ein bisschen dramatischer haben will, dann gibt es zum Beispiel die "Shadow Planet Killer Cloud" aus Babylon 5. Da es sich bei dem Planetenkiller der Schatten um eine netzartige Struktur handelt, die den zu zerstörenden Planeten komplett einhüllt, ist diese Höllenmaschine viel schwieriger zu vernichten als ein Todesstern aus dem Star-Wars-Universum. Und um dieses Ding zu bekämpfen, reicht es beileibe nicht aus, einfach nur eine dappiche Abluftöffnung zu treffen...



Ich: Und was schließt ihr daraus, mein Meister?

Darth Uncel: Die ERSTE ORDNUNG ist pleite - und idiotisch ist sie auch. Weitere Fortsetzungen sind deshalb höchlich unplausibel.

Ich: Aber es gibt doch noch uns!

Darth Uncel: Gemach, mein Schüler. Unser Tag wird kommen. Kümmere dich erst mal um die Womp-Ratten vor unserer Höhle. Dann sehen wir weiter.

Ich: Ja, mein Meister.

Samstag, 26. Dezember 2015

Auf der dunklen Seite der Macht



Gestern haben Onkelchen (von nun an als Darth Uncel bekannt) und meine Wenigkeit (für Euch ab jetzt Darth Palf, bitte) zusammen den neuen Star-Wars-Film geguckt. Das Ganze war ja sehr fesselnd, hähä. Wir melden uns alsbald von der dunklen Seite der Macht, um Euch unsere Eindrücke zu vermitteln. Also: Stay tuned und möge die Macht mit Euch sein!

Freitag, 2. Oktober 2015

Im Schatten des Oettinger-Lastzugs

Es ist Onkelchens Schicksal, dass er immer wieder auf die Nase fällt. Das hat dazu geführt, dass er sich in seiner eigenen, ganz privaten Sitcom mit der Rolle des sympathischen Losers von nebenan besetzt hat. So ein bisschen wie Homer Simpson oder der Typ aus Family Guy oder der Typ mit den wenigen Haaren in Seinfeld. Mister Ochmonek, der Nachbar der Familie Tanner in Alf. Ihr wisst, was ich für einen Typ meine. Aus diesem Grund hat er ein gesundes Misstrauen entwickelt. Wenn es irgendwann mal wider Erwarten eine Zeitlang gut laufen sollte, vermutet er, dass das Schicksal hinter der nächsten Kurve des Lebensweges eine Betonwand bereit hält, auf die man frontal draufkracht.

Als er letztes Jahr seinen geliebten abgeschrammelten Siebziger-Jahre-Daimler, den er elf Jahre gefahren hatte, nach über 250.000 Kilometern (Benziner!) beim TÜV lassen musste (ausgerechnet bei der Hauptuntersuchung war die Bremsleitung hinten gerissen), überkam ihn aber aus irgendeiner Ecke seines Ichs, die sich noch nicht hundertprozentig mit dem Loser-Dasein abgefunden hatte, dass er nun doch mal angreifen wollte. Er wollte auf der Autobahn auch mal die Überholspur belegen, anstatt immer dem Lastzug von Oettinger-Bier hinterher schleichen zu müssen. Und nach welcher Automarke drängt es die Aufsteiger, all jene jungdynamischen Berater und Vertreter, die die Welt aus den Angeln heben wollen und die die linke Spur für sich gepachtet haben?

Ich will jetzt einen Namen mit vier Buchstaben hören. (Hat da jemand "Opel" gesagt?) Und richtig, Onkelchen wollte auch eines dieser monströsen Autos mit den vier Ringen haben. Das Schicksal schien ihn diesmal allerdings vor einer Dummheit bewahren zu wollen, denn als er mit Tante Dilein bei einem offiziellen Audi-Händler vorbeischaute, wurde er nur ausgelacht. Na ja, reinsetzen durfte er sich schon mal in ein Fahrzeug, aber das war das Äußerste, was ihm der Verkäufer zugestand. Als Onkelchen schüchtern versuchte, bei der Preisdiskussion seine eigenen Vorstellungen anzudeuten, brach der Verkäufer in schallendes Gelächter aus, von dem er sich bis zum Abend nicht mehr erholt haben dürfte.

Trotzig entschloss sich Onkelchen, seinen aus dem automobilen Neolithikum stammenden Daimler, dessen Bremsleitung mittlerweile notdürftig geflickt war, bis ans Ende seiner Tage weiterzufahren. Doch ach, dieser Beschluss war nicht von Dauer, denn ein Autoschieber vom Balkan bot ihm einen gebrauchten A4 mit einem mächtigen TDI-Dieselmotor an. Der Levantiner hob zu einer veritablen Litanei an: "Junger Gebrauchter! Turbo-Direkteinspritzung! Automatik mit Multitronik! Bluetooth!"

Beim Wort "Bluetooth" wurde Onkelchen schwach, denn er wusste ja aus der "Big Bang Theory": Alles ist besser mit Bluetooth. Da ihm der Autoschieber sogar einen günstigen Preis machte, ließ sich Onkelchen auf den Deal ein, sagte seinem Schwabenpfeil Lebewohl und wurde zu einem Herrn der Ringe.

Endlich wähnte sich Onkelchen auf der Sonnenseite des Lebens. Selbst die Bemerkungen seines Papas (86 Jahre, aber geistig noch sehr rege) nach dem Motto, wer einen Mercedes - und sei er noch so alt - gegen einen Audi eintausche, dem sei nicht mehr zu helfen, konnten ihn nicht beeindrucken. Endlich mal konnte er an dem Oettinger-Bierlaster vorbeiziehen und an einigen anderen Lastern auch. Er hatte Spaß.

Dann kam der VW-Abgasskandal.

Eine Internetsuche brachte Onkelchen die Gewissheit, dass sein Audi zu den Modellen gehörte, die den Prüfern mit getrickster Software einen niedrigeren Abgaswert vorgaukelten. Und noch schlimmer: Seinem Turbo droht die Kastration durch ein Update der Schummel-Software, denn die seriöse Tageszeitung "Die Welt" schrieb am 28.9.: "Wer seinen VW nicht drosselt, gefährdet Zulassung". Damit sind natürlich auch die betroffenen Audis gemeint. Im Artikel heißt es: "Denn mit einer Software, die den Schadstoffausstoß begrenzt, verliert das Auto auch an Power. Die Besitzer der Fahrzeuge können sich auf den Standpunkt stellen, einen Pkw mit einer dann geringeren Motorenleistung nicht haben zu wollen."

Jetzt wusste Onkelchen, warum der Autoschieber vom Balkan ihm ein so gutes Angebot gemacht hatte. Der Levantiner musste gewusst haben, dass was im Busch war. Statt Gas geben zu können, würde Onkelchen wieder zu einem Dasein im Schatten des Oettinger-Lasters verdammt sein. Gut, ein absolutes First-World-Problem, aber trotzdem doof. Und sehr enttäuschend, denn zum Schleichen auf der Autobahn kauft man sich alles Mögliche, aber sicher keinen Audi.

Jetzt kann Onkelchen nur noch hoffen, dass die gute Fee Panagiota ihm als Ersatz für seinen Audi eine Reisschüssel aus Japan anschleppt. In seinen feuchten Träumen stellt er es sich schon vor: "Schau mal, das ist dein Traumauto. Honda Civic, Baujahr 2003. Nur 186.000 Kilometer. Ist doch besser als deine alte Rostlaube. Garantiert ohne Schummel-Software." Und Onkelchen würde Panagiota um den Hals fallen und sich einmal im Leben als echter Sieger fühlen.

Mittwoch, 12. August 2015

Ein dringender Appell zum Welt-Elefantentag



Heute melde ich mich mal in eigener Sache. Denn heute ist der Welt-Elefantentag! Das ist mir ein großes und wichtiges Anliegen. Bitte lasst nicht zu, dass wir Elefanten noch weiter gejagt und gewildert werden und unsere Lebensräume weiter eingeschränkt werden! Kauft bitte keine Gegenstände aus Elfenbein, und seien sie auch noch so hübsch. Sorgt dafür, dass wir alle auf diesem Planeten in Einklang mit der Natur leben können. Wir Elefanten und ihr Menschen! Dafür lohnt es sich zu kämpfen.

Es grüßt euch herzlich

Euer Palfi.

Freitag, 7. August 2015

Texas - Onkelchen hält die Welt in Atem!

Texas ist ja einer der Landstriche auf dem Globus, von dem jeder seine ganz speziellen Vorstellungen hat: Cowboyhüte und Cowboystiefel aus Schlangenleder, einsame und verlassene Wüstenstraßen, durch die der heiße Wind die Tumbleweeds treibt. Dallas und Dschei Ahr Ewing! Onkelchen hat seinerseits lange gebraucht, um sich das meckernde Lachen von J.R. anzugewöhnen, und wenn er es heute vorführt, weiß eigentlich keiner mehr so richtig, wer gemeint ist. Glücklicherweise hat sich Onkelchen die anderen Charaktereigenschaften von J.R. nicht angewöhnt, der war ja schon ein ziemlich mieser oder - wie man heute sagen würde - komplexer Typ.

Leider konnte Onkelchen auf seinem Trip nach Austin seine sonst übliche Gewohnheit nicht in die Tat umsetzen, einfach mal trotz aller drängenden Termine in der Stadt herumzustromern. Das liegt daran, dass er einfach zu sehr wie ein Software-Nerd aussieht und ihn die anderen Software-Nerds auf der Konferenz als einen der ihren ansehen. So kam er zum Beispiel mit ein paar Finnen ins Gespräch, die irgend etwas Abgedrehtes im sogenannten Internet of Things entwickeln. Dass er mit denen so einfach in Kontakt kam, muss am vergleichbaren Bauchumfang gelegen haben und an Onkelchens abgeschrammelten Nokia-Lumia-Smartphone liegen, das er ständig mit sich rumschleppt. Vielleicht hatten die Finnen deswegen ja Mitleid mit ihm.

Von den Sehenswürdigkeiten Austins hat Onkelchen also nicht viel mitgekriegt. Gut, die berüchtigten Fledermäuse hat er schwärmen sehen, aber das war nun nicht gerade ein abendfüllendes Programm.


Immerhin war es ihm möglich, zumindest einen Blick auf das Texas State Capitol zu werfen, das bei Nacht feierlich illuminiert war. Den schlauen Texanern ist es damit gelungen, auf ihr Kapitolsgebäude eine Kuppel zu setzen, die die des Kapitols in Washington DC um ein paar Meter überragt. In Texas muss halt alles immer ein bisschen größer sein als im Rest der USA. Dass die Texaner hierfür möglicherweise ein bisschen bei der Kuppel des Pantheons in Paris kopiert haben (wer will, mag auch eine Ähnlichkeit zu den Kuppeln des Berliner Gendarmenmarktes erkennen), wollen wir ihnen hier nicht allzu sehr nachtragen. Kuppeln sehen sich eben immer irgendwie ähnlich. Muss an der Form liegen.


Durchweg erfreulich war das Einkehren in eine Pizzeria, in der es nicht den üblichen Pizza-Hut-Einheitsmampf gab, sondern eine echte gute Pizza mit Ruccola drauf, die auch der zu Unrecht unberühmten Pizzeria "Piazzetta" in Poing bei München zur Ehre gereicht hätte.

Beim Dessert wäre er aber dann beinahe in Schwierigkeiten gekommen, da er der Kellnerin mit den großen Brillengläsern zu erklären versuchte, dass "Tiramisu" zu deutsch "Zieh mich hoch" bedeute, auf Englisch "Pull me up". Dass dies nicht zu Verwicklungen führte, ist vermutlich der Tatsache zu verdanken, dass die Kellnerin nicht so richtig zuhörte, weil sie bald Feierabend machen wollte. So hat Onkelchen zumindest für diesmal gar nicht so viel von Texas mitgekriegt. Macht aber nix. Die schönste Hommage an Texas stammt immer noch von Helge Schneider, und diese wollen wir euch natürlich nicht vorenthalten.

Montag, 3. August 2015

Caramba, Karacho in Texas!

Ein Wolkenkratzer in Austin/Texas. Bei Nacht.

Es ist doch zum Mäusemelken. Kaum haben wir den epischen Urlaub von Onkelchen und Tante Dilein in aller Breite abgehandelt, ist Onkelchen schon wieder irgendwo. Diesmal hat es ihn nach Texas verschlagen, und zwar in die Hauptstadt des Lone-Star-States, nämlich nach Austin. Irgendjemand hat ihn da wieder eingeladen, und pflichtschuldigst hat sich Onkelchen denn auch wieder mal ins Flugzeug gezwängt.

Austin ist nicht nur die Hauptstadt von Texas, sondern auch und insbesondere die Hauptstadt der Live-Musik. Schätzungen zufolge gibt es hier über 250 Bars und Kneipen, in denen, wenn schon nicht täglich, dann doch wenigstens in regelmäßiger Folge Live-Bands auftreten - angeblich vor allem solche, die in Nashville/Tennessee, der Hauptstadt der Country-Musik, inzwischen Auftrittsverbot haben. Aber das ist bestimmt nur ein Gerücht! Onkelchen hat vorhin an der Rezeption auch gefragt, ob es in der  Nähe des Hotels eine Karaoke-Bar gäbe. Karaoke ist nach Onkelchens Definition ja auch eine Form der Live-Musik.

Augenscheinlich hat er sich in den Kopf gesetzt, die völkerverbindende Kraft der Musik einzusetzen, um die Amerikaner mit dem meilenweit unterschätzten Werk des teutonischen Barden Heino zu konfrontieren. Zu diesem Zwecke hat er das schöne Stück "Caramba, Karacho, ein Whisky" einstudiert, weil das seiner Meinung nach so wunderbar nach Texas passt:


Warum das Lied ausgerechnet nach Texas passen soll, wenn in der ersten Strophe eindeutig gesagt wird, dass das Setting eine klitzekleine Hafenbar in - Achtung, jetzt kommt's - Rio de Janeiro ist, konnte mir Onkelchen bisher noch nicht so ganz verklickern. Aber auch sonst gibt es in dem Lied einige Ungereimtheiten. Warum zum Beispiel ist in dem Lied von einem braungebrannten Gaucho die Rede? Die sind ja nun eher typisch für das benachbarte Argentinien. Und welche Bedeutung in der ominösen Liedzeile "und alles ist wieder hin" stecken soll, die den Refrain beschließt, weiß wohl auch nur Heino selbst.

Onkelchen hat dieses Lied in den vergangenen Tagen und Wochen immer wieder geübt. Tante Dilein wusste schon gar nicht mehr, was sie dagegen machen sollte. Wahrscheinlich war es ihr deshalb ganz recht, dass er wieder über den Teich geflogen ist. Soll er doch die Amis mit der ollen Kamelle ärgern.

Die zweite Besonderheit, für die Austin - neben der Sache mit der Live-Musik - bekannt ist, sind die Fledermäuse. Die Stadt liegt an einem Fluss, über den eine Brücke führt, und unter dieser Brücke nisten die Fledermäuse. Manche behaupten, die Zahl gehe in die Millionen.Und jeden Tag im Sommer  brechen die Viecher um acht Uhr abends auf, um Happa-Happa zu suchen. Bei diesem Spektakel gucken jede Menge Leute zu. Vielleicht ist Onkelchen ja diese Woche auch dabei und begleitet das Ganze mit seiner ganz ureigenen Version von Meat Loafs "Bat Out Of Hell". Das kann Onkelchen nämlich auch.Und eine Fledermaus kommt auch drin vor.

Dienstag, 30. Juni 2015

Kanada-Reisen: Erfahrungen und Tipps



Blick auf das Bergpanorama in Whistler (British Columbia).

Hallo, Onkelchen! Ich freue mich, dass ihr beide wieder gesund und wohlbehalten in Deutschland gelandet seid. Ich nehme mal an, dass Dich der Jetlag noch ein bisschen in den Klauen hat. Aber das legt sich ja erfahrungsgemäß. Aber trotzdem möchte ich die Frage loswerden: Das war ja jetzt eure fünfte gemeinsame Reise nach Kanada. Was macht Kanada immer wieder aufs Neue so faszinierend?

Ich glaube, dass da viele Dinge zusammenkommen. Da ist zum einen die großartige Natur, da ist das Zusammenspiel von Landschaft und Weite, das sind aber auch sehr freundliche und offene Menschen. Gerade im Westen Kanadas ist die Einstellung zu den Dingen des Lebens doch etwas gelassener als bei uns, und das färbt ab. Hoffe ich zumindest.

War es denn schön?

Ich denke, es war die schönste Kanada-Reise, die wir beide miteinander unternommen haben. Die anderen waren auch sehr schön, keine Frage. Aber die drei Wochen im Juni 2015 haben alles getoppt, nicht zuletzt wegen des fast durchgehend sonnigen Wetters, das wir hatten.

Ihr wart bisher eher im Spätsommer und im frühen Herbst in Kanada unterwegs. Jetzt wart ihr im Juni dort. War das eine gute Entscheidung?

Ja, ohne Frage. Der Juni ist eine gute Reisezeit, vor allem, weil die touristischen Zentren noch nicht überlaufen sind. Die Kanadier selbst brechen eher im Juli in den Urlaub auf. Mich hat überrascht, dass es im Juni dieses Jahr zum Teil schon ziemlich heiß war. Wir hatten eher frühlingshafte Temperaturen erwartet und uns sogar auf den einen oder anderen Frost eingestellt. Die dicken Jacken konnten somit im Koffer bleiben. Die Kanadier sagten uns, dass dieser Juni ungewöhnlich warm und sonnig gewesen sei. Das hat auch negative Folgen: die Waldbrandgefahr ist sehr hoch, und der ausbleibende Regen ist natürlich für die Landwirtschaft dort ein großes Problem.

Was muss man denn beachten, wenn man nach Kanada reist?

Vor allem sollte man Zeit mitbringen. Und man muss sich auf die Weite des Raumes einlassen. Ich geb Dir mal ein Beispiel: In den drei Wochen, in denen wir in Kanada waren, sind wir mit dem Auto ungefähr 3.300 Kilometer weit gefahren. Wenn Du in Deutschland 3.300 Kilometer fährst, hast Du mit hoher Wahrscheinlichkeit die komplette Bundesrepublik bereist und Berlin, Hamburg, Köln, München und noch einige weitere bedeutende Städte besucht. Wir dagegen haben uns eigentlich „nur“ im südlichen Drittel der westlichsten Provinz British Columbia bewegt. Das gibt so ein bisschen einen Eindruck von der Fläche, denke ich.

Was würdest du jemandem raten, der zum ersten Mal nach Kanada reist?

Wie gesagt: Zeit mitbringen. Das hat nicht nur mit den Entfernungen zu tun. Sondern auch damit, dass man auf den kanadischen Straßen nicht so schnell vorwärts kommt wie auf einer deutschen Autobahn. Ein kanadischer Highway ist keine Autobahn. Die Highways sind oft nur zweispurig ausgebaut, dann sind 90 Stundenkilometer als Höchstgeschwindigkeit das Maximum. Sie verlaufen gerade in British Columbia oft auch kurviger, so dass man an einigen engen Stellen bis auf 30 oder gar 20 Stundenkilometer herunter bremsen muss. Wenn man also eine Route plant – und der Reiz einer Kanada-Reise ist ja gerade das Unterwegs-Sein – dann muss man eine gute Vorstellung davon haben, wie viel Zeit diese Route in Anspruch nimmt. 

Mein Rat ist daher, sich vor der Reise die größte Straßenkarte zu kaufen, die man finden kann, und sobald man im Land ist, sollte man sich noch eine größere Karte kaufen. Einfach um ein Gefühl für die Entfernungen zu bekommen und zu sehen, welche Tagesetappen realistisch sind. Das ist nicht zuletzt dann wichtig, wenn man mit Familie reist. Man sollte die Touren schon so planen, dass man Zeitreserven hat, dass man Pausen für ein Picknick oder auch ein interessantes Zwischenziel hat. Auch wenn das Autofahren in Kanada wegen der geringeren Geschwindigkeiten auf den Straßen entspannter ist als in Deutschland: Wenn man nur Kilometer herunterreißt, weil man eine Etappe zu sportlich geplant hat, geht der Erholungseffekt leider flöten.    

Ihr wart zuletzt 2005 in Kanada, also vor zehn Jahren. Was hat sich in dieser Zeit verändert?

Zum Glück nicht viel (lacht). Die großartige Landschaft und die Natur sind natürlich immer noch vorhanden. Aber einige Details sind uns schon aufgefallen. Als wir vor zehn Jahren in Kanada waren, sind wir ab und an in ein Internet-Café gegangen, um Grüße nach Hause zu schicken. Mittlerweile ist ein in der Regel kostenfreier WiFi-Zugang in den allermeisten Hotels, Motels und auch in zahlreichen B&Bs Standard - und das sogar in relativ kleinen Ortschaften. Auch die Mobilfunkversorgung hat sich seit zehn Jahren wahnsinnig verbessert. Vor zehn Jahren konnte man mit Geräten nach europäischem Standard fast nur in den großen Städten Calgary, Edmonton und Vancouver beziehungsweise entlang des Korridors Calgary-Banff telefonieren. Heute ist das Netz dagegen viel besser ausgebaut. Natürlich - je weiter man in dünn besiedelte Gebiete vorstößt, desto geringer sind die Chancen. Aber in den Städten und den einschlägigen Touristengebieten hatten wir mit unseren europäischen Smartphones eigentlich immer die Möglichkeit zu telefonieren. Zudem hatten wir heuer oft sogar die Wahl zwischen diversen Roaming-Anbietern, nämlich Bell, Telus und Rogers Telecom. Vor zehn, zwölf Jahren war man auf einen einzigen Mobilfunkanbieter namens Microcell angewiesen, wenn man mit GSM-Geräten nach europäischem Standard telefonieren wollte. Damals haben wir uns meistens mit sogenannten Prepaid-Calling-Cards beholfen, die man am Flughafen und in den Supermärkten kaufen konnte. Man ging an ein öffentliches Telefon und musste die ellenlange Nummernkombination wählen, die auf der Karte aufgedruckt war. Das war zunächst die Netzeinwahlnummer, dann die Kartennummer und dann die PIN, die man freirubbeln musste. Und schließlich noch die Nummer, die man eigentlich wählen wollte.

Das ist ja schon eine recht lange Liste! Fallen dir noch irgendwelche Unterschiede gegenüber früher ein?

Ja, allerdings! Wir haben festgestellt, dass die Bed & Breakfasts (kurz B&Bs, also quasi Frühstückspensionen) inzwischen sehr viel professioneller geworden sind als damals. Früher konnte man sagen: Hotels sind teurer, B&Bs sind dagegen preiswerter, aber persönlicher. Die B&Bs waren nicht zuletzt deswegen preiswerter, weil man in der Regel den Übernachtungspreis pro Zimmer bezahlte, und dann war es eigentlich egal, ob man in dem Zimmer allein oder zu zweit übernachtete. Bei Hotels wurde der Preis pro Person berechnet. Zudem waren die B&Bs persönlicher, weil man die Betreiberfamilie ein bisschen kennenlernen konnte - das waren oft Ruheständler, die sich mit dem B&B ein bisschen ihre Rente aufbesserten und sich damit andererseits auch die Welt in ihre gute Stube holten.

Heute haben sich die Preise für Hotels und B&Bs praktisch aneinander angeglichen. Zudem kann man viele B&Bs in Kanada inzwischen auch über die einschlägigen Buchungsportale buchen. Das ist ganz hilfreich, weil man ohne Zeitverlust erfahren kann, ob das Zimmer in dem gewünschten Zeitraum auch verfügbar ist. Zudem kann man seine Reservierung ganz einfach durch Eingabe der Kreditkartennummer fixieren. Früher musste man die B&B-Betreiber erst per Mail anschreiben und dann abwarten, ob und wann sie dann antworteten.

Das ist heute - zumindest bei den Top-B&Bs - sehr viel angenehmer und einfacher. Auch beim Service sind viele B&Bs sehr professionell geworden, dabei ist allerdings manchmal das Persönliche ein wenig auf der Strecke geblieben. Bei einem B&B zum Beispiel haben wir unsere Vermieter nie getroffen, wir bekamen nur angegeben, wo wir den Schlüssel abholen und die Rechnung bezahlen sollten. Das geschah bei einer Firma, die Kanu-Exkursionen organisierte und nebenbei noch die allfällige Verwaltung für das B&B erledigte. Bei einem anderen B&B waren die Hauseltern sogar so profimäßig drauf, dass uns so ein bisschen das Persönliche abging. Es war einfach alles ein bisschen zu geleckt!

Hättest Du noch einen Tipp?

Einen? Viele! (lacht) Aber ich denke, wenn man unterwegs ist, sollte man unbedingt in der Tourist Information des jeweiligen Ortes vorbeischauen und sich erkundigen, welche interessanten Dinge es in der Umgebung zu sehen und zu erleben gibt. Selbst der beste Reiseführer kann nicht so aktuell und informativ sein wie die Infos, die man sich dort holen kann. Auch B&B-Betreiber wissen häufig sehr gut über ihren Ort und ihre Umgebung Bescheid, so dass man sich gute Tipps holen kann. Unsere Gastgeber in Port Alberni gaben uns zum Beispiel den Tipp, nach Errington zu fahren. Das ist nur ein paar Autominuten von dem berühmt-berüchtigten Coombs entfernt, wo Ziegen auf dem Dach eines merkwürdigen New-Age-Supermarkts weiden (ich lüge nicht!) In Errington gibt es das North Island Wildlife Recovery Centre, in dem verletzte Tiere wie zum Beispiel Weißkopfseeadler so weit gesund gepflegt werden, dass sie wieder ausgesetzt werden können. Das sollte man schon gesehen haben. Nur die Spinnensammlung im Eingangsbereich sollte man sich nicht zu genau ansehen...


Freitag, 26. Juni 2015

Neue Hoffnung für ein Nest namens Hope

Onkelchen hat vor kurzem zu Tante Dilein gesagt: Unser Urlaub hängt durch. Na ja, irgendwann hängen einem die Naturschönheiten von British Columbia zum Halse heraus. Und irgendwann geht einem dieses endlose "How are you, oh fantastic, oh so nice" der ausgesprochen netten Kanadier auch auf den Zeiger. Abwechslung ist gefragt! Und da traf es sich gut, dass Onkelchen und Tante Dilein gestern abend einfach mal durch das Dorf stromerten, in dem sie die letzte Etappe vor dem Heimflug verbringen, nämlich in einem Nest namens Hope. 

Hope besteht aus Eisenbahnschienen, ein paar Tankstellen und Motels sowie einer Hauptstraße mit ein paar Geschäften und Kneipen, der Wallace Street. Dort befindet sich auch das Kino des Ortes. Eigentlich suchten die beiden nur nach einer preiswerten Gelegenheit zum Einkehren, da fiel Onkelchen in einem der eingestaubten Schaufenster ein Plakat auf. Der Movie-Club von Hope lud zu einer Vorführung der (historisch) ersten Star-Wars-Episode von 1977, die im Kanon inzwischen als Folge vier eingereiht ist und den Eingeweihte unter dem Titel "A New Hope" (zu Deutsch: Neue Hoffnung) kennen.

Tante Dilein konnte gar nicht so schnell schauen, wie Onkelchen in dem Kino verschwunden war. Er ist nämlich eingefleischter Star-Wars-Fan, der bei jeder sich bietenden Gelegenheit einen Heuler wie der Wookiee Chewbacca loslässt (so auch jetzt). Schnell besorgte er die Karten, nachdem er eruiert hatte, dass auch Noch-Nicht-Mitglieder des Movie-Clubs den Film ansehen durften. Tante Dilein, die sich schon auf ein gut gegrilltes Steak oder zumindest auf einen Hamburger gefreut hatte, musste sich halt nun mit salzigem Popcorn zufrieden geben.

Der Filmvorführung ging eine Kostümprämierung voraus (richtig, einige Fans hatten sich als Charaktere aus der Star Wars Saga verkleidet). Eine schon etwas angejahrte Dame, die sich mittels angeklebter Papierohren als Jedi-Meister Yoda kostümiert hatte (im leicht unterbelichteten Foto ist sie in der Mitte zu sehen), gewann den Hauptpreis. Aber auch Tante Dilein ging nicht leer aus und gewann bei der ebenfalls stattfindenden Tombola ein Trinkglas mit dem Motiv des originalen Star-Wars-Filmplakats von 1977.



Onkelchen konnte seinerseits sein Fachwissen in Sachen Star Wars unter Beweis stellen und lieferte in einer Trivia-Fragerunde zweimal die richtige Antwort auf ausgesprochen knifflige Fragen (Wo wurden die Außenaufnahmen für den Wüstenplaneten Tattooine gedreht? Richtig, in Matmata in Tunesien. Welche Firma vertrieb die originalen Star-Wars-Actionfiguren? Richtig, Kenner Toys!).

Der Film war für Onkelchen natürlich ein Fest, er hatte ihn zwar schon unzählige Male gesehen, aber bis dato eben nie in der englischen Originalfassung auf der Leinwand. Tante Dilein konnte hingegen die Hingabe studieren, mit der echte Fans den Film verfolgen und wie sie in jeder Szene mitgehen. Bei der Zerstörung des Todessterns brach zum Beispiel das gesamte Publikum in Szenenapplaus aus. Insofern keimte ausgerechnet in einem Nest namens Hope neue Hoffnung für den zu Ende gehenden Urlaub der beiden auf. 

Donnerstag, 25. Juni 2015

Ganz geheime Geschichten

Irgendjemand hat mal gesagt, Kanada sei ein Land mit einem Zuwenig an Geschichte aber mit viel zuviel Geografie. Nun gut, die Ureinwohner dürften das ein bisschen anders sehen, aber aus Sicht der Europäer lassen wir das Zitat einfach mal so stehen. Dieser Mangel an Geschichte ist auch das Einzige, was Onkelchen ein bisschen nervt. Er liebt es zwar, mit Tante Dilein durch die Weiten der kanadischen Wildnis zu fahren, aber - hach, so eine Burgruine oder ein kleines barockes Wallfahrtskirchlein, das über dem Tale thront, das wäre doch was! Es gibt nicht viel Schöneres, als durch Kanada zu cruisen, während Country-Musik aus dem Radio perlt, aber ihr hättet Onkelchen vor elf Jahren sehen sollen, als er die Gelegenheit hatte, über die Akropolis zu streunern! Oder vor zwei Jahren über das Forum Romanum! Derartige Stätten sind nun mal in Kanada eher dünn gesät.

Gestern nun verschlug es Onkelchen und Tante Dilein in das kleine Dorf Keremeos. Der Name des Dorfes klingt zwar irgendwie griechisch (unser Altsprachler wollte gleich wieder Parallelen zum "Kerameikos" in Athen herstellen), ist aber wohl indianischen Ursprungs und bedeutet laut Wikpedia "der Ort, an dem sich die Winde treffen". Die beiden sind wirklich total zufällig an dem Treffpunkt der Winde aufcgeschlagen. Zunächst wollte Onkelchen unbedingt eine (na ja, nicht ganz so) geheime kanadische Forschungseinrichtung besuchen. Die ist so geheim, dass man dort unbedingt das Handy ausschalten muss, da sonst die empfindlichen Forschungsgeräte gestört werden. Deswegen konnte Onkelchen keine Bilder von der (na ja, nicht so ganz) geheimen Einrichtung schießen. Deswegen gibt es vorerst nur das folgende, ziemlich magere Fotodokument (glücklicherweise hatte Tante Dilein auch noch ihren altmodischen analogen Fotoapparat dabei und konnte Insider-Bilder der Einrichtung machen, aber die müssen erst noch entwickelt werden.)


Nach der Besichtigung der Forschungseinrichtung schlug Tante Dilein vor, einfach der Straße weiter zu folgen. Das tat Onkelchen folgsam, er fand sogar eine verlassene Tankstelle, weil das Benzin knapp zu werden drohte, und fuhr dann weiter an ein paar einsamen Seen vorbei, bis er zu dem Dorf Keremeos kan. Ein einsamer Flecken in einer entlegenen Gegend. Onkelchen hätte sich kaum gewundert, wenn Winnetou um die Ecke gebogen wäre und ihm die Blutsbruderschaft angeboten hätte. Tatsächlich gibt es dort noch viel Indianerland. Schließlich gelangten sie zum modernsten Gebäude des Dorfes.


Diese alte Mühle wurde Ende des 19. Jahrhunderts von einem verschrobenen Engländer errichtet, der nach British Columbia ausgewandert war. Er soll zwei Indianermädchen geheiratet haben (die Geschichte schweigt sich aus, ob das nacheinander oder parallel der Fall war) und die Gegend mit Mehl versorgt haben. Leider gab es bald leistungsfähigere Mühlen in der Gegend, und der besagte verschrobene Engländer kehrte wieder in die Heimat zurück. Die Wassermühle steht indes immer noch und ist inzwischen ein kleiner Anzeihungspunkt für Mühlenfreunde. In dem kleinen General Store, den der Engländer außerdem betrieb, ist eine Teestube eingerichtet, in der man kleine Mahlzeiten gereicht bekommt (Tante Dilein wollte von der Köchin sofort das Rezept für die Salatsoße haben, diese ließ sich aber nur entlocken, dass die Vinaigrette Bestandteile von Erdbeeren und Thymian enthielt). An der Kasse stand ein wohlgeformtes blondes Mädel, das deutsche Vorfahren hatte. Sie sagte, einige ihrer Ahnen seien aus Bielefeld gekommen. Onkelchen hätte ihr darauf gerne gesagt, dass ihm das sofort klar gewesen sei, denn Bielefeld gebe es bekanntlich gar nicht, und deswegen könne das blonde Mädel nicht von dieser Welt sein. Dafür reichte aber sein Englisch nicht aus. Er lächelte halt. War wohl besser so.

Zum Mühlengelände gehört ein Garten, und wie es der Zufall so wollte, gastierte dort just an diesem Nachmittag ein gemischtes Folk-Musikduo mit dem Namen "Vazzy", das aus einer leicht gealterten frankokanadischen Elfe und einem Herren bestand, der wie ein Amish mit Hawaiihemd aussah. Beide hatten es sich zum Ziele gesetzt, dem überschaubaren Publikum (das auf Decken und Campingstühlen Platz nahm) die Weisen der französischen Ureinwanderer zu Gehör zu bringen. Onkelchens Schulfranzösisch reichte leider nicht aus, die schlüpfrigeren Details der zum Teil recht deftigen Lieder zu verstehen. Glücklicherweise erklärte das Duo vor den einzelnen Stücken zumindest umrisshaft, worum es ging. Dadurch zog sich das Konzert zwar etwas in die Länge, aber Platz unter der großen alten Kastanie war so schön und schattig, dass man sich gut in eine andere Zeit und Realität wegträumen konnte. Die Notwendigkeit, sich mit anderen kanadischen Freizeitbeschäftigungen abzugeben (wie etwa den Penticton-Kanal in alten Reifen herunterzufahren), war somit nicht mehr gegeben. 
 
 

In der Nähe des heutigen Dörfchens Keremeos soll sich übrigens noch so etwas wie ein Schatz befinden, der sogenannte "Spanish Mound". Dabei soll es sich um den Grabhügel eines Trupps von spanischen Soldaten handeln, der irgendwann im 18. Jahrhundert von  den Indianern massakriert worden war. Die Indianer hatten sich damit nur revanchiert, da die Spanier im Jahr zuvor einige der Eingeborenen gefangengenommen hatten, als sie schon mal durch die Gegend gezogen waren. Als sie umkehren mussten und wieder durch das Tal von Keremeos kamen, wurden die Senores bis auf den letzten Mann niedergemacht. Wo dieser geheimnisvolle Grabhügel liegen soll, weiß niemand  genau. Es ist aber wohl Tatsache, dass bei Tauschgeschäften der hiesigen Indianer immer wieder mal spanische Relikte aus jener Zeit gehandelt wurden. Ob es das Grab der spanischen Soldaten aber tatsächlich gibt oder es sich nur eine Sage handelt, weiß niemand genau. Vielleicht muss Onkelchen "Indiana Jones" da noch mal herkommen. 


 

 
 

Montag, 22. Juni 2015

Der sonnige Süden von British Columbia

Gestern verließen Onkelchen und Tante Dilein das Hochgebirge und Revelstoke und gondelten gemütlich in den sonnigen Süden von British Columbia. Zunächst ging es mit der Fähre über den Arrow Lake.


Bei der lustigen Fährfahrt waren auch einige Altrocker mit von der Partie, die zu diesem Anlass ihre Maschinen auf Hochglanz poliert hatten. Diese Harley-Davidson durfte auch mal wieder den Duft von Freiheit und Abenteuer schnuppern.


Auf dem anderen Ufer liegt das kleine Städtchen Nakusp (klingt irgendwie nach Knusperriegeln, nicht wahr?) Die Besucherinformation hatte geschlossen. Vor dem Touristenbüro ist die Schaufeltrommel eines alten Schaufelraddampfers drapiert. Und jeden Tag zu Mittag erklingt die Schiffspfeife. Glücklicherweise kamen Onkelchen und Tante Dilein zu spät dafür, denn sonst hätte es ihnen das Trommelfell rausgeblasen.


Nach einer kurvigen Fahrstrecke und einem Picknick im Grünen am Ufer eines idyllischen Sees war dann das Dorf Kaslo erreicht. Dort ist ein echter Schaufelraddampfer erhalten geblieben, die S.S. Moyie. Das Schiff, das bis 1957 auf dem Kootenay Lake Dienst tat, ist der Stolz des kleinen Städtchens, und wer drei Dollar in ein Kässchen wirft, darf sogar selbst die Schiffspfeife betätigen. Tuuuut!


Und am Ende erreichten sie die Stadt Nelson. Diese liegt direkt am Kootenay Lake und atmet noch den Geist des viktorianischen Zeitalters.  

 


 
 

Samstag, 20. Juni 2015

Von Ski-Verrückten und Dorftrotteln

Ich muss mich entschuldigen. Wir sind ein bisschen hinterher mit unseren Updates. Das hat unter anderem damit zu tun, dass in den abgelegenen Gegegenden Kanadas, die Onkelchen und Tante Dilein zur Zeit bereisen, nur ab und an die Möglichkeit besteht, Kontakt zur Außenwelt aufzunehmen. In den letzten paar Nächten waren sie in einer einsamen Blockhütte untergebracht, die als einzigen Luxus einen Kanonenofen zu bieten hatte. Siehe hier:

!
Der bayerische Märchenkönig Ludwig II., der ja als eher menschenscheuer Geselle galt, hätte sich hier sicher wohlgefühlt, wenn man  die Decke mit Szenen aus dem "Lohengrin" und dem "Tannhäuser" ausgemalt und das Dach mit ein paar spitzen Türmchen verziert hätte. Da wir aber nicht in Bayern sind, sondern in Kanada, stand diese Option leider nicht zur Verfügung. Hier sind die Leute hemdsärmeliger. Das ist aber kein Nachteil, da sie gleichzeitig in der Regel auch sehr freundlich und hilfsbereit sind. So etwa die Rangerin des Naturparks, die extra jeden Tag den Kanonenofen angezündet hat und mit dem Hundeschlitten auch noch Brennholznachschub brachte. Prust! Ich muss langsam aufpassen, sonst schwindele ich zu sehr! Höhö!    

Seit der Bärenbegegnung vor ein paar Tagen haben Tante Dilein und Onkelchen kein Großwild mehr gesehen. Wahrscheinlich liegt es daran, dass Onkelchen immer zu singen beginnt, sobald er in den Wald geht. Oder in ein Museum. Oder sonstwohin. Er singt eigentlich immer. Dabei bevorzugt er durchaus unterschiedliches Material. Zuletzt trällerte er zum Beispiel immer "Driving the last spike" von Genesis vor sich her, da wir gestern an der Stelle vorbeigekommen sind, an der die letzte Schienenlücke der transkontinentalen Eisenbahn Kanadas geschlossen wurde. Wie gesagt: Er singt eigentlich immer, Die Bären und Elche halten deshalb Abstand. 

Gestern kamen wir schließlich in ein kleines Städtchen namens Revelstoke. Das ist nicht nur von Bergen, sondern auch von Eisenbahnschienen umschlossen. Alle paar Minuten kriecht einer der hier üblichen kilometerlangen Güterzüge durch das einsame Tal und poltert am Fenster von Onkelchens und Tante Dileins Hotelzimmer vorbei. Beide kriegen das nicht mit, da sie von ihrem Aufenthalt "auf der Hütt'n" so erschöpft sind, dass sie die letzte Nacht durchgeratzt haben. Revelstoke ist ein hübsches Städtchen, das noch ein bisschen seiner Glanzzeit von vor hundert Jahren nachtrauert. Damals war es der Eisenbahnknotenpunkt im Inneren von British Columbia, und auch die Raddampfer aus nah und fern pflegten hier anzulegen. Damals legte sich die Stadt ein Gerichtsgebäude zu, das ein wenig dem Capitol in der US-Hauptstadt Washington D.C. nachempfunden war, es gab eine Oper und mondäne Hotels.

Davon ist leider wenig geblieben. Immerhin war Revelstoke in den zwanziger und dreißiger Jahren auch das Mekka des Skisports in Westkanada. Auf Betreiben eines aus Norwegen eingewanderten Ski-Verrückten namens Nels Nelsen wurde hier die seinerzeit größte Skisprungschanze Kanadas gebaut. Nels Nelsen erreichte hier seinerzeit sogar Skisprung-Weltrekorde. Wie groß und eindrucksvoll die Schanze war, lässt sich daran ersehen, dass die Skispringer aus den anderen Teilen Kanadas regelrecht Angst hatten, von hier herunterzuspringen, als 1931 die Landesmeistferschaften in Revelstoke ausgetragen wurden. Noch bis in die siebziger Jahre wurden in Revelstoke Skisprung-Wettbewerbe abgehalten. Danach geriet die Schanze allerdings nach und nach in Vergessenheit. Heute muss man sich sehr anstrengen, um sich vorzustellen, wie die Menschen in den dreißiger Jahren an der Wettkampfstätte mit den Athleten fieberten.



Lediglich der Kampfrichterturm ist noch einigermaßen erhalten, der Rest ist zunehmend dem Verfall preisgegeben.

Ansonsten ist Revelstoke wie gesagt ein nettes Städtchen, es gibt ein Kino und zahlreiche Kneipen (Treffpunkt der einheimischen Jugend ist die "Village Idiot Bar", was sich etwa als "Dorftrottelbar" übersetzen ließe. Mondäner ist das Steakhaus "Zalas", in welchem Onkelchen und Tante Dilein gestern sehr, sehr satt geworden sind). 


Das wäre es für den Moment. Wir melden uns wieder!





Montag, 15. Juni 2015

Port Alberni: Fjorde und fossile Flugzeuge

Wer mit Onkelchen zu tun hat, wird früher oder später den geflügelten Satz hören: "Das ist total überschätzt." Dieser Satz, den er oft als Totschlagargument einsetzt, lässt sich auf alles Mögliche anwenden. Und es ist ja auch oft so, dass sich Leute durch Hypes dazu bewegen lassen, unsinnige Sachen zu tun, weil sie eben gerade in sind und weil alle darauf abfahren.

Bubble Tea war vor ein paar Jahren beispielsweise so ein Phänomen. Auch die Reiseführer-Reihe "Lonely Planet" ist aus Onkelchens Sicht total überschätzt, und hier kreiseln wir uns langsam aufs Thema dieses Beitrags ein. Denn um Land und Leute wirklich kennenzulernen, taugen die Elaborate der australischen Reiseführerschmiede nach aller Erfahrung nicht. Sie sind eher dazu geeignet, die derzeit angesagten watering holes zu ermitteln, an denen sich die Hipster dieser Welt so treffen. Dann kann man zwar ganz entspannt chillen, aber das kann man ja eigentlich auch zuhause mit einem guten Buch. Meint Onkelchen.

Wahrscheinlich würde ein "Lonely Planet"-Autor in Port Alberni, dem Ort, den Onkelchen und Tante Dilein in den letzten paar Tagen zu ihrem Basislager auf Vancouver Island erkoren haben, bestenfalls den Mietwagen auftanken und dann einfach weiterfahren. Die angesagten Touristenorte liegen weiter draußen an der Küste; Tofino für Hipster und Jungs, wie sie vor den Filialen der ebenfalls sehr überschätzten Modemarke "Abercrombie & Fitch" posieren, und Ucluelet für alle Althippies. Port Alberni ist dagegen so ein bisschen das Aschenbrödel auf der Insel. Die Holzindustrie, die Fischerei und ein bisschen Tourismus sind die wichtigsten Wirtschaftszweige, die Gemeinde schlägt sich eher so durch. 

Dabei ist Port Alberni geographisch ungeheuer interessant, da der Ort an einem der längsten Fjorde unseres einsamen Planeten liegt. Dieses Alberni Inlet erlaubt es gewaltigen Holzfrachtern in Port Alberni anzulegen und Baumstämme in aller Herren Länder zu verschiffen, vorzugsweise nach Asien. Mit dem Schiff durch das Fjord zu fahren und die vorgelagerte Inselgruppe der Broken Islands zu durchqueren, ist sehr reizvoll. Man braucht dafür halt Zeit. 

Darüber hinaus liegt unweit der Kleinstadt der idyllische langgezogene Sproat Lake. Am Ufer des kristallklaren Sees häufen sich die Wochenendhäuser der Einheimischen. Onkelchen und Tante Dilein hatten in der vergangenen Woche das Glück, bei einer solchen Anrainerfamilie unterzukommen, die am See ihr Domizil hat. Der Kontrast könnte krasser nicht sein: Die Uferstraße führt kilometerlang durch Wald, man hat ständig den Eindruck, nach der nächsten Biegung geht es wirklich nicht weiter, die gelegentlichen "No Trespassing"-Schilder sorgen auch nicht unbedingt für mehr Vertrauen, und dann öffnet sich plötzlich der Blick auf den klaren, ruhig daliegenden See. Die See-Anrainer möchten auch ganz gerne, dass das so bleibt, denn auf Touristenströmr können sie gern verzichten.

Bis vor ein paar Jahren wurde die Stille am See gelegentlich durch den Motorendonner urtümlicher Flugboot-Giganten gestört. Denn der Sproat Lake war (und ist noch) die Heimstätte von zwei riesenhaften Martin-Mars-Flugbooten, die im zweiten Weltkrieg als Truppentransporter für den Pazifikkrieg gebaut wurden und später zu Löschflugzeugen für die Bekämpfung von Waldbränden umgebaut wurden. Ihre Spannweite von 60 Metern konkurriert sogar mit der moderner Jumbo-Jets. Leider sind die beiden letzten Flugboot-Dinosaurier nicht mehr im Einsatz, weil die Regierung der Provinz British Columbia vor zwei Jahrenden Kontrakt mit der Betreiberfirma auslaufen ließ. Der Betreiber reagierte einigermaßen verschnupft und legte die imposanten Maschinen still. Eines der beiden Flugboote trägt inzwischen wieder den originalen US-Navy-Anstrich und soll nach Florida in ein Museum der US-Marine wandern. Allerdings sorgten wohl logistische Gründe dafür, dass die Maschine derzeit noch im Depot des einstmaligen Betreibers vor sich hin gammelt. 

Die zweite Maschine wäre eigentlich noch einsatzbereit. Und Onkelchen fragt sich, ob sich die Regierung von British Columbia nicht ins Knie geschossen hat, denn angesichts des derzeit ungewöhnlich heißen und trockenen Frühjahrs sind Waldbrände im Sommer so gut wie programmiert. Und da wäre es doch ganz schick, wenn man auf einen Brandbekämpfer zurückgreifen könnte, der einfach so 27 Tonnen Wasser schlucken und abregnen lassen kann. Dann wäre der Martin Mars für den Betreiber kein Klotz am Bein, der nur Platz wegnimmt, sondern wäre weiterhin eine sehenswerte und nützliche Touristenattraktion und müsste nicht, wie im oberen Bild gezeigt, hinter dem Drahtzaun ein trauriges Mauerblümchen-Dasein fristen. Denn solche urtümlichen Riesenflugzeuge sind keineswegs überschätzt. Meint zumindest Onkelchen.

Kulinarischer Nachtrag: Im "Bare Bones" (Ecke Johnston und Elizabeth Street) gibt's tolle Fish & Chips mit Kabeljau (Cod), Lachs (Salmon) und Heilbutt (Halibut). Muss man probiert haben. Dort jobbt auch Jessica, die Freundin des Sohnes unserer Gastfamilie. Und wer sein Fahrzeug waschen möchte, geht ins "Port Posh Wash" - praktisch um die Ecke. Jedes Auto wird da sauber. Ende des Werbeblocks.

Samstag, 13. Juni 2015

Ein kanadischer Moment - Begegnung mit einem Bären


Es ist kaum zu glauben: Viermal waren Tante Dilein und Onkelchen zusammen in Kanada. Wildtiere haben sie da reichlich gesehen: Wapitihirsche, Schneeziegen, ab und an auch einen Kojoten. Aber einen Bären haben sie bisher nicht zu Gesicht bekommen.

Bis gestern. Da schipperten sie mit dem Frachtschiff MV Frances Barkley durch de Inselgruppe, die Vancouver Island vorgelagert ist, und als das Schiff bei einer dieser Inseln anlegte, ließ sich plötzlich ein Schwarzbär blicken - unweit eines Gästehauses, das vor allem bei Schöffel-Funktionskleidung tragenden Touristen sehr beliebt zu sein scheint. Onkelchen zückte sein Smartphone und hielt das atemberaubende Geschehen für die Nachwelt fest. Der Bär ist zunächst nur ein dunkler Fleck in der Bildmitte. Ab etwa 0:11 beginnt er sich zu bewegen und haut ab. Dabei scheucht er noch eine Krähe auf.

Freitag, 12. Juni 2015

Wind und Sand - Long Beach im Pacific Rim Nationalpark


Wenn man in Kanada unterwegs ist, dann ist manchmal der Weg das Ziel. Mit einer anderen Einstellung lassen sich die zum Teil aberwitzig weiten Entfernungen in diesem Land auch gar nicht bewältigen. Es sind die Eindrücke am Wegesrand, ein überraschender Blick auf einen klaren Bergsee zum Beispiel, oder ein majestätischer Gipfel, der plötzlich vor einem auftaucht, nachdem man mehrere Kilometer praktisch nur Schritttempo gefahren ist, weil der Straßenbelag an einem Highway ausgebessert werden muss. Diese Aufnahme entstand am Long Beach im Pacific Rim National Park. Hier ist das Land zu Ende, hier beginnt der Pazifik. Hier haben Wind, Sand und Wasser das Regiment übernommen, und wenn man hier einige Momente lang still wird, beginnt man zu ahnen, was Ewigkeit bedeutet.

Montag, 8. Juni 2015

Rollator-Rock in Nanaimo!

Die "Oak Ridge Boys" haben nichts mit Atomforschung zu tun -
wohl aber mit guter Country-Musik!

Es war eine unruhige Nacht, die Onkelchen und Tante Dilein in Vancouvers asiatischer Enklave verbrachten. Immerhin war es schon Tag, als beide wieder erwachten. Und so machten sie sich frohen Mutes auf, ihre nächste Etappe im Rahmen des "Missionswerks Schwäbischer Frohsinn" anzugehen.

Diese sollte die beiden nach Nanaimo auf der Insel Vancouver Island führen. Der Fahrt ging ein kleiner Disput voraus, welchen Fährhafen man denn anzusteuern gedenke, um auf die Insel überzusetzen. Onkelchen sprach sich für Horseshoe Bay im Norden von Vancouver aus, nachdem er gecheckt hatte, dass dort am Vormittag noch Plätze auf dem Schiff frei wahren. Tante Dilein hielt Onkels Planung dagegen für waghalsig und unrealistisch, denn um nach Horseshoe Bay zu kommen, muss man direkt durch Vancouver durchfahren - und das zur Hauptverkehrszeit. Tante Dilein hielt deshalb Tsawwassen im Süden der Stadt für die bessere Lösung, weil näher. Dort aber wäre eine Überfahrt erst am frühen Nachmittag möglich gewesen.

Da sich Onkelchen ans Lenkrad setzte, war der Disput schnell entschieden. Horseshoe Bay sollte es also sein. Da sein auf dem Handy installiertes Navigationssystem Sperenzchen machte, verzichtete er darauf, es zu benutzen und entschloss sich, nach den Verkehrsschildern zu fahren. Onkelchen hält sich für einen der letzten Autofahrer in Mitteleuropa, der diese Kunst noch beherrscht. Tante Dilein fügte sich ins Unvermeidliche, und es ging los.

Wider Erwarten kamen unsere Frohsinns-Missionare gut voran und bald erhoben sich die Glastürme von Vancouver vor den beiden. Krönender Abschluss war die Fahrt über die Lions Gate Bridge, Vancouvers Pendant zur Golden Gate Bridge in San Francisco. "Die Lions Gate Bridge ist halt grün, die Golden Gate Bridge rot. Das ist der einzige Unterschied", dozierte Onkelchen, und dann ging es in halsbrecherischem Tempo über den False Creek.

Für die Überfahrt nach Nanaimo hatten beide einen wunderbaren Tag erwischt: Sonne satt mit viel Wind. In der Ferne tauchte der mächtige Mount Rainier auf, ein mächtiger, über 4000 Meter hoher schneebedeckter schlafender Vulkan, der sich bereits auf dem Territorium der USA befindet. Leider bekamen sie nicht mit, wie einem anderen Fährpassagier der Klappstuhl von Bord geweht wurde. Diese Episode sollte später noch wichtig werden.

In Nanaimo angekommen - Nanaimo ist ein hübsches Städtchen, in dessen Hafenbecken sich Seeotter, Fischerboote und Wasserflugzeuge tummeln - fuhren sie eine Zeitlang hinter einem Bus mit der auffälligen Aufschrift "Oak Ridge Boys" hinterher. Onkelchen dachte natürlich gleich an Atomforschung, schließlich war Oak Ridge eines der Laboratorien, in denen die Amis während des Zweiten Weltkrieges an der Atombombe gebastelt hatten. Dafür war aber der Schriftzug auf dem Bus zu verschnörkelt. Tante Dileins Vermutung, dass es sich um den Tourbus einer Band handeln müsse, klang da noch am plausibelsten.

Schließlich stellte sich heraus, dass es sich bei den Oak Ridge Boys um eine Country-Band handelte, die schon seit rund 40 Jahren im Geschäft ist und zwar nicht mehr die ganz großen Hallen füllt, aber für die amerikanische und kanadische Provinz reicht es immer noch. Derart neugierig gemacht und weil es der einzige Spaß in der Stadt war, kauften sich beide die Karten.

Das stellte sich als die richtige Entscheidung heraus. Die Herren waren zwar keine Boys im strengen Sinne mehr, sie boten aber im Vorprogramm immerhin ein Country-Gewächs direkt aus Nanaimo auf, was ihnen die Sympathien der lokalen Besucherschar einbrachte. Die Herren waren gut drauf - besonders ein Sänger stach ins Auge, der dank seines schlohweißen Haupthaares und Bartes so aussah, als hätte sich Gandalf ein paar ausgebleichte Jeans, einen Stetsonhut und eine Sonnenbrille geschnappt. Ein anderer der vier Country-Rocker, die von einer gut aufgelegten Band begleitet wurden, hatte sich seine Frisur ganz offenbar von Rumpelstilzchen Robert Carlyle aus der ABC-Serie "Once upon a Time" ausgeborgt. Sein sonorer Baß drang zudem in Tiefen vor, die man kaum beschreiben kann. Man muss es hören.

Was soll man sagen? Die vier boten nicht nur Country-Folk, sondern vor allem gegen Ende des Programms Rollator-Rock vom Feinsten. Auch der Keyboarder hielt kräftig mit, obwohl es sein heißgeliebter Klappstuhl gewesen war, den der Wind am Vormittag von der Fähre ins Meer gefegt hatte. "Wahrscheinlich sitzt jetzt ein Wal drauf", witzelte der Frontmann. "Wisst ihr, was die Fährbetriebe von BC Ferries für die Überfahrt mit unserem Bus verlangt hatten?" Er verriet es nicht, aber das Missgeschick mit dem Klappstuhl wurde an jenem Abend noch ein paarmal eifrig aufgewärmt.

Das Fazit? Es kommt einfach darauf an, zur rechten Zeit zum richtigen Fährhafen zu kommen. Dann fährt man hinter dem richtigen Tourbus hinterher, hat einen tollen Abend, pennt hoffentlich gut und hat sich dann an den hiesigen Tag-Nacht-Rhythmus gewöhnt. Wir wollen es zumindest hoffen...

Hello Nanaimo!

Diesmal melden wir uns nur kurz - mit einem Blick über den Hafen von Nanaimo.


Bis bald! Euer Palfi.

Oh Canada - welcome to Asia!

Onkelchen und Tante Dilein haben sich einen langgehegten Traum erfüllt und sind diesen Sommer zu einer Rundreise durch Westkanada aufgebrochen. In dem Moment, in dem ich dies schreibe, sitzen sie in einem Hotel in Richmond/British Columbia und schlagen sich die Nacht um die Ohren - was ziemlich wörtlich zu nehmen ist, da die beiden erst angekommen sind und der Jetlag ziemlich zugeschlagen hat. Da das Flugzeug, eine betagte Boeing 767, die beiden um 14.30 Ortszeit auf kanadischem Boden ausgespuckt hat, galt es zumindest bis zum Abend tapfer durchzuhalten und wach zu bleiben, um den Organismus an den hiesigen Rhythmus zu gewöhnen. Beide schliefen tief und fest, allerdings nur vier Stunden, und jetzt liegen beide wach und ihnen fällt die Decke auf den Kopf. Glücklicherweise gibt es Fernsehen, und Tante Dilein genießt es, ihre Lieblingsserien wie "Castle" oder "Navy CIS" im Original gucken zu können. Onkelchen bemerkte daraufhin, dass die wirklich toll aussehende weibliche Hauptdarstellerin in "Castle" im Original eine ziemlich langweilige Stimme hat. Onkelchen sagt: Wenn sich Tante Dilein wirklich anstrengt, klingt sie viel erotischer! Dazu muss sie sich gar nicht anstrengen, sage ich!

Das Hotel, in dem die beiden nächtigen, liegt im Einzugsbereich des internationalen Flughafens von Vancouver. Das stört im Augenblick nicht, denn nachts gibt es kaum Flugbetrieb, und es war eine völlig richtige Entscheidung, am Ankunftstag, wo man wegen des langen Fluges (der aber toll war, völlig ruhig und mit tollen Aussichten auf die Rocky Mountains und die Küstenberge von British Columbia) sowieso total durch den Wind ist, keine allzu weite Autofahrt mehr zu wagen. Der gigantische Dodge-SUV, den die beiden bei der Autovermietung kriegten, musste daher nicht mal rülpsen, bis die beiden am Hotel waren. Onkelchens sechster Orientierungssinn schlug wieder zu, so dass die beiden nach kürzester Zeit beim Hotel waren, und nur eine kleine Extrarunde um den Block später, weil Onkelchen den Parkplatz nicht im ersten Anlauf getroffen hatte, befanden sich beide an ihrem ersten Bestimmungsort.

Um ein paar Sachen einzukaufen, gingen beide noch kurz in das gegenüberliegende Einkaufszentrum und erlebten dort einen Kulturschock - na ja, Onkelchen nicht so sehr, aber Tante Dilein schon. Alle Läden waren fest in asiatischer Hand, die Speisekarten der Restaurants waren in chinesischer oder koranischer Schrift gehalten und überall wuselten mandeläugige Menschen. Onkelchens Erklärung, dass es im Raum Vancouver sehr viele asiatische Einwanderer gebe, leuchtete ein. Im Food Court der Shopping Mall wurden deswegen keine Burger dargeboten, sondern Fried Noodles, Dumplings, Fried  Chicken with Rice, kantonesische und koreanische Köstlichkeiten und dergleichen. Onkelchens  Taiwan-gestählter Magen stürzte sich ins Abenteuer, und auch Tante Dilein probierte die von Onkelchen herangeschleppten vegetarischen Dumplings. Sie befand, dass sie (die Dumplings) mit reichlich Sojasoße ganz essbar waren.

Glücklicherweise war das (angebliche) kantonesische Nationalgericht Drache-Tiger-Phoenix nirgendwo zu finden (das Gericht besteht aus Schlange, Katze und Huhn), dafür wurden nebenan in einem Supermarkt lebendige Riesenkrabben und Garnelen feilgeboten. Und in einem anderen Laden,, der sich nicht nur auf Lebensmittel, sondern offenbar auch auf chinesische Medizin spezialisiert hatte, gab es in riesigen Körben geheimnisvolle Pilze und Schwämme, eingelegte Algen und anderes Zeug in Gläsern, die man sich besser nicht allzu genau ansah.  

All das hätte sich Onkelchen schon bei der Einreise denken können. Denn schon bei der Passkontrolle waren sie von einem mandeläugigen Persönchen namens Officer Wan in Empfang genommen worden. Als sie Onkelchens Pass begutachtete, bemerkte sie: "You travel a lot to Taiwan." Onkelchen nickte: "Yes, because of business", sagte er, grammatikalisch vielleicht nicht ganz korrekt.  Als er das Dokument zurückbekam, bedankte er sich mit "Si Sieh", was  auf Chinesisch "Danke" bedeutet. Tante Dilein glaubte daraufhin ein Lächeln in Officer Wans Gesicht entdeckt zu haben. Was lernen wir daraus? Manche Aspekte Kanadas lassen sich am Besten über Umwege verstehen.  


Freitag, 5. Juni 2015

Im Reich der "Weissen Eule"

Ich werde gelegentlich gefragt, ob ich etwas mit einem namhaften Hersteller von Kränen und Hebebühnen zu tun habe, mit dem so etwas wie eine flüchtige Namensähnlichkeit besteht. Und ich mache es gerne offiziell: Es bestehen keinerlei Berührungspunkte, keine Verwandtschaft oder Ähnliches. Es wäre auch völlig unlogisch. Wo ich bin, braucht man keine Hebebühnen oder Kräne. Ein 7,5 Tonnen schwerer asiatischer Elefantenbulle reicht für derartige Zwecke meist vollkommen aus. Wo ein Palfi ist, braucht man also keinen Palf...inger. Wie auch immer.

Genauso wenig wie ich etwas mit einem Hersteller von Hebebühnen zu tun habe, war Onkelchen jemals im Krieg oder in Kampfhandlungen verwickelt. Seine militärischen Meriten sammelte er während seines Wehrdienstes in einer Fernmeldeeinheit, die man sich so ungefähr wie die abgewrackten Legionäre des Lagers Kleinbonum vorstellen muss, wenn sie auf die Ablösung warten - Asterix-Fans wissen wieder einmal mehr! Trotzdem wird Onkelchen nicht müde, in einem Dialekt, den man bereits im Nachbardorf nicht mehr versteht (das vielgeschmähte Schwäbisch ist dagegen eine veritable Hochsprache!), über eingebildete Kriegserlebnisse zu bruddeln. 
Nein, Onkelchen war "Anno vieradreißgavierzg" weder vor Kursk noch "Anno siebnasechzg" vor Bir Gifgafa stationiert. Das ist vielmehr eine perfide Methode, die er entwickelt hat, um seine Mitmenschen zum Nervenzusammenbruch zu treiben.

Als Onkelchen noch so frisch war wie ein Elefantenjunges, wurde er gelegentlich in Wirtshäuser verschleppt - zum Beispiel wenn man eine Hochzeit oder Beerdigung zu beehren hatte. Diese Wirtshäuser waren alle auf ihre Weise gleich - schwere Butzenscheiben in den Fenstern, Hirschgeweihe an den Wänden, vergilbte Tapeten und Gardinen. Breiiges Stimmengewirr. Nicht der Muff von tausend Jahren, aber doch wenigstens der von 1957. Hier herrschte noch Adenauer. Wer hier verkehrte, wählte Filbinger. Keine Experimente, schon gar keine kulinarischen.

Dort saßen dicke alte Männer und rauchten, dass einem das Sehen verging. Und wenn sie nicht gerade Skat spielten, erzählten sie einander von ihren vermeintlichen Heldentaten. Der stinkende Zigarrenstumpen der Marke "Weisse Eule" verblieb dabei im Mundwinkel, der wegen der in den Dörfern damals herrschenden monatelangen Inzucht weiter herunterhing, als dies allgemein als gesund eingeschätzt wird. Man darf sich nicht wundern, dass die ohnehin reichlich dialektal geprägte Aussprache dadurch noch breiiger ausfiel.

Im Laufe der Zeit gab es immer weniger dieser dicken alten Männer, und auch die stinkenden Stumpen der Marke "Weisse Eule" waren immer schwieriger zu bekommen. Onkelchen bemerkte, dass damit wichtige Säulen der Gesellschaft wegbrachen. Mit ihren nicht enden wollenden Ausführungen über die schlechten Zeiten, die kalten Winter, das Artilleriefeuer in der russischen Steppe und nicht zuletzt den Totschlag-Argumenten "Mir hend ja nix g'het domols" und "Ihr hend ja no koin Kriag erläbt" (zu Deutsch: Wir hatten ja nix damals und Ihr habt ja noch keinen Krieg erlebt) vermochten sie jedem die Luft aus den Segeln zu nehmen, der in seinem Leben etwas erleben oder mehr sehen wollte als das Kaff, von dem man seinerseits den Podex der Welt ganz gut erblicken konnte. Diese dicken, stets in Zigarrenrauch gehüllten Männer sorgten letztlich dafür, dass die örtliche Gemeinschaft nicht vor die Hunde ging. Das meinten sie zumindest. Sie hielten sich für so etwas wie die personifizierte Moral des Dorfes. Dabei rächten sie sich nur an der nächsten Generation, weil ein komischer Typ mit Schnauzbart ihre Jugend ruiniert und ihnen alle Illusionen geraubt hatte.

Diese alten Männer hatten durchaus auch Kinder und Enkelkinder. Aber wenn diese die Alten mal um ein Taschengeld oder ein bisschen Geld für eine Kinokarte baten, dann kam auch wieder so ein Spruch der "Ihr habt ja noch keinen Krieg erlebt"-Kategorie. Auf diese Weise wurde die nachwachsende Jugend zu Sittsamkeit und Sparsamkeit angehalten. Und weil die Alten ständig nach "Weisse Eule" stanken, hatten die Jüngeren keine Lust, die ekligen Stumpen auch nur anzufassen.

Da es niemanden mehr gibt, der diese Funktion ausübt, bricht alles auseinander. Werte verfallen, keiner geht mehr in die Kirche (oder zumindest in das daneben stehende Wirtshaus). Junge Menschen geben sinnlos Geld für irgendwelchen Plunder aus, anstatt es für den Acker nebenan zu sparen. Kurz gesagt: Die Spaßgesellschaft breitet sich aus. Deshalb sich hat Onkelchen in jahrelanger Arbeit das Idiom der alten Männer angeeignet und ihre Kriegsgeschichten bewahrt, ja mehr noch: sich neue ausgedacht. (Onkelchen ist sich durchaus darüber klar, dass die besagten Herrn die meisten ihrer war stories dem Landserheft entnommen hatten!) Denn irgendjemand muss er heutigen Jugend doch aufzeigen, dass es noch etwas anderes gibt als Elektroplunder und Markenklamotten!

"Irgendwann kommt wieder ein Krieg", pflegten die Alten zu sagen, "und was mach'sch du dann mit deinem Glomp?" Weise Worte. Nur eines wird sich Onkelchen nicht angewöhnen, nämlich Stumpen der Marke "Weisse Eule" zu paffen. Die gibt es nämlich wirklich nicht mehr.

Sonntag, 10. Mai 2015

Wie Tante Dilein ein ganzes Pfarrer-Ehepaar vertrat

So, ihr Lieben! Ihr habt je schon lange nichts mehr von mir gehört, aber das soll sich nun ändern. Vieles ist in den letzten Wochen geschehen, was berichtet werden muss. Aber Gemach und eins nach dem anderen.

Dass Onkelchen und Tante Dilein glaubenstechnisch gelegentlich über Kreuz liegen (höhö), ist ja leidlich bekannt. Unbestritten ist allerdings, dass es ein Vorteil der Evangelischen ist, dass die Pfarrer in Elternzeit oder Mutterschutz gehen können, wenn es denn not tut. Bei den Katholiken hört man so was eher selten, zumindest nicht offiziell.

Nun begab es sich also, dass das Pfarrer-Ehepaar, das für Tante Dileins Sprengel zuständig ist, unlängst gemeinsam in Elternzeit ging. Das sorgte zwar für allgemeines Schütteln des Kopfes, denn wenn man schon ein Ehepaar an der Spitze der Gemeinde hat, von denen beide ordiniert sind, dann kann ja der Herr Pfarrer die Stelle der Frau Pfarrerin übernehmen, wenn sie denn in Serie geht.

Dies geschah aber nicht, und die bevorstehende Niederkunft der Frau Pfarrerin wurde für eine gemeinsame Auszeit genutzt. Inzwischen ist ja auch das Söhnchen auf der Welt. Die merkwürdige Namensgebung für das Kind ("Benedikt Pio", alle Wetter!) löste allerdings unter den Pietisten ein weiteres Kopfesschütteln aus, denn es schien ein zusätzlicher Beweis dafür zu sein, dass sich der erst vor ein paar Monaten ordinierte Herr Pfarrer zu den Kryptokatholiken zählt.

Egal. Beide standen halt nicht zur Verfügung, als es darum ging, einen ökumenischen Gottesdienst aus Anlass des 50-jährigen Bestehens des Sanitäter-Ortsverbandes in einem kleinen Teilort abzuhalten. In jenem kleinen Teilort ist noch alles in bester Ordnung, wie man so schön sagt: Die Rindviecher sind gesund, die Weiden sind grün, die Familienstammbäume sind kreisförmig und die Kirche ist einem merkwürdigen Heiligen namens St. Gangolf geweiht, der von seinem ungetreuen Weibe meuchlings ermordet wurde, weil jene ein Verhältnis mit einem Priester hatte. Das grausige Geschehen ist im Altarraum in drastischen Farben dargestellt. Onkelchen fragte sich allerdings, als er die dort gemalten Fresken sah, was denn aus dem ungetreuen Weibe geworden war, denn das berichtete die Geschichte nicht.

Da nun halt die evangelische Geistlichkeit für den Gottesdienst nicht zur Verfügung stand (wie erwähnt), musste nun irgendjemand gefunden werden, der im Geiste der Ökumene die Fahne der wackeren Lutheraner hochhielt. Zwar wohnt im Nachbarort eine Pfarrerin im Unruhestand namens Godlind B., die zwischenzeitlich, so hört man, die Evangelische Akademie in Bad Boll geleitet haben soll. Leider ist der Katholikenhass der Dame ebenso sprichwörtlich wie ihre Glaubensstärke, so dass man von dieser Lösung Abstand nehmen musste. Unter den Sanitätern sind ja auch ein paar Katholiken, nicht zuletzt der katholische Pfarrer des Ortes.

Deshalb ward Tante Dilein zur Pfarrvertreterin erkoren. Die suchte sich zwar ein Loch, in welchem sie sich verkriechen konnte, fand aber keins. Und so rückte der Tag näher, an dem sie im Gottesdienst die Sanitöter aus nah und fern offiziell zu begrüßen hatte. Onkelchen, der noch an Ostern ein Opfer des Katholikenhasses der Pfarrerin B. geworden war, gab seine Boykotthaltung auf, als er hörte, dass sich an die geistliche Feier noch ein Scheunenfest mit Freibier anschließen würde.

Nun geschah es also. Tante Dilein warf sich in Schale und sah äußerst präsentabel aus und hielt (na ja, ein bisschen hatte Onkelchen sie gecoacht) eine sehr gelungene Eröffnungsansprache. Und nach dem Gottesdienst zogen sie mit den Sanitätern in die Festhalle, wo sie am Ehrentisch zusammen mit der frisch gewählten jungen Bürgermeisterin des Ortes Platz nehmen durften. Leider gelang es Onkelchen nicht, mit der künftigen Bürgermeisterin zu füßeln, denn ihm gegenüber machte sich der noch amtierende Amtsinhaber breit. Die Liedvorträge des Gesangvereins  entschädigten ihn allerdings für diese entgangene Chance.

So wurde es spät am Abend, Onkelchen nuckelte Freibier um Freibier leer, während der baldige Altbürgermeister einige Schnurren aus der bereits im 14. Jahrhundert eingestellten Bergbau-Vergangenheit des Ortes zum Besten gab. Der Gesangverein sang, der langjährige Sanitäter-Vorstand fügte der ohnehin schon überladenen Vereinsfahne einen Wimpel von der Größe eines Bettvorlegers an. Die Frauen, die die Bierkrüge schleppten, wurden in seinen Augen immer schöner (was Tante Dilein nicht registrierte, da sie tatsächlich daran interessiert war, Konversation zu machen). Und Onkelchen vergaß, dass er am nächsten Tag zu einem wichtigen geschäftlichen Termin nach Boston/USA fliegen musste.

Gelebte Ökumene ist doch wunderbar, oder?